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Großer Preis von Großbritannien
Hamilton will "das Land stolz machen"

 Der Brite Lewis Hamilton kämpft bei seiben Landsleuten um Anerkennung.
Der Brite Lewis Hamilton kämpft bei seiben Landsleuten um Anerkennung. FOTO: AP / Luca Bruno
Silverstone. Tausende Fans werden Lewis Hamilton am Wochenende bei seinem Heimspiel in Silverstone zujubeln. Insgesamt bleibt dem Weltmeister gerade in seiner Heimat die ganz große Anerkennung trotz all seiner Erfolge aber verwehrt.

Lewis Hamilton scherzte immer wieder und strahlte fast so wie seine funkelnde Halskette, als er über sein anstehendes Heimspiel sprach. Das „speziellste“ Wochenende des Jahres warte in Silverstone auf den Weltmeister, es werde „spektakulär“ und ganz „besonders“, jede Menge „Adrenalin“ werde beim Großen Preis von Großbritannien (Sonntag, 15.10 Uhr MESZ/RTL und Sky) durch seinen Körper fließen, schwärmte der Mercedes-Star.

Doch als die Frage aufkam, warum er es trotz seiner Triumphfahrten nicht schafft, die ganz breite britische Öffentlichkeit hinter sich zu versammeln, wurde Hamilton plötzlich sehr nachdenklich. „Die Leute haben das Recht auszuwählen, wen sie anfeuern“, sagte der 34-Jährige mit den fünf WM-Titeln. Er wolle immer wieder die Möglichkeit nutzen, die „Meinung der Menschen zu verändern“ und sei nach Silverstone „gekommen, um das Land stolz zu machen“.

Tausende Fans werden Hamilton am Sonntag als Helden feiern – vielleicht sogar so ekstatisch wie nach seinem Sieg 2017, als er wie ein Popstar auf Händen getragen wurde. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass der Titelverteidiger in seinem Wohnzimmer den nächsten Schritt auf seinem Weg zum sechsten WM-Titel macht. Hamilton thront trotz des Rückschlags zuletzt in Österreich immer noch souverän an der WM-Spitze, 31 Punkte Vorsprung hat er auf seinen Teamkollegen Valtteri Bottas – sogar über 70 Zähler liegt er vor Max Verstappen (Red Bull) und Sebastian Vettel im Ferrari. Und in Silverstone ist Hamilton wieder Top-Favorit auf den Sieg – es wäre sein sechster beim Klassiker.



Längst jagt Hamilton nur noch die eigentlich für unerreichbar eingestuften Bestmarken eines gewissen Michael Schumacher. Doch trotz all der Triumphe liegt ihm sein Land nicht zu Füßen. Hamilton werde im Königreich „nicht so anerkannt“, wie er das verdient habe, beklagte zuletzt auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Eines Tages würden die Menschen über Hamilton sagen, „er war der größte Fahrer auf dem Planeten“, aber „aus irgendeinem Grund“ werde er gerade auch von den Medien immer wieder attackiert. Vielleicht weil dies „die bessere Schlagzeile liefert, vielleicht mehr Zeitungen verkauft oder mehr Klicks bringt“, sagte Wolff.

Tatsächlich listete der eigentlich seriöse Daily Telegraph einmal Argumente auf, die für oder gegen Hamilton sprechen würden – das Ende sprach nicht für Hamilton. Er wird auf der Insel skeptischer gesehen, als man vermuten könnte. Die prestigeträchtige Auszeichnung zum Sportler des Jahres – von der BBC organisiert und vom Publikum gewählt – erhielt Hamilton bisher nur einmal. Damon Hill und Nigel Mansell aber jeweils zweimal, obwohl sie nur einmal Weltmeister wurden.

Dabei schaffte es Hamilton dank seines fahrerischen Talents aus der Armut zum Multi-Millionär und Glamour-Boy des Sports. Eine Geschichte, die normalerweise verfängt. In England wird dem Kosmopoliten Hamilton allerdings latent vorgeworfen, dass er die amerikanische Kultur auf Kosten seiner britischen Identität angenommen hat.

Und so geht sein Kampf um Anerkennung an diesem Wochenende in Silverstone weiter. Am besten mit einem Sieg. „Es wird definitiv nicht leicht“, sagte Hamilton.