| 20:52 Uhr

Fußball-Nationalmannschaft
Das Ziel ist der Gruppensieg

 Bundestrainer Joachim Löw (Mitte) bespricht mit seiner Mannschaft die Taktik für das letzte EM-Qualifikationsspiel an diesem Dienstag gegen Nordirland. Der Kölner Jonas Hector (obere Reihe, links) hört aufmerksam zu. Er erhält wohl eine neue Chance.
Bundestrainer Joachim Löw (Mitte) bespricht mit seiner Mannschaft die Taktik für das letzte EM-Qualifikationsspiel an diesem Dienstag gegen Nordirland. Der Kölner Jonas Hector (obere Reihe, links) hört aufmerksam zu. Er erhält wohl eine neue Chance. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Frankfurt. Deutsche Nationalmannschaft beendet an diesem Dienstag mit dem Heimspiel gegen Nordirland die EM-Qualifikation. sid

Joachim Löw geriet zum Jahresabschluss ins Schwärmen. Der Bundestrainer sprach seiner „willigen und ehrgeizigen“ Mannschaft nach dem gelösten EM-Ticket „ein großes Kompliment“ aus. „Sie versprüht eine sehr positive Energie“, lobte Löw. Ein Erfolg gegen Nordirland an diesem Dienstag (20.45 Uhr/RTL) in Frankfurt und der damit verbundene Gruppensieg vor dem Erzrivalen Niederlande wäre das positive Ende „eines schwierigen Jahres“.

Ob der angestrebte Platz eins mit Blick auf die EM 2020 (12. Juni bis 12. Juli) aber ein Vorteil ist, weiß auch Löw nicht. Nach dem Frühstück am Montag in der noblen Villa Kennedy in der Mainmetropole hat der 59-Jährige mit seinem Stab die „Geschichte auseinander genommen“. Die Erkenntnis: „Wir können so oder so gegen starke Mannschaften kommen“, sagte Löw. Daher sei es ihm „wurscht“, ob es bei der Auslosung am 30. November in Bukarest Lostopf eins oder zwei wird.

Die Spieler wollen Rang eins mit einem Sieg gegen die Nordiren aber verteidigen. „Weniger für die Auslosung, sondern mehr für das Gefühl“, sagte Toni Kroos. Denn die souveräne Qualifikation soll nur der Anfang sein. Bei einem gemeinsamen Team­abend schworen sich Löw und seine Spieler auf das große Ziel EM ein, dafür reisten auch die verletzten Julian Draxler, Antonio Rüdiger, Thilo Kehrer und Kevin Trapp an. „Eingeladen waren alle. Manche hatten andere Termine, weil wir es erst letzte Woche mitgeteilt haben oder sie in der Reha sind“, sagte Löw, der mit allen anwesenden Profis länger gesprochen hat. Dabei ging es weniger um das Spiel gegen Nordirland als um die paneuropäische Endrunde. Vor der Nominierung im Mai bleiben nur noch zwei Länderspiele im März. Da ließ sich Löw gerade von den zuletzt verletzten Spielern auf den neuesten Stand bringen.



In der Begegnung gegen die Nordiren wird Löw „teilweise etwas probieren“. So ersetzt Marc-André ter Stegen im Tor Kapitän Manuel Neuer, der zuletzt gar nicht mehr eingesetzte Kölner Jonas Hector erhält für den leicht angeschlagenen Nico Schulz (Knie) auf der linken Abwehrseite eine Bewährungschance. Sein bisher letztes von 42 Länderspielen hat Hector am 15. November 2018, also vor ziemlich genau einem Jahr, gegen Russland (3:0) absolviert. Zudem dürfen sich Innenverteidiger Jonathan Tah und Offensivspieler Julian Brandt Hoffnungen auf einen Einsatz von Beginn an machen.

Er werde den ein oder anderen Wechsel vornehmen, betonte Löw: „Aber die Achse bleibt bestehen.“ Damit meinte er neben dem neuen Abwehrchef Matthias Ginter und Stürmer Serge Gnabry in erster Linie das Mittelfeld mit Kroos, Joshua Kimmich und Ilkay Gündogan.

Die Chance auf Platz eins ist für Kroos „ein Tick Extra-Motivation“, während Leon Goretzka schon das große Ziel im Kopf hat. „Wir müssen jede Minute nutzen, um den nächsten Schritt in unserer Entwicklung zu gehen. Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen zum EM-Start“, sagte der Münchner.

Für das Spiel in der Frankfurter Arena wurden bisher nur knapp 40 000 Karten verkauft – trotz teils günstig angebotener Tickets. „Wir sind auf dem Weg, Gründe zu liefern, damit die Menschen ins Stadion gehen und danach nicht enttäuscht sind“, sagte Kroos, der das große Potenzial in der stark verjüngten, aber durch Verletzungen in ihrer Entwicklung zurückgeworfenen Mannschaft lobte.

Bei Schulnoten würde der Mittelfeldstratege der DFB-Auswahl eine „zwei bis drei“ für 2019 geben, „weil es auch nichts Besonderes ist, dass wir uns qualifiziert haben.“ „Lehrer“ Löw geriet bei seinem Fazit zur Leistung in der EM-Qualifikation deutlich mehr ins Schwärmen.