| 20:07 Uhr

Abwehrspieler erzielt Traumtor gegen Nordirland
Spätzünder Halstenberg sammelt Pluspunkte

 Bestens gelaunt zeigte sich Marcel Halstenberg nach Schlusspfiff in Belfast. Mit seinem Tor hatte er maßgeblichen Anteil am Sieg der DFB-Elf.
Bestens gelaunt zeigte sich Marcel Halstenberg nach Schlusspfiff in Belfast. Mit seinem Tor hatte er maßgeblichen Anteil am Sieg der DFB-Elf. FOTO: dpa / Christian Charisius
Belfast. Mit seinem ersten Länderspieltor setzt der Linksverteidiger ein Ausrufezeichen – doch von großen Ansprüchen möchte der Leipziger nichts wissen. sid

Mit drei Tagen Verspätung machte die verunglückte „Volley!“-Choreographie des „Fan Club Nationalmannschaft“ doch noch erstaunlich viel Sinn. Die aus schwarzen Pappen geformte Aufforderung der Anhänger hatte bei der Heimpleite in Hamburg gegen Erzrivale Niederlande (2:4) für Verwunderung gesorgt, Marcel Halstenberg fühlte sich von ihr aber offenbar inspiriert.

Mit einer traumhaften Direktabnahme nagelte der Linksverteidiger beim mühsamen 2:0 (0:0)-Sieg im richtungweisenden EM-Qualifikationsspiel in Nordirland den Ball unhaltbar in den Winkel (48.). Sein erstes Tor im vierten Länderspiel war nicht nur wunderschön, sondern auch enorm wichtig. Bis zu Halstenbergs Führungstreffer hatte die DFB-Auswahl gegen die kampfstarken Nordiren schwach gespielt.

„Das hat so ein bisschen die Dose geöffnet“, sagte Halstenberg, Profi von RB Leipzig, über die erlösende Wirkung seines Treffers: „Ich habe den Ball einfach überragend getroffen, er fliegt perfekt rein.“ Auch nach dem Duschen war der 27-Jährige „noch voller Adrenalin und überglücklich“, obwohl er sich auf dem Platz beim Torjubel noch merklich zurückgehalten hatte.



„Ich habe mich innerlich extrem gefreut, weil ich ihn gut getroffen habe und es ein super Tor war. Aber ich wusste, dass es noch schwer wird, das über die Bühne zu bekommen“, erklärte Halstenberg. Doch tatsächlich wurde es zunächst leichter. „Man hat in den zehn Minuten danach gesehen, wie sehr uns dieser Treffer geholfen hat“, sagte Mittelfeldspieler Toni Kroos: „Ein tolles Tor, das freut mich für ihn und uns.“

Mit seinem Offensivdrang sammelte Halstenberg, der in der Jugend zum Stürmer ausgebildet worden war, Pluspunkte im Kampf um den Stammplatz auf der linken Abwehrseite. Sein ärgster Konkurrent Nico Schulz (Borussia Dortmund) fiel mit einer Fußverletzung aus, den Kölner Jonas Hector scheint Halstenberg vorerst abgehängt zu haben. Doch Ansprüche stellte er keine.

„Da will ich mich eigentlich gar nicht zu äußern oder mich positionieren“, sagte „Halste“. Seine Leistung wolle er „auch nicht überbewerten“, es sei „ein vernünftiges Spiel mit Luft nach oben“ gewesen. Das zeugt von guter Selbstreflexion: Defensiv zeigte der Abwehrspieler in der ersten Halbzeit einige Schwächen. Bundestrainer Joachim Löw traut dem Spätstarter, der sich nie im engmaschigen Netz der Scouts für die U-Nationalmannschaften verfangen hat, noch eine Menge zu: „Er ist physisch sehr stark, kopfballstark, hat eine sehr gute Offensivkraft.“ Und einen strammen Schuss. Seinen linken Fuß nennt er selbst „eine Waffe“.

Die entscheidende Wende seiner Karriere hat Halstenberg übrigens David Wagner zu verdanken. Der heutige Trainer des Bundesligisten FC Schalke 04 war von 2011 bis 2013 Halstenbergs Trainer bei Borussia Dortmunds Zweitvertretung und schulte ihn vom Angreifer zum Linksverteidiger um. Von da an ging es mit seiner Karriere bergauf – bis zum vorläufigen Höhepunkt von Belfast.