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Auf dem Weg zur Besserung?
Neustart für das Ausnahmetalent

Gute Laune herrschte bei der DFB-Pressekonferenz, als Julian Draxler (links) mit seinem Kumpel Leroy Sané herumalberte. Danach wurde Draxler wieder ernst, als er Sané gegen dessen Image als Schnösel verteidigte.
Gute Laune herrschte bei der DFB-Pressekonferenz, als Julian Draxler (links) mit seinem Kumpel Leroy Sané herumalberte. Danach wurde Draxler wieder ernst, als er Sané gegen dessen Image als Schnösel verteidigte. FOTO: dpa / Jens Büttner
Berlin. In England gefeiert, in der Nationalmannschaft ein Rätsel: Leroy Sané wartet im DFB-Trikot noch immer auf den Durchbruch. Im Sommer hat der 22-Jährige viel nachgedacht: Vom Problemfall will er jetzt zum Leistungsträger werden. sid

Leroy Sané sprach sehr ruhig und meist in knappen Sätzen, doch seine Botschaft formulierte er überaus klar. Der trickreiche Offensivspieler ist wild entschlossen, Joachim Löw und mit dem Bundestrainer der ganzen deutschen Fußball-Republik zu zeigen, dass es ein großer Fehler war, ihn nicht mit zur WM nach Russland zu nehmen.

„Ich habe viel nachgedacht in der Sommerpause und versuche mich in meinem Spiel so zu verbessern, dass der Jogi beim nächsten Mal keine Möglichkeit hat, mich nicht zu nominieren“, sagte Sané am Mittwoch in Berlin. Neben Sané saß Julian Draxler und sprang seinem Kumpel aus Schalker Zeiten bei. „Leroy ist weder charakterschwach noch sonst was“, sagte er über die vermeintlichen Gründe für die überraschende Ausbootung im Sommer, „da kann man an der Stelle mal eine Lanze für ihn brechen.“

Draxler sprach damit das gängige Bild von Sané als schnöseligem Jungstar an. Toni Kroos hatte diesen Eindruck befeuert, als er im September kritisierte, der Sohn von Ex-Bundesligaspieler Souleymane Sané vermittle bisweilen den Eindruck, es sei ihm egal, ob die Mannschaft gewinne. Kroos: „Er wäre eine Riesenbereicherung für uns, wenn er seine Qualitäten auf den Platz bringen würde. Klar ist, dass man einen Weg finden muss, ihn zu seiner Topleistung zu bringen.“



Darauf angesprochen, reagierte Sané gelassen. „Ich mache das nicht extra, dass ich sage: Mir ist alles egal. Das ist es natürlich nicht, ich will, dass wir alle zusammen immer gut aussehen und unsere Spiele gewinnen“, sagte er: „Dass es für den ein oder anderen nicht so aussieht, ist okay für mich. Ich respektiere das und versuche, daran zu arbeiten.“

Zeigen wolle er sich, wiederholte Sané mehrere Male – und zwar schon in der Nations League am morgigen Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in den Niederlanden und drei Tage später in Frankreich. Löw empfing den 22-Jährigen bei der Begrüßung vor dem Teamhotel am Tiergarten mit einer herzlichen Umarmung. Der Bundestrainer sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, dem Ausnahmetalent von Manchester City endlich auch beim DFB zum Durchbruch zu verhelfen.

„Er hat sehr gute Fähigkeiten und ist ein Spieler, der mit seinen Qualitäten den Unterschied ausmachen kann“, sagte Löw über Sané, der vom Problemfall zum Leistungsträger werden soll. Gerade in der zuletzt schwächelnden Offensive benötigt Löw Alternativen.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff sieht bei Sané alle Voraussetzungen, um ein Superstar zu werden, „allein schon wegen seiner Konstitution und seiner Leichtigkeit. Ihm stehen viele Türen offen, aber er muss in den kommenden Jahren an Robustheit zulegen und daran arbeiten, effektiver für die Mannschaft und den Trainer zu sein.“ Sein Tempo sei Sanés „großer Trumpf“, noch fehle es ihm aber an Konstanz.

Das gilt vor allem für den DFB-Sané, der in bislang 13 Länderspielen seit seinem Debüt im November 2015 in Frankreich nicht überzeugte. Bei der EM 2016 kam er nach schwachen Leistungen im Training nur zu einem Kurzeinsatz, den Confed Cup sagte er wegen einer Nasen-OP ab, was ihm intern Minuspunkte brachte. Sané habe „das ein oder andere Mal“ nicht so engagiert gearbeitet, „wie wir das wollten“, sagte Löws Assistent Marcus Sorg, „aber das ist in Ordnung, man darf nicht vergessen: Das ist ein sehr junger Mensch.“ Die Geburt von Töchterchen Rio Stella im September könne einen Reifeprozess in Gang setzen, meinte er. Schließlich seien alle beim DFB „daran interessiert, dass ein Spieler mit diesem Talent sich bei uns durchsetzen kann“.