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Formel 1
Rot wird in Silverstone wohl wieder schwarz sehen

Silverstone. Ferrari wird auch beim Großen Preis von Großbritannien wohl kaum um den Sieg mitfahren können. Weltmeister Hamilton ist beim Heimspiel der Favorit. sid

Wenn Sebastian Vettel mit seiner Wetter-App auf dem Handy die Vorhersagen für Silverstone checkt, bekommt der Ferrari-Star vermutlich schlechte Laune. Auch in England macht der Sommer derzeit eine Pause – und das ist eine ziemlich schlechte Nachricht für den Heppenheimer. Denn nur bei extremer Hitze wäre Lewis Hamilton bei seinem Heimspiel im Mercedes wohl zu schlagen.

"Wir erwarten nicht, dass Silverstone besonders gut zu unserem Auto passt", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto vor dem Großen Preis von Großbritannien (Sonntag, 15.10 Uhr/RTL). Rot sieht trotz des Sieges im Vorjahr also schon wieder schwarz. Dabei hatte der 49-Jährige bei seiner Einschätzung die Wetterprognose mit freundlichen 22 Grad und einigen Wölkchen am Himmel für das zehnte Rennen der Saison noch gar nicht eingeschlossen.

Immerhin: Seit dem Rennen in Österreich und dem Sieg von Max Verstappen (Red Bull) weiß die Konkurrenz, dass die Silberpfeile schlagbar sind. Aber eben vor allem dann, wenn es knackig heiß wird. "Unsere Achillesferse", nannte dies Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Doch mit einem Glutofen wird in Silverstone nicht gerechnet. Und so bleibt Ferrari zur Mitte der Saison nur das Prinzip Hoffnung.



Man habe im bisherigen Jahresverlauf auch "gesehen, dass sich das Kräfteverhältnis oft unerwartet ändern kann", sagte Binotto zwar. In Wahrheit ist das Kräfteverhältnis aber zementiert – die Silbernen glänzen. Vettel ist nur WM-Vierter und hat bereits 74 Punkte Rückstand auf Hamilton, der sein Heimrennen bereits zum sechsten Mal gewinnen kann und darauf brennt, vor den eigenen Fans eine gute Show abzuliefern. Während Vettel vor einem Jahr seinem Rivalen in dessen Wohnzimmer noch die Party ordentlich vermiest und beste Aussichten auf den Titel hatte, scheint die WM 2019 bereits so gut wie verloren zu sein.

Quälend lange stand Vettel schon nicht mehr ganz oben auf dem Podium, zuletzt Ende August 2018 in Belgien, immer wieder blockierten sich der Ex-Weltmeister und die Scuderia seitdem selbst. Es sei bedauernswert, "dass wir die Dinge nicht zusammenbekommen, wenn wir den Speed mal haben. Dass es dann nicht klickt", hatte Vettel zuletzt in Österreich nach Platz vier gesagt. Bisher versuchte Ferrari vergeblich, den Rückstand auf Mercedes aufzuholen. Auch nach Silverstone bringen die Italiener laut Binotto nur eine "kleine aerodynamische Modifikation mit". Aber Vettel freut sich dennoch auf die "coole Strecke" mit "vielen schnellen Abschnitten" und einer "der epischsten Kurvensequenzen in der Formel 1".