| 20:47 Uhr

Länderspiel gegen Argentinien
Eine völlig neue deutsche Mannschaft

Dortmund. Bundestrainer Joachim Löw ächzt unter den vielen Absagen für das Länderspiel gegen Argentinien. Waldschmidt und Stark von Anfang an. sid

Selbst sein geliebter Espresso hellte die Stimmung von Joachim Löw nicht auf. Mit sorgenvoller Miene verkündete der Bundestrainer nach einem tiefen Schluck aus dem Pappbecher zunächst die Ausfälle 12 und 13 für den Länderspiel-Klassiker gegen Argentinien, dann malte er ein düsteres Bild für das große Ziel. „Das macht die Sache im Hinblick auf 2020 schon ein bisschen schwieriger. Wir hätten das Jahr schon nutzen wollen, um uns vorzubereiten, einzuspielen. Das werden wir jetzt nicht können“, sagte Löw im Dortmunder Fußballmuseum mit Blick auf die EM im Sommer 2020.

Zuvor teilte der 59-Jährige mit, dass auch Ilkay Gündogan (muskuläre Probleme) und Jonathan Tah (Erkältung) für das Prestigeduell der ehemaligen Weltmeister an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) in Dortmund ausfallen. Der Einsatz von Marco Reus (Knieprobleme) ist zudem äußerst fraglich. „Die Gesamtlage ist sehr angespannt und unerfreulich. So viele Absagen hat es selten oder noch nie gegeben“, haderte Löw, der unter anderem auf die Leistungsträger Toni Kroos und Leroy Sané verzichten muss.

Die Absagenflut ist für Löw und seine neuformierte Mannschaft eine schwere Hypothek auf dem Weg zur EM-Endrunde. Schon bei den Qualispielen gegen die Niederlande (2:4) und in Nordirland (2:0) im September „gab es einen Bruch“. Ganz optimal sei es in den letzten Monaten nicht gelaufen, so Löw. Die Ausfälle bieten in der Begegnung gegen die ebenfalls ersatzgeschwächten Argentinier, für die erst 41 000 Tickets verkauft wurden, einigen Debütanten eine Chance. Löw sicherte Niklas Stark und Luca Waldschmidt einen Einsatz von Beginn an zu. Nadiem Amiri, Suat Serdar und der gebürtige Kaiserslauterer Robin Koch könnten ebenfalls erstmals in der A-Nationalmannschaft auflaufen.



„Ich erwarte, dass jeder einzelne Spieler versucht, seine Chance zu nutzen“, formulierte Löw die Zielsetzung. Nach lediglich zwei Trainingseinheiten fordert der Weltmeistercoach von 2014 die Basiselemente ein: „Was man erwarten kann, ist, dass die Mannschaft engagiert, seriös und mit viel Einsatz zu Werke geht.“

Der Einsatz wird bei Marc-André ter Stegen auf jeden Fall stimmen. Er erhält gegen die Südamerikaner die von ihm erhoffte Bewährungschance. Dass Löw Platzhirsch und Kapitän Manuel Neuer bis zur EM den Status als Nummer eins zugesichert hat, stört den Schlussmann des FC Barcelona wenig. „Ich werde alles dafür geben, die Nummer eins zu sein. Das ist ein persönliches Ziel“, sagte ter Stegen, der betonte, „ein gutes Verhältnis“ zu Neuer zu haben: „Es gibt keinen Streit. Wir gehen professionell mit der Situation um.“

Das Duell gegen seinen Kumpel und Barcelona-Kollegen Lionel Messi (gesperrt) fällt aus. Dennoch sei „Argentinien ein ordentliches Brett“. Doch ter Stegen betonte auch, dass die DFB-Elf trotz des einen oder anderen Ausfalls, „viel Qualität“ habe. Angeführt werden soll sie laut Löw von Abwehrchef Niklas Süle und Joshua Kimmich, der wohl die Kapitänsbinde tragen wird.

In einigen Einzelgesprächen schwor der Bundestrainer seine Mannschaft auf die „komplizierte Situation“ ein, wie sie Julian Brandt bezeichnete. Und die Spieler hörten ihrem Chef gut zu. „Dass nicht alles klappen wird, ist klar“, sagte Brandt: „Was man von uns aber erwarten kann, ist Einsatz.“