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Formel 1
Hamilton profitiert vom Chaos in Baku

 Daumen hoch, doch der Sieg in Aserbaidschan war mehr als glücklich. Das weiß Lewis Hamilton ganz genau.
Daumen hoch, doch der Sieg in Aserbaidschan war mehr als glücklich. Das weiß Lewis Hamilton ganz genau. FOTO: dpa / Luca Bruno
Baku. Beim Großen Preis von Aserbaidschan steuert Sebastian Vettel seinem 50. Formel-1-Sieg entgegen, doch plötzlich läuft alles anders.

Etwas ungläubig stemmte der neue Formel-1-Spitzenreiter Lewis Hamilton seinen Siegerpokal und sparte sich die Schadenfreude über das Pech von Sebastian Vettel. Im Chaos von Baku hatte der britische Titelverteidiger am Sonntag nur dank eines misslungenen Risiko-Manövers seines Ferrari-Rivalen und eines Reifenplatzers bei Teamkollege Valtteri Bottas als Erster die Ziellinie überquert. „Es fühlt sich seltsam an, hier oben zu stehen“, gestand Hamilton, der mit dem ersten Sieg für die Silberpfeile in diesem Jahr Vettel auch gleich die WM-Führung entrissen hatte.

Vettel, der in Aserbaidschan lange geführt und seinen 50. Karrieresieg fest im Visier hatte, musste sich nach dem Spektakel auf den Schlussrunden mit Rang vier hinter Teamkollege Kimi Räikkönen und Sergio Perez begnügen. „So ist es eben, manchmal ist es ein bisschen Lotterie“, sagte der 30-Jährige.

Auslöser des finalen Durcheinanders war eine heftige Kollision der beiden Red-Bull-Kampfhähne Daniel Ricciardo und Max Verstappen. Vettel fiel durch die folgende Safety-Car-Phase zunächst auf Platz zwei hinter Bottas zurück und war dann beim Überholversuch gegen den Finnen zu übermütig. „Ich habe nichts Außerirdisches probiert“, meinte der Hesse. So konnten Hamilton, Räikkönen und bald auch Perez vorbeiziehen. Als dann auch noch der Reifen von Bottas platzte, war der Weg zum 63. Grand-Prix-Erfolg für Hamilton frei.



In der Gesamtwertung liegt Hamilton nun mit 70 Punkten vier Zähler vor Vettel.

Das Rennen begann mit einigen Blechschäden. Von der Pole Position kam Vettel bestens weg, doch für Teamkollege Räikkönen endete ein Zweikampf mit Esteban Ocon im Force India in einer Kollision. Fünf Runden lang blieb das Safety-Car auf der Strecke, dann durften die Piloten wieder aufs Gas. Vettel zog mit einer Serie schnellster Rennrunden davon.

Er fuhr bis dahin ein fehlerfreies Rennen und konnte auf die Reifenpflege achten. Erst nach 30 Runden bog Vettel an die Garage ab. Der Heppenheimer wählte wie Hamilton die härteste Reifenmischung. Das sollte sich als Fehler erweisen. Wenig später eskalierte nämlich das knallharte Duell der beiden Red-Bull-Fahrer. Ricciardo rauschte ins Heck des Niederländers Verstappen.

Weil Trümmerteile die Strecke übersäten, kam erneut das Safety-Car. Davon profitierte der zu diesem Zeitpunkt führende Bottas. Weil das Feld eingebremst war, verlor der Finne bei seinem noch ausstehenden Boxenstopp wenig Zeit und blieb vor dem verdutzten Vettel. Ferrari reagierte, holte auch Vettel an die Box und ließ dem Deutschen die schnellsten Gummiwalzen aufziehen. Doch die Taktik ging nicht auf, weil Vettel zu forsch den Angriff auf Bottas fuhr. „Es sind am Ende eine oder zwei Sekunden, die das Rennen entscheiden. Ist halt so“, sagte Vettel lapidar.