| 23:50 Uhr

Fußball-Nationalmannschaft
Deutsches Tor-Festival in Stuttgart

Stuttgart. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat mit einem begeisternden Auftritt Norwegen bezwungen. Das 6:0 (4:0) in Stuttgart war dabei das sportliche Beiwerk einer fröhlich-bunten Fußball-Party.

(sid) Joachim Löw applaudierte seinen Schützlingen anerkennend, ihre Ehrenrunde kosteten Timo Werner und Co. in vollen Zügen aus: Drei Tage nach dem Nazi-Eklat von Prag hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eine fröhlich-bunte Party gefeiert. Dass nach dem 6:0 (4:0)-Erfolg in der WM-Qualifikation gegen Norwegen das Ticket für die WM-Endrunde noch nicht gelöst ist, war dabei völlig nebensächlich.

„Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, hier in Stuttgart zu spielen. Die Stimmung war toll, das zeigt die Schönheit des Fußballs“, sagte Löw. Werner sprach von einer „besonderen Rückkehr“, die er so nicht erwartet hatte: „Ich habe nicht gedacht, dass es so für mich ausgeht.“

Werner (21./40.), am Freitag noch von deutschen Anhängern verunglimpft, erzielte im achten Länderspiel seine Tore Nummer fünf und sechs. Bei seiner vorab als brisant eingeschätzten Rückkehr nach Stuttgart wurde der 21-Jährige immer wieder mit aufmunternden Sprechchören bedacht. Zudem trafen Mesut Özil (10.), Julian Draxler (17.), Leon Goretzka (50.) und Mario Gomez (79.) für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw, die im 17. Spiel in Serie ohne Niederlage blieb.



„Ich freue mich, dass ich auch in der Nationalmannschaft in dieser Häufigkeit treffe. Es ist klasse, wie mich die Fans unterstützt haben. Dass es in meiner Heimat war, freut mich umso mehr“, sagte Werner. Mit ihrem erfrischenden Auftritt trugen zudem die Protagonisten auf dem Feld zur gelösten Partystimmung unter den 53 814 Zuschauern bei. Werner stach dabei vielleicht heraus, die gesamte Mannschaft aber trat konzentrierter, dominanter und zielstrebiger auf als noch beim glücklichen 2:1-Erfolg gegen Tschechien.

Ein Grund für die Dominanz lag sicher auch in Löws Rückkehr zum bewährten 4-2-3-1-System. Mit den ehemaligen Stuttgartern Antonio Rüdiger in der Innenverteidigung und Sebastian Rudy im defensiven Mittelfeld sowie Offensivspieler Julian Draxler als dritte Startelf-Änderung ließ der Gastgeber den Norwegern selten Raum zur Entlastung.

Ballverluste waren im Mittelfeld anders als am Freitag eine Seltenheit, mit wenigen Pässen wurde hingegen der direkte Weg nach vorne gesucht. Permanenter Gefahrenherd war dabei der quirlige Werner.

Auch an der ersten gefährlichen Aktion im zweiten Durchgang war Werner, diesmal als Passgeber, beteiligt. Mit schnellen Schritten schlich er seinem Gegenspieler davon, legte den Ball in den Rücken der behäbigen norwegischen Abwehr auf Toni Kroos ab. Der Schuss des genialen Taktgebers von Real Madrid wurde aber in letzter Sekunde geblockt.

Und auch wenn das DFB-Team nach einer knappen Stunde seinen Offensivdrang ein wenig drosselte, tat dies der Atmosphäre in der ausverkauften WM-Arena keinen Abbruch. Im Gegenteil: Als Löw die Ex-Stuttgarter Sami Khedira (61.) und Gomez (66.) einwechselte, heizte er die Stimmung noch einmal zusätzlich an.