| 21:10 Uhr

Formel 1
Machtdemonstration des alten und neuen Weltmeisters

 Sieger Lewis Hamilton (Mitte), der zweitplatzierte Max Verstappen (links) und der Dritte Charles Leclerc genehmigen sich einen Schluck.
Sieger Lewis Hamilton (Mitte), der zweitplatzierte Max Verstappen (links) und der Dritte Charles Leclerc genehmigen sich einen Schluck. FOTO: dpa / Luca Bruno
Abu Dhabi. Der Brite Lewis Hamilton gewinnt das letzte Formel-1-Rennen der Saison in Abu Dhabi. Sebastian Vettel kommt nur auf Platz fünf ins Ziel. Von Walter Koster

In der Dämmerung gestartet, in der taghell erleuchteten Nacht, begleitet von Böllerschüssen und einem Feuerwerk, flog Lewis Hamilton mit seinem Silberpfeil über den Zielstrich auf dem Yas Marina Circuit in Abu Dhabi. Anschließend drehte er rauchende Kringel auf den Asphalt, schälte sich aus dem engen Cockpit, reckte beide Arme in den Himmel und tätschelte sein Siegerauto. Überglücklich sprudelte es ihm beim Siegerinterview heraus: „Ich bin stolz und dem Team unglaublich dankbar. Mercedes hat wie jedes Jahr unheimlich gepusht. Das Auto funktioniert wie ein Kunstwerk.“

Seine Herausforderer Max Verstappen und Ferraris Jungspund Charles Leclerc verwies Hamilton auf die Plätze. Dauerrivale Sebastian Vettel wurde regelrecht deklassiert. Der Ferrari-Pilot, der sein erstes Rennen nach der Geburt seines Sohnes als dreimaliger Familienvater bestritt, wurde hinter Valtteri Bottas im zweiten Mercedes nur Fünfter. Nach einem erneut verpatzten Boxenstopp seiner Crew und einer mäßigen Leistung kam der ehemalige Weltmeister mehr als eine Minute nach dem Sieger ins Ziel. Im Endklassement belegt Vettel hinter Leclerc ebenfalls nur Rang fünf. Es ist das schlechteste Resultat des Heppenheimers in seiner Ferrari-Ära.

Teamkollege Leclerc musste um seinen dritten Platz allerdings zittern, da die Fia vor Ausfahrt der Autos eine Benzinprobe am Ferrari des Monegassen genommen hatte. Dabei seien Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Der Fia-Technikchef Jo Bauer hatte einen entsprechenden Bericht an die Sportkommissare weitergeleitet. Darin hieß es: Es gab einen deutlichen Unterschied zwischen der Angabe des Teams und der Menge Sprit, die sich im Auto befunden hat. Das Ergebnis: Ferrari muss 50 000 Euro Strafe bezahlen.



Der Schlussakkord der Formel-1-Saison war nicht der erhoffte Wüsten-Kracher. Mit dem Fahrer-und Konstrukteurstitel hatte Mercedes schon vorher den Sack zugemacht. Die Fahrer konnten befreit auffahren. Wie das geht, zeigte einmal mehr der alte und neue Weltmeister. Vor dem 250. Rennen seiner Formel 1-Karriere riss Hamilton mit der Nummer 44 seines Dienstwagens die 88. Pole Position seiner Formel 1-Karriere an sich. Damit beendete er gleichzeitig seine Pole-Dürre seit Hockenheim. Teamkollege Bottas komplettierte mit Startplatz zwei zwar eine rein silberne erste Reihe, die es aber trotzdem nicht gab. Wegen eines neuen Motors wurde der Finne strafversetzt und musste vom Ende des Feldes, von Platz 20, das Rennen aufnehmen. Max Verstappen erbte Platz zwei.

Beim Start ließ Hamilton nichts anbrennen, gewann das Beschleunigungsduell gegen den Red Bull-Piloten, der noch in der ersten Runde von Heißsporn Leclerc überholt wurde. In der Folge drehte Hamilton an der Spitze ungefährdet wie ein Schweizer Uhrwerk seine Runden und fuhr zu einem Start-Ziel-Sieg. Der elfte Saisonsieg und 84. Triumph seiner Formel 1-Karriere war eine Machtdemonstration. Damit brach er den Saison-Allzeitrekord für die meisten WM-Punkte. Mit 413 Zählern toppte der Mercedes-Superstar seine eigene Bestmarke aus dem Vorjahr um fünf Punkte. Keine Frage, die Halbinsel Yas ist Mercedes-Land. Mit dem neuerlichen Sieg machten die Silberpfeile in der Wüste in sechs Jahren richtig fette Beute. Zum sechsten Mal verabschiedete sich die Truppe von Motorsportchef Toto Wolff mit einem Sieg in den Winterurlaub.

Verabschiedet aus der Formel 1 hat sich nach neun Jahren Renault-Pilot Nico Hülkenberg, der Zwölfter wurde. Die Frohnatur vom Niederrhein wurde in seiner Formel-1-Zeit zur traurigen Gestalt. In 177 Rennen stand er nie auf dem Podium. Als WM-14. verlässt der 32-Jährige die Königsklasse. Zuvor gab er noch einen Spruch zum Besten: „Ich freue mich auf den letzten Schuss. Jetzt wird der Fisch noch einmal gebacken, und dann ist Schluss.“ Der Veteran wird durch den jungen Franzosen Esteban Ocon ersetzt. Schluss ist auch für den Polen Robert Kubica. Der Williams-Pilot verlässt auf eigenen Wunsch das Williams-Team.