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Formel 1
Mehr Favorit als Hamilton geht kaum

Silverstone. Formel 1: Der Brite will sich beim Heim-Grand-Prix in Silverstone die WM-Führung von Sebastian Vettel zurückholen.

Es soll ein großes Comeback werden für Lewis Hamilton. Nur eine Woche nach dem Debakel von Spielberg will der Weltmeister bei seinem Heim-Grand-Prix in Silverstone eine laute, deutliche Antwort geben. Und er weiß das Ganze mal wieder zu inszenieren. „Wenn du zu Boden geschlagen wirst“, schreibt der Mercedes-Star bei Instagram, „dann kannst du entweder liegen bleiben. Oder du stehst auf und kämpfst noch härter.“ Dazu das Schwarz-Weiß-Foto eines Boxrings, Hamilton mit freiem Oberkörper, bereit für die nächste Runde – im Duell mit Sebastian Vettel.

Mit seinem Ausfall am vergangenen Sonntag in Österreich hat Hamilton die WM-Führung wieder an den Ferrari-Piloten verloren, sein Auto streikte, zudem verzettelte sich sein Kommandostand. Dennoch hat der 33-Jährige allen Grund, an diesem Sonntag (15.10 Uhr /RTL) in England selbstbewusst anzutreten.

Denn seit vier Jahren hieß der Sieger auf dem 5,891 Kilometer langen Kurs stets Lewis Hamilton, der Titelverteidiger war dort aus verschiedenen Gründen zuletzt geradezu unantastbar. So kennt er die Strecke, nur knapp 100 Kilometer entfernt von seinem Geburtsort Stevenage gelegen, wie kaum ein anderer. Und auch die Stärken seines Silberpfeils kommen in den sehr schnellen Kurven von Silverstone besonders gut zur Geltung. Gewinnt er nun erneut, steigt Hamilton zum alleinigen Rekordhalter beim britischen Grand Prix auf. Zudem kann er sicher sein, dass seine Fans ihn an diesem Wochenende tragen werden. „Was ich hier bekomme, bekommt kein anderer Fahrer an irgendeiner Rennstrecke der Welt“, sagt er über die Unterstützung, „das ist wirklich etwas Besonderes.“



Insgesamt ergibt sich für Silverstone damit eine so deutliche Favoritenrolle, wie man sie in dieser Saison selten hatte. Vettels Teamchef Maurizio Arrivabene hat daher schon mal vorgebaut. „Auf dem Papier sieht Silverstone ziemlich kompliziert aus“, sagt der Italiener: „Aerodynamik ist sehr wichtig, und in dieser Hinsicht wird es ein schwieriges Rennen für uns.“

Dass die WM-Führung wie schon nach den vergangenen Rennen erneut wechselt, ist ziemlich wahrscheinlich. Nur einen Punkt Vorsprung hat Vettel auf Hamilton. Allerdings sollte es für den Briten nicht mehr so einfach wie in den vergangenen Jahren werden. Ferrari und auch Red Bull sind in dieser Saison insgesamt viel konkurrenzfähiger. Und auch das Wetter könnte Mercedes zu schaffen machen. Denn am Wochenende soll es – recht untypisch für Silverstone – durchgehend sonnig und sehr warm werden. Bei Lufttemperaturen bis zu 30 Grad und wenigen Wolken wird sich der Asphalt stark aufheizen, und mit derartigen Bedingungen kam Mercedes schon sehr oft deutlich schlechter zurecht als Ferrari.

Für die Scuderia gab es nach dem Rennen in Spielberg viel Lob dafür, dass sie auf eine Stallorder verzichtete. Kimi Räikkönen durfte den selbst erkämpften zweiten Platz behalten, der Finne musste seinen Teamkollegen Vettel nicht passieren lassen – trotz des engen Gesamt­standes. „An Ferraris Sportsgeist“, lobte sogar Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, „können sich alle ein Beispiel nehmen.“ Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff war aber „nicht überrascht“ und sagte: „Wir hätten es auch nicht getan“.