| 20:53 Uhr

Motorsport
Vettel feiert seine sportliche Auferstehung

 Das Ferrari-Team ist außer sich vor Freude – es feiert Sebastian Vettel, der endlich wieder ein Rennen gewonnen hat.
Das Ferrari-Team ist außer sich vor Freude – es feiert Sebastian Vettel, der endlich wieder ein Rennen gewonnen hat. FOTO: dpa / Lim Yong Teck
Singapur. Der Ferrari-Pilot gewinnt den Großen Preis von Singapur vor seinem Teamkollegen Charles Leclerc. Der ist sichtlich angefressen. sid

Nach 392 langen Tagen ohne Sieger-Champagner genoss Sebastian Vettel mit leuchtenden Augen die Klänge der deutsche Nationalhymne, zu „Fratelli d’Italia“ schwenkte der Hesse dann eine Flagge mit der Aufschrift „essere Ferrari“ (Ferrari sein). Der viermalige Formel-1-Weltmeister hat sich durch seinen unerwarteten Triumph im Reifenpoker von Singapur mit Nachdruck zurückgemeldet – und den Machtkampf bei Ferrari mit seinem knapp geschlagenen Teamkollegen Charles Leclerc weiter zugespitzt. Der Monegasse wirkte auf dem Podium sichtlich angefressen.

„Es fühlt sich süß an. Es war ein großartiges Rennen“, sagte Vettel, der zuletzt beim Großen Preis von Belgien 2018 triumphiert hatte und sich jüngst schon mit Rücktritts-Gerüchten konfrontiert sah. Die vergangenen Wochen seien „nicht einfach für mich gewesen, aber ich habe so viel Unterstützung bekommen, so viele Briefe und Nachrichten von Menschen, die mir Mut zugesprochen haben. All das habe ich heute ins Auto reingepackt“, führte Vettel nach seinem 53. Grand-Prix-Sieg und dem fünften in Singapur (Rekord) aus.

Daneben stand ein sichtlich angefressener Leclerc. Der junge Monegasse, erster Verlierer einer aufreibenden Strategie-Schlacht unter Flutlicht, fühlte sich nach seinen Triumphen in Spa und Monza vom Team um den Hattrick gebracht. Der Mund des 21-Jährigen bei der Siegerehrung war ein Strich. Auf einen Schluck Champagner verzichtete er gänzlich und verließ hastig das Podium, auf dem Vettel seine sportliche Auferstehung und den ersten Ferrari-Doppelsieg seit fast 26 Monaten in vollen Zügen auskostete.



„Ich freue mich sehr für Seb, er hat es verdient“, sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: „Es gab so viele Rennen, in denen er gut gefahren ist und es trotzdem nicht gereicht hat. Das war jetzt wichtig. Wir haben bei der Rennstrategie die richtigen Entscheidungen getroffen und beide Autos nach vorne gebracht.“ Leclerc werde „verstehen, worum es ging. Er ist ein Teamplayer“, führte Binotto aus.

Das Nachtrennen auf dem engen Stadtkurs in der Löwenstadt entschied sich zwischen der 20. und 21. von 61 Runden, als zuerst der drittplatzierte Vettel und dann Spitzenreiter Leclerc zum Reifenwechsel an die Box kamen. In dieser einen Runde machte der 32-jährige Vettel so viel Zeit gut, dass er an seinem fast elf Jahre jüngeren Kontrahenten vorbeizog.

Leclerc reagierte im Funk fassungslos: „Was zur Hölle?!“ Später polterte er: „Ich verstehe diese Strategie nicht.“ Das Feld rückte durch insgesamt drei Safety-Car-Phasen immer wieder zusammen, und der Ferrari-Kommandostand geriet zunehmend in Sorge. Er solle „nichts Dummes“ machen, funkte sein Renningenieur an Leclerc. Der gab barsch zurück: „Ich will alles.“ Später erklärte er: „Ich werde nichts Dummes machen oder den Doppelsieg gefährden. Ich denke nur, dass es unfair ist.“

Trotz des dritten Ferrari-Sieges in Folge dürften die WM-Titel aber an Lewis Hamilton und Mercedes gehen. Der amtierende Champion aus England verpasste als Vierter zwar das Podest, welches der Niederländer Max Verstappen (Red Bull) komplettierte. Hamilton liegt bei sechs ausstehenden Rennen mit 296 Punkten in der Fahrerwertung aber immer noch komfortabel vor seinem diesmal fünftplatzierten Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas (231) sowie Leclerc (200), Verstappen (200) und Vettel (194). Renault-Pilot Nico Hülkenberg fuhr als Neunter in die Punkte.