| 23:31 Uhr

Frauenfußball
Nächster Dämpfer für DFB-Frauen

Die deutsche Nationalspielerin Kathrin Hendrich (links) kann in dieser Szene den Torschuss der Engländerin Rachel Daly nicht verhindern.
Die deutsche Nationalspielerin Kathrin Hendrich (links) kann in dieser Szene den Torschuss der Engländerin Rachel Daly nicht verhindern. FOTO: Noah K. Murray / dpa
Harrison. Auch beim 2:2 gegen England konnte die deutsche Nationalmannschaft beim Turnier in den USA nicht überzeugen.

(sid) Im Neonlicht am New Yorker Times Square war der Ärger über den vergebenen Sieg zumindest für eine Weile vergessen. Beim Teamabend im Herzen der Stadt, die niemals schläft, durften die deutschen Fußballerinnen mal auf andere Gedanken kommen.

Abgeschaltet hatte das DFB-Team allerdings auch schon beim turbulenten 2:2 (1:1) gegen England und sich „selbst um den Lohn gebracht“, wie Bundestrainerin Steffi Jones nach dem zweiten Spiel beim SheBelieves Cup befand. Wegen erneuten Defensivschnitzern brachte der Olympiasieger eine zweimalige Führung in der Red Bull Arena nicht ins Ziel.

Nach der 0:1-Niederlage gegen den Weltmeister USA ist der angestrebte erstmalige Gewinn des Vier-Nationen-Turniers vor dem abschließenden Spiel am morgigen Mittwoch (22 Uhr/Sport1) in Orlando gegen Frankreich nicht mehr möglich. „Wir waren im Grunde die bessere Mannschaft, aber das bringt uns nichts, wenn wir unentschieden spielen“, ärgerte sich Angreiferin Alexandra Popp: „Wir müssen diese einfachen Gegentore vermeiden und von der ersten bis letzten Minute konzentriert bleiben. Dass wir nach dem 1:0 direkt im Gegenzug das 1:1 kassiert haben, hat uns gar nicht in die Karten gespielt. Daran müssen wir arbeiten.“ Und sie ergänzte: „Wir haben auch nach dem 2:2 nicht aufgehört, nach vorn zu spielen. Leider haben wir es verpasst, das ein oder andere Tor mehr zu schießen. Wir müssen an die guten Sachen glauben und die Gegentore vermeiden.“



Hasret Kayikci (17.) hatte zunächst im Strafraumgetümmel ihren Torriecher unter Beweis gestellt. Doch gleich im Gegenzug fing sich die schläfrige deutsche Abwehr, die ohne die abgereiste Babett Peter, bei der am Montag ein Achillessehnenriss diagnostiziert wurde, auskommen musste, den Ausgleich durch Ellen White (18.). Die starke Torjägerin der Lionesses wurde auch beim 2:2 von den beiden Innenverteidigerinnen Lena Goeßling und Kathrin Hendrich völlig allein gelassen (73.).

Jones, die nach dem Krisenjahr 2017 und dem Zittern um ihren Job auch das Motto „Die Null muss wieder stehen“ ausgegeben hatte, fand den verpassten Sieg „ein bisschen ärgerlich, weil wir wieder die richtige Einstellung hatten“. Bis zum Ende warf ihr Team schließlich alles nach vorne: „Das stimmt mich positiv. Diese Mannschaft reift immer mehr, nur dieses Quäntchen Glück fehlt uns noch.“

Dabei hatte der zweimalige Welt- und achtmalige Europameister, der sich für die nächsten Monat beginnende heiße Phase der WM-Qualifikation einspielen muss, durchaus Glück: Das zwischenzeitliche 2:1 fiel durch ein Billardtor, bei dem England-Torhüterin Siobhan Chamberlain den Ball per Fußabwehr an die Hacke von Millie Bright (52.) ins eigene Tor lenkte.

Der mitgereiste Sportliche Leiter Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou, zog etwas andere Schlüsse: „Wir waren phasenweise spielbestimmend, England war jedoch zielstrebiger nach vorne, mit den größeren Chancen.“ Der 42-Jährige, seit Jahresbeginn in der Direktion von Oliver Bierhoff beim DFB auch für die weiblichen Auswahl-Teams zuständig, reiste wie geplant nach dem Spiel ab – und wird nun seine gesammelten Eindrücke auswerten.

Die deutschen Frauen müssen sich dagegen noch einmal motivieren. Das letzten Duell mit Frankreich im vergangenen November gewann Deutschland klar mit 4:0. Der Sieg war das entscheidende Signal, dass die in die Kritik geratene Jones weitermachen durfte. Linda Dallmann glaubt, dass es gegen den WM-Gastgeber von 2019 diesmal komplizierter wird als vor vier Monaten. „Frankreich hat sich jetzt vielleicht gefunden. Alle Mannschaften hier sind unberechenbar. Es wird ein hart umkämpftes Spiel“, sagte die Mittelfeldspielerin.