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Fünf Jahre nach dem vierten Stern
Nur vier WM-Helden sind noch dabei

 Kapitän Philipp Lahm durfte in der magischen Nacht des 13. Juli 2014 als erster deutscher Spieler den WM-Pokal in den Himmel von Rio strecken. Während Lahm seine Karriere beendet hat, wurden andere WM-Helden von Bundestrainer Joachim Löw ausgemustert oder erlebten einen Karriere-Knick.
Kapitän Philipp Lahm durfte in der magischen Nacht des 13. Juli 2014 als erster deutscher Spieler den WM-Pokal in den Himmel von Rio strecken. Während Lahm seine Karriere beendet hat, wurden andere WM-Helden von Bundestrainer Joachim Löw ausgemustert oder erlebten einen Karriere-Knick. FOTO: dpa / Andreas Gebert
Berlin. Vor fünf Jahren wurde Deutschland zum vierten Mal Weltmeister. Danach gab es viele Aufs und Abs. Was wurde aus den gefeierten Stars? dpa

Joachim Löw ist noch im Sommerurlaub, in dem er auch seine gesundheitliche Rehabilitation weiter vorantreibt. An diesem Samstag kann der Bundestrainer noch einmal zurückdenken an die größte Sternstunde in seiner inzwischen 13-jährigen Zeit als Chef der bedeutendsten deutschen Fußball-Mannschaft. Am 13. Juli 2014, um 19.04 Uhr Ortszeit in Rio de Janeiro und kurz nach Mitternacht in Deutschland hatte DFB-Kapitän Philipp Lahm den WM-Pokal aus den Händen der damaligen brasilianischen Staatspräsidentin Dilma Rousseff erhalten.

„Das ist eine Sache für die Ewigkeit. Es waren zehn Jahre harte Arbeit. Wir sind in dieser Zeit immer besser geworden. Das war einfach fällig“, sagte Löw. Der eingewechselte Mario Götze bescherte der Nationalelf an jenem Sonntagabend im Maracanã mit seinem Treffer in der 113. Minute den 1:0-Finalsieg nach Verlängerung gegen Argentinien und dem ganzen Land den vierten Weltmeistertitel. Eine 24-jährige Durststrecke war beendet, nachdem das Team schon beim 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien Fußball-Geschichte geschrieben hatte. Der Schwarzwälder Löw stieg auf eine Stufe mit Sepp Herberger, Helmut Schön und „Kaiser“ Franz Beckenbauer auf. Als erster Trainer überhaupt eroberte er mit einem europäischen Team die WM-Krone auf dem amerikanischen Kontinent. Eine halbe Million Fans in Schwarz-Rot-Gold bereiteten den Champions auf der Berliner Fanmeile einen rauschenden Empfang.

Es folgten jedoch Jahre mit vielen Auf und Abs. Die zwölf Monate nach Rio verschenkten Löw und sein Team im anhaltenden Feiermodus, gestand der Bundestrainer später. Lahm und Weltklassestürmer Miroslav Klose hatten da schon ihre Nationalmannschaftskarriere beendet.



An anderen Weltmeistern hielt der zehnte Bundestrainer der DFB-Historie lange, mitunter zu lange fest. 2016 bei der EM in Frankreich scheiterte Deutschland im Halbfinale gegen die Gastgeber, der im Finale so oft gefoulte WM-Held Schwein­steiger wurde dabei zur tragischen Figur. Zwei Jahre später in Russland gab es mit dem historischen WM-Vorrunden-Aus ein Debakel. Das überstand Löw nur, weil seine Verdienste zuvor so groß waren. Die von ihm verkündeten „tiefgreifenden Maßnahmen“ leitete er erst ein, als sein Team auch noch aus der neu geschaffenen Nations League abgestiegen war. Danach entzog er seinen Weltmeister-Spielern Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng das Vertrauen.

Auch bei anderen Weltmeister stockte die Karriere. So kickt der Ex-Dortmunder Kevin Großkreutz nach diversen Skandalen mittlerweile beim Drittligisten KFC Uerdingen. Lukas Podolski (Vissel Kobe/Japan) und Schweinsteiger (Chicago Fire/USA) lassen ihre Karrieren in Übersee, Benedikt Höwedes in Russland (bei Lokomotive Moskau) ausklingen. Per Mertesacker leitet mittlerweile die Nachwuchsabteilung des FC Arsenal, auch Roman Weidenfeller beendete 2018 seine Karriere. Und Erik Durm aus Rieschweiler-Mühlbach bei Pirmasens wechselte gerade von Huddersfield Town zu Eintracht Frankfurt. Wieder andere erlebten oder erleben einen Karriereknick, so der im Finale benommen ausgewechselte Christoph Kramer, Ron-Robert Zieler, Shkodran Mustafi oder André Schürrle.

In die EM-Saison 2019/20 geht Löw nur noch mit vier Akteuren, die in der Erfolgsnacht vor fünf Jahren von Rio dabei waren: Torwart Manuel Neuer, Abwehrmann Matthias Ginter sowie die Mittelfeldspieler Toni Kroos und Julian Draxler. Final-Torschütze Götze hofft noch auf ein Comeback im Adler-Trikot.

Nach einem 3:2 in den Niederlanden, einem 2:0 in Weißrussland und einem 8:0 gegen Estland geht es in der EM-Qualifikation für die vier verbliebenen WM-Helden von 2014 am 6. September in Hamburg gegen die Holländer weiter. Löw, der die jüngsten zwei Partien nach einem Sportunfall verpasste, treibt die Aussicht, das Gefühl eines großen Turnier-Triumphes noch einmal genießen zu dürfen. Wenn nicht bei der Europameiserschaft 2020, dann vielleicht bei der WM 2022 in Katar.

  Der Moment, bei dem fast jeder fünf Jahre später noch weiß, wo er war: Mario Götze trifft gegen Argentiniens Torhüter Sergio Romero zum Sieg.
Der Moment, bei dem fast jeder fünf Jahre später noch weiß, wo er war: Mario Götze trifft gegen Argentiniens Torhüter Sergio Romero zum Sieg. FOTO: dpa / Diego Azubel