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Erster Rückschlag
"Armageddon-Wochenende“ für Mercedes

Köln. Nach dem Rennen in Hockenheim muss Mercedes schnell auf die Beine kommen. Das gilt vor allem für den kränkelnden Lewis Hamilton. Schon am Sonntag in Budapest sollte wieder alles für Silber sprechen – eigentlich.

Lewis Hamilton wollte nur ins Bett. Nach dem „härtesten Rennwochenende“ seines Lebens ist in diesen Tagen ausnahmsweise Entschleunigung angesagt für den Jet-Setter der Formel 1 – in Hockenheim hatte der Weltmeister kränkelnd in seinem Mercedes gesessen und obendrein Fehler um Fehler begangen. Bis zum Rennen am Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky) in Ungarn muss das alles aus den Kleidern.

„Ich habe für diese Woche alles abgesagt, ich gehe nach Hause und schlafe vielleicht einfach ein paar Tage“, sagte der WM-Spitzenreiter vor der Abreise aus Deutschland: „Ich muss mich erholen. Nicht im Rennwagen zu sitzen, wird helfen.“

Der ganze Rennstall wird sich erholen müssen bis zum Großen Preis auf dem Hungaroring, dem letzten Rennen vor der Sommerpause. Denn ausgerechnet beim 200. Formel-1-Auftritt von Mercedes am vergangenen Wochenende war ja alles schiefgelaufen, was schieflaufen konnte.



Das sei „wie Snakes and Ladders“ gewesen, sagte Hamilton, wie das Leiterspiel – die Leitern bringen dich nach vorn, die Schlangen werfen dich zurück: „Und wir sind immer auf den Schlangen gelandet.“

Teamchef Toto Wolff hatte von einem „Armageddon-Wochenende“ für den dominierenden Rennstall der vergangenen fünfeinhalb Jahre gesprochen. Zwei Pünktchen holte Hamilton als Neunter im Regenchaos, Valtteri Bottas zerlegte den anderen Mercedes in der rutschigen Zielkurve. So waren Sieger Max Verstappen im Red Bull und Ferrari-Star Sebastian Vettel mit seiner Aufholjagd bis auf Rang zwei die Männer des Tages.

Wolff, der sein Team im Stile eines modernen CEO zur Siegmaschine getrimmt hat, legte den Finger in die Wunde. „Wir müssen herausfinden, was falsch gelaufen ist“, sagte der 47-Jährige.

Zuversicht ist dabei durchaus angebracht. Denn was Mercedes noch immer von Ferrari, Red Bull und allen anderen abhebt, sind die Stehaufqualitäten. Die wenigen schlechten Tage in der dominanten Ära seit 2014 hatte das Team stets schnell abgeschüttelt. Und die Strecke vor den Toren Budapests kommt nun eigentlich wie gerufen.

Eng und kurvig ist der Hungaroring, Monaco ohne Mauern wird er genannt. Mercedes hat in dieser Saison sein Auto auf hohe Kurvengeschwindigkeiten ausgerichtet und sollte Ferrari in Ungarn deutlich überlegen sein, denn das rote Auto gewinnt seine Zeit vor allem auf langen Geraden. Allerdings wackelt diese Gewissheit gerade ein wenig.

Denn Ferrari verlor im verwinkelten Motodrom von Hockenheim deutlich weniger Zeit auf Mercedes als erwartet – ein Hinweis auf bessere Chancen in Ungarn?