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Fußball-Nationalmannschaft
Löw sorgt sich schon um sein Streich-Quartett

Bundestrainer Joachim Löw (Zweiter von rechts) diskutiert mit seinen Assistenten Miroslav Klose, Marcus Sorg und Thomas Schneider (von links).
Bundestrainer Joachim Löw (Zweiter von rechts) diskutiert mit seinen Assistenten Miroslav Klose, Marcus Sorg und Thomas Schneider (von links). FOTO: dpa / Christian Charisius
Eppan. Die Nationalmannschaft bestreitet am Samstag ihren WM-Test gegen Österreich. Mats Hummels und Thomas Müller werden geschont.

Joachim Löw plauderte bei strahlendem Sonnenschein entspannt über dies und das – doch beim Ausblick auf Sonntag überkam den Bundestrainer ein mulmiges Gefühl. Dass er nach dem Prestigeduell an diesem Samstag (18 Uhr/ZDF) gegen Österreich vier Spielern den Traum von der WM in Russland zerstören muss, „fällt mir nicht leicht und tut auch ein bisschen weh. Wenn es am Sonntag in die finale Entscheidung geht, ist das für alle nicht schön. Für die Spieler, die in den zwei Wochen alles reingelegt haben, bricht eine kleine Welt zusammen“, sagte Löw, der dem Weltverband Fifa seinen endgültigen 23-köpfigen WM-Kader bis Montag um 12 Uhr melden muss.

Nach der Rückkehr vom Länderspiel in Klagenfurt nach Eppan wird sich der 58-Jährige mit seinem Trainerteam und Manager Oliver Bierhoff in die entscheidende Klausur begeben, um sein Streich-Quartett zu erstellen. „Wir werden uns noch mal die Köpfe heiß reden“, kündigte Löw am Freitag an. Kurz unterbrochen werden die Beratungen am Sonntag nur vom Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Teamhotel Weinegg in Südtirol.

Bis dahin wird die wichtigste Frage geklärt sein: Hat DFB-Kapitän Manuel Neuer bei seinem ersten Einsatz seit 259 Tagen und seinem ersten Länderspiel seit Oktober 2016 den ultimativen WM-Härtetest bestanden? Alles deutet nach zehn Tagen Vorbereitung darauf hin. Der 32-Jährige vom FC Bayern machte im Training und in zwei Tests mit der U20 einen hervorragenden Eindruck. „Bisher läuft alles nach Plan. Er hat keine Probleme. Er steht gegen Österreich im Tor. Das Spiel ist gut und hilfreich für ihn und uns“, sagte Löw. Am Sonntag sei dann ein Gespräch geplant, „wie er sich fühlt und ob er sich in der Lage sieht, Topleistungen zu bringen“.



Die sehr wahrscheinliche Nominierung Neuers würde Marc-Andre ter Stegen trotz einer klasse Saison beim FC Barcelona zur Nummer zwei degradieren. Zum anderen müsste der Saarländer Kevin Trapp oder Bernd Leno am Montag das Trainingslager verlassen. Wackelkandidat ist zudem Jonathan Tah, da Jerome Boateng nach seiner Muskelverletzung auf einem guten Weg ist. Auf der Streichliste dürften auch Sebastian Rudy, Julian Brandt und Nils Petersen stehen. Sollte Löw von seiner Devise abweichen, alle Positionen doppelt zu besetzen, könnte es auch Linksverteidiger Marvin Plattenhardt treffen, da der Auersmacher Jonas Hector gesetzt ist.

Dass Rudy und Brandt zum zweiten Mal nach 2016 das gleiche Schicksal ereilen könnte, sei zwar „umso schwerer“, betonte Bierhoff: „Aber wir haben die Verpflichtung, die beste Mannschaft nach Russland zu schicken. Da gibt es keine Grenzen.“ Man könne „nicht immer den bequemen Weg gehen“.

Beim Spiel gegen Österreich ist für Löw, der neben Boateng und Toni Kroos (Sonderurlaub bis Samstag) auch auf die in der Saison hochbelasteteten Mats Hummels und Thomas Müller verzichtet, das „Ergebnis nicht das Allerwichtigste“. Vielmehr gehe es ihm darum, bei den Streichkandidaten noch einmal letzte Erkenntnisse zu sammeln. „Von einem Spiel kann nicht alles abhängen, aber es spielt schon in die Entscheidung mit rein. Der Eindruck ist nicht unwichtig“, unterstrich Löw. Er werde deshalb „alle Wechselmöglichkeiten ausschöpfen“.

Dies heißt, dass noch einmal alle ihre Bewährungschance bekommen. Auch Freiburgs Stürmer Petersen, einziger Neuling im vorläufigen Kader, werde spielen, so Löw: Er habe nach leichten Anlaufproblemen gezeigt, „dass er variabel ist, läuferisch gut, anspielbar. Er arbeitet viel, weicht aus. Er entwickelt sich jeden Tag weiter.“

Ob das letztendlich für Russland reicht, wird sich am Montagmorgen entscheiden. Dann wird Löw die betroffenen Spieler in sein Trainerzimmer einbestellen. „Lust auf lange Gespräche haben sie dann nicht mehr“, sagte der Bundestrainer. Vielmehr müsste das Quartett eine „große Enttäuschung“ verarbeiten.