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Fußball
Der Traum von der Titelverteidigung lebt

 Geschafft: Die deutschen U21-Nationalspieler sind kaputt, aber glücklich. Gerade haben sie den Einzug ins EM-Finale perfekt gemacht.
Geschafft: Die deutschen U21-Nationalspieler sind kaputt, aber glücklich. Gerade haben sie den Einzug ins EM-Finale perfekt gemacht. FOTO: dpa / Cezaro De Luca
Bologna. Die deutsche U21 spielt am Sonntag bei der Europameisterschaft in Italien um den Titel. Finalgegner ist wie vor zwei Jahren Spanien. sid

Ganz ohne Verluste ging die Kabinen-Party der deutschen U21 nicht über die Bühne. „Eine Box ist leider kaputtgegangen“, verriet Nadiem Amiri über die wilde Feier nach dem Einzug ins EM-Endspiel. Doch auch ohne laute Bässe war Amiri bestens gelaunt. Schließlich hatte er soeben einen Doppelpack erzielt, und Ersatz für die nächste Feier war auch schon bestellt. „Für das Finale haben wir eine neue Box“, sagte der Hoffenheimer und lachte.

Jenes Finale steigt an diesem Sonntag (20.45 Uhr/ARD) in Udine – wieder an einem 30. Juni, wieder gegen Spanien. Die deutsche Mannschaft kann dann Geschichte schreiben und erstmals ihren Titel erfolgreich verteidigen. Die Erinnerungen an das knappe 1:0 vor zwei Jahren sind noch frisch. „Ich will diesen Moment noch einmal genießen, wenn der Abpfiff ertönt und du weißt, du bist Europameister. Den Pokal in der Hand halten und feiern“, sagte Amiri.

Vor zwei Jahren wurde Amiri erst kurz vor Spielende eingewechselt, diesmal könnte er von Beginn an spielen. Im Halbfinale gegen Rumänien (4:2) nutzte der angeschlagen zur EM gereiste Mittelfeldspieler seinen ersten Startelf-Einsatz und erzielte zwei Tore, das letzte in der Nachspielzeit. „Ich war echt tot, aber dann hatte ich so viel Kraft in mir. Für solche Spiele, für solche Momente leben wir“, sagte der 22-Jährige von der TSG Hoffenheim.



Dabei hatte noch zur Pause nichts auf ein denkwürdiges Spiel hingedeutet. Mit 1:2 lag das DFB-Team zurück, das Finale war in weite Ferne gerückt. „Wir haben uns angeguckt und gesagt: Wir kommen aus dieser Scheiße nur als Team raus“, sagte Kapitän Jonathan Tah. Maximilian Eggestein verriet: „Der Trainer ist sehr laut geworden.“ Details seiner Ansprache wollte Kuntz nicht verraten. Nur so viel: „Ich bin sehr stolz, dass die Mannschaft das so gemacht hat. Das war überragend.“

Stolz war auch Tah, der nach der Partie innehielt und dann die Tragweite der Geschehnisse begriff. „Krass, wir stehen im Finale. Wir haben so lange darauf hingearbeitet, so viel dafür getan. Wenn man daran dann denkt – geiler geht’s nicht“, sagte der Abwehrchef. Für Tah endet wie für den Großteil der Mannschaft am Sonntag die Karriere im U-Bereich, fast alle hoffen auf weitere Einsätze in der A-Mannschaft.

DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball, der nach dem Spiel der Mannschaft in der Kabine gratulierte, glaubt genau daran. „Den ein oder anderen Spieler werden wir sicher bei Joachim Löw wiedersehen“, sagte der 72-Jährige. Das Krisengerede im deutschen Fußball sei zudem überholt. „An allen Ecken und Enden hört man, dass es nicht gut bestellt sei um den deutschen Nachwuchs. Diese Mannschaft hat das heute widerlegt“, sagte er. Nun sei auch der Titel möglich.

Vor allem dank Luca Waldschmidt, der gegen Rumänien wie Amiri doppelt traf. Schon jetzt steht fest, dass bei der Suche nach dem besten Spieler des Turniers kein Weg an dem Stürmer des SC Freiburg vorbeiführen wird. Den bisherigen deutschen Rekordschützen Pierre Littbarski (sechs Tore 1982) hat er bereits überholt.

Ein dicker Brocken wird Spanien im Finale dennoch, das 4:1 der Iberer im Halbfinale gegen Frankreich war äußerst beeindruckend. Allerdings war Spanien auch 2017 als Favorit ins Endspiel gegangen, wo es einen klugen Matchplan von Kuntz und Co. nicht beantworten konnte. „Ich will wieder den Titel“, sagte Amiri forsch und stieg in den Partybus Richtung Udine. Da funktionierten die Boxen immerhin noch.