| 22:10 Uhr

Formel 1 in Ungarn
Hamilton ringt Verstappen nieder

 Max Verstappen, Lewis Hamilton und Sebastian Vettel (von links) genießen die Champagner-Abkühlung nach dem Rennen im heißen Budapest.
Max Verstappen, Lewis Hamilton und Sebastian Vettel (von links) genießen die Champagner-Abkühlung nach dem Rennen im heißen Budapest. FOTO: AP / Laszlo Balogh
Budapest. Titelverteidiger gewinnt den Großen Preis von Ungarn in Budapest vor dem Niederländer, Vettel wird Dritter.

Sebastian Vettel fügte sich nach dem atemberaubenden Showdown von König Lewis Hamilton und Kronprinz Max Verstappen klaglos in die Rolle des Statisten. „Ich bin ja froh, dass ich überhaupt ein bisschen Champagner bekomme“, sagte der Ferrari-Star mit einem gequälten Lächeln – und überließ die Formel-1-Bühne am Hungaroring den Männern des Tages.

Weltmeister Hamilton im Mercedes hatte kurz vorher den nächsten Angriff des erneut herausragenden Red-Bull-Piloten Verstappen abgeschmettert. Drei Runden vor Schluss schob er sich dank einer taktischen Meisterleistung der Mercedes-Kommandozentrale noch am Niederländer vorbei und holte damit den Sieg beim Großen Preis von Ungarn, dem letzten Rennen vor der Sommerpause. Vettel fuhr ein recht einsames Rennen, verdrängte in der Schlussphase aber seinen Teamkollegen Charles Leclerc noch von Rang drei.

„Ich bin müde“, sagte ein völlig ausgelaugter Hamilton nach 70 Runden in der Hitze vor den Toren Budapests und seinem achten Saisonsieg, „aber so soll es ja auch sein. Es war schwierig, an Max vorbeizukommen, er hat gut verteidigt.“ Und mit Blick auf den verstorbenen Team-Aufsichtsrat Niki Lauda fügte er an: „Wenn er heute hier wäre, würde er seine Kappe ziehen.“ Das galt für Hamiltons Leistung ebenso, wie für die der Mercedes-Strategen, die sich scheinbar gegen die Vernunft und für einen zweiten Boxenstopp Hamiltons entschieden – und damit am Ende alles gewannen. „Wir enden als Zweiter, oder wir riskieren es“, fasste Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff die Gedanken der Taktiker zusammen.



Vettels langweiliger Nachmittag endete zwar auf dem Podium, doch „das reicht nicht, um es Happy End zu nennen“, sagte der Heppenheimer: „Wir haben heute eins auf die Mütze bekommen, es ist bitter, wenn so viel fehlt. Wir alle brauchen jetzt diese Sommerpause, um unsere Batterien aufzuladen. Wir müssen uns Gedanken machen.“ Valtteri Bottas im zweiten Mercedes enttäuschte als Achter, Renault-Pilot Nico Hülkenberg verpasste als Zwölfter die Punkte. Hamilton geht als Führender der WM-Wertung mit nun 250 Zählern in den Urlaub, Bottas (188) bleibt Zweiter. Verstappen (181) ist Dritter vor Vettel (156).

Am Samstag hatte Verstappen sich mit der ersten Pole Position seiner Karriere beste Voraussetzungen geschaffen, und im Rennen sah es lange auch sehr gut für ihn aus. Gleich beim Start versuchten zwar beide Mercedes-Fahrer mit aggressiven Manövern ihr Glück, doch Verstappen gab sich keine Blöße. Stattdessen beharkten sich die beiden silbernen Autos, und Bottas war der große Verlierer: Er fiel zurück, im Duell mit Leclerc nahm dann sein Frontflügel Schaden – Bottas musste an die Box und war raus aus dem Rennen um die Spitze.

Vorne zogen Verstappen und Hamilton auf und davon, die Ferrari konnten nicht folgen. Als das Boxenstopp-Fenster sich langsam öffnete, holte Red Bull seinen Piloten zuerst rein. Mercedes ließ Hamilton noch draußen, der dadurch in den folgenden Runden Zeit verlor. Es wirkte zunächst wie ein Fehler, doch als Hamilton wenig später selbst neue Reifen bekam, fuhr er danach in einer eigenen Liga. Zwei Sekunden holte der Engländer in einer Runde auf Verstappen auf und hing bald im Heck des Gegners. Mercedes setzte nun auf den überraschenden nächsten Stopp, Hamilton musste bei noch 20 Runden etwa 20 Sekunden aufholen. „Ich weiß nicht, ob das der richtige Move war“, funkte er – doch der Kommandostand sollte Recht behalten.