| 21:51 Uhr

Deutsche Fußball-Nationalmannschaft
Am meisten hapert es derzeit im Angriff

Sieg-Torschütze Nico Schulz (Zweiter von rechts) holt sich die Glückwünsche von Antonio Rüdiger (links) und Niklas Süle ab.
Sieg-Torschütze Nico Schulz (Zweiter von rechts) holt sich die Glückwünsche von Antonio Rüdiger (links) und Niklas Süle ab. FOTO: dpa / Daniel Maurer
Sinsheim. Bundestrainer Joachim Löw sieht positive Ansätze nach den ersten Auftritten nach der WM. Probleme offenbaren sich im Sturmzentrum. sid

Tief in der Nacht zu Montag stellte Joachim Löw erleichtert seinen DFB-Koffer zu Hause in Freiburg ab. „Wir haben unsere Ziele erreicht“, sagte der Bundestrainer über den gelungenen Neustart mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem WM-Desaster – wohl wissend, dass „noch nicht alles super ist“, wie Thomas Müller bilanzierte. Wenn im Oktober die „wichtigen, schwierigen Auswärtsspiele“ (DFB-Präsident Reinhard Grindel) in der Nations League in den Niederlanden und Frankreich anstehen, muss sich Löws Auswahl weiter steigern. Das zeigte nach der Nullnummer gegen Weltmeister Frankreich auch das glückliche 2:1 (1:1) in Sinsheim gegen Peru.

Müller sprach von einem „kleinen Schritt in die richtige Richtung, aber es ist schon noch was zu tun“.

Löws Zufriedenheit speiste sich aus einigen guten Ansätzen. Gegen Frankreich zeigte seine Mannschaft die gewünschte defensive Stabilität. Gegen Peru erspielte sich sein Team deutlich mehr Chancen, zeigte in deren Verwertung aber enormes Steigerungspotenzial. „Die Balance stimmt noch nicht hundertprozentig“, sagte Löw. Das Vorhaben, „ein anderes Gesicht“ als bei der WM zu zeigen, sei jedoch geglückt, meinte Grindel.



Dass es im Sturm hapert, war in Sinsheim offensichtlich. „Momentan haben wir keinen, der der Torjäger Nummer eins ist und jedes Spiel bombt“, sagte Julian Brandt, der für den Ausgleich gesorgt hatte (25.). Marco Reus und Timo Werner sind mehr „falsche Neuner“ als Bomber, Nils Petersen ein Joker. Ein Typ wie Miroslav Klose, Mario Gomez oder Sandro Wagner fehlt. Ilkay Gündogan, der immer wieder gute Pässe in die Spitze gespielt hatte, machte für die Abschlussschwäche auch die „Verunsicherung nach den letzten Wochen“ verantwortlich: „Das ist völlig normal und menschlich.“

An mentaler Stärke kann man arbeiten – einen Knipser „backen“ kann sich Löw nicht. Bezeichnend, dass in Nico Schulz ein Defensiver für den Sieg sorgte (85.) – mit Unterstützung des peruanischen Torhüters. „Der geht nur hier in unserem Stadion rein“, sagte der Hoffenheimer nach seinem sonst durchwachsenen Debüt. In der Schlussphase durften mit Thilo Kehrer und Kai Havertz auch die anderen Neulinge ran

Junge, frische Kräfte will Löw aber weiter nur punktuell zuführen. „In der jetzigen Phase ist es wichtig, dass die Mannschaft in puncto Taktik und Einstellung weitergeht“, sagte er. Dies können aus seiner Sicht am ehesten die Etablierten gewährleisten.