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Deutsche Fußball-Nationalmannschaft
Bierhoff und Löw fehlt ein Bindeglied

In Sachen Quartierwahl soll es zwischen Jogi Löw und Oliver Bierhoff gekracht haben.
In Sachen Quartierwahl soll es zwischen Jogi Löw und Oliver Bierhoff gekracht haben. FOTO: dpa / Ina Fassbender
Frankfurt. Entfremdung oder nur Gerüchte: Kehrt Hansi Flick als Moderator zurück?

Oliver Bierhoff schmunzelte. Nein, seine Beziehung zu Joachim Löw habe in der jüngeren Vergangenheit mit dem Tiefpunkt des WM-Desasters in Russland „überhaupt nicht“ gelitten, sagte der Nationalmannschaftsdirektor, „das Verhältnis zu Jogi war immer gut.“ Alles nur üble Nachrede? Aber nicht wenige Beobachter wollten zuletzt Risse zwischen den beiden Männern erkannt haben, die über ein Jahrzehnt hauptverantwortlich für den Erfolg der Nationalmannschaft zeichneten. Bierhoff aber sprach am Dienstag vor der Verbandszentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt von einem „Gerücht“.

Sicher ist, dass Löw seinem Vorgesetzten die Quartierwahl noch in Russland nachtrug. Schon bei der Entscheidung gegen Sotschi soll sich der Bundestrainer tagelang in den Schmollwinkel zurückgezogen haben. Dass er dann vor dem Spiel gegen Schweden am Schwarzmeerstrand lässig an der Laterne lehnte, war ein klares Statement gegen Bierhoffs „Sportschule“ in Watutinki. Bierhoff verteidigte die Wahl, die auch von DFB-Präsident Reinhard Grindel in kleiner Runde kritisiert wurde, vor Ort vehement. Noch bei der Rückkehr aus Russland sagte er: „Wenn Watutinki ein Problem sein sollte, dann ist das wahre Problem, dass es ein Problem ist.“

Am Dienstag zeigte die ARD Bilder vom Jubel vor der deutschen Bank beim Last-Minute-Siegtreffer von Toni Kroos gegen Schweden. Löw wendet sich da demonstrativ von Bierhoff ab. Zufall?



Bierhoff spürte bereits vor Wochen als einer der ersten Verantwortlichen, dass die Mission Titelverteidigung möglicherweise schief gehen könnte. Doch er kam nicht an Löw heran, der Bundestrainer ließ sich nicht von seinem Kurs der ruhigen Hand abbringen. Auch nicht von seinem langjährigen Wegbegleiter Bierhoff, dem Mahner und „Masterplan“-Apologeten.

Der Manager fühlt sich auch in der öffentlichen Wahrnehmung mitunter missverstanden. Dass sich die von ihm „Die Mannschaft“ getaufte Auswahl mit herzlosen Marketing-Kampagnen („Best neVer rest“, „#zsmmn“) von der Basis entfernt hat, will er nicht sehen. „Viele Dinge werden jetzt aus dem Zusammenhang gerissen, da wird auch von Entfremdung gesprochen“, sagte er, „aber wir haben hohe Einschaltquoten, großes Interesse, die Emotionalität – da sieht man, dass die Bindung da ist.“

Auch zwischen ihm und Löw? Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Rundschau berichten, dass dem Duo ein Bindeglied fehle, wie es beim Triumph 2014 Hansi Flick war. Der damalige Löw-Assistent, derzeit ohne Job, könnte im Zuge der Umbau-Maßnahmen als Moderator zurückkehren. Bierhoff und Löw haben sich derweil bereits am Montag aufeinander zu bewegt. In Löws Wohnort Freiburg saßen sie „lange zusammen“, wie Bierhoff berichtete: Sie hätten „alles“ hinterfragt mit dem Ergebnis: „Wir müssen neue Wege gehen.“ Und zwar gemeinsam. „Schwierigkeiten bringen einen auch enger zusammen“, sagte Bierhoff zu seinem „unglaublich engen“ Verhältnis zu Löw.