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Paralympics
Mit Glückwünschen von Neureuther auf die Piste

Anna-Maria Rieder startet im Slalom und Riesenslalom, und das nach WM-Bronze durchaus mit Medaillen-Chancen.
Anna-Maria Rieder startet im Slalom und Riesenslalom, und das nach WM-Bronze durchaus mit Medaillen-Chancen. FOTO: Ralf Kuckuck / dpa
Pyeongchang. Als Anna-Maria Rieder zur Welt kam, wog sie nur 722 Gramm. Sie kämpfte sich durch – bis zum Geheimtipp bei den Paralympics.

(dpa) Die Kunde von der Paralympics-Nachnominierung kam am 18. Geburtstag während des Unterrichts, die Nachricht von Felix Neureuther nur kurz darauf. „Er hat mir viel Glück gewünscht“, berichtet die alpine Ski-Läuferin Anna-Maria Rieder: „Das hat mich sehr gefreut. Felix ist ein großes Vorbild für mich. Und ich kenne ihn, seit ich auf der Welt bin.“

Anna-Marias Vater Max ist Trainer am Olympiastützpunkt in Garmisch-Partenkirchen und trainierte dort den jungen Felix Neureuther. „Manchmal hat er mir Tipps gegeben, und ich habe mir auch das eine oder andere von ihm abgeschaut“, erzählt Rieder: „Auch Miriam Gössner oder Laura Dahlmeier kenne ich schon ewig.“

Nun verpasste Alpin-Star Neureuther den Olympia-Start wegen eines Kreuzbandrisses, was Rieder „natürlich extrem schade“ fand. Dafür ist sie nun plötzlich erstmals bei Paralympics dabei. Sie startet im Slalom und Riesenslalom, und das nach WM-Bronze im Vorjahr durchaus als Geheimtipp auf eine Medaille.



Neureuthers Nachricht dient der 18-Jährigen als Glücksbringer, ebenso wie weitere Dinge, die sie mit nach Südkorea genommen hat. Welche das sind, will sie nicht verraten. Doch ihr größter Trumpf ist sowieso ihr eiserner Wille. „Ich war mein ganzes Leben eine Kämpferin, von Geburt an“, sagt Rieder: „Und das werde ich immer sein.“

Sie kam in der 25. Schwangerschaftswoche als „Frühchen“ mit 722 Gramm auf die Welt. „Ich hatte eine Gehirnblutung dritten Grades. Die Ärzte haben gesagt, sie wird ihr Leben lang schwerbehindert sein und im Rollstuhl sitzen“, berichtet sie ausgesprochen aufgeräumt: „Das erste halbe Jahr habe ich komplett im Strahlenbettchen verbracht. Ich konnte nicht selbst essen, nicht trinken, nicht selbst atmen. Meine Eltern haben sich sehr viel angeeignet und viel mit mir trainiert.“

Heute hat Rieder eine halbseitige Lähmung des linken Fußes und des linken Armes, mehr ist nicht geblieben. „Wenn man mich nicht kennt, sieht man das nicht wirklich“, sagt sie: „Ich humpele nur ein wenig.“

Ski fährt sie, seit sie vier Jahre alt ist. Dass sie das Kämpfen und Trainieren buchstäblich vom ersten Tag an gelernt hat, „hilft mir jetzt“, sagt sie. Ein Ziel für ihre Paralympics-Premiere will sie nicht benennen. Klar ist nur, wie sie die beiden Rennen angehen will. Forsch, ohne Angst. „Ich gehe volles Risiko“, kündigt sie an: „Ich will schnell fahren, Spaß haben, und dann schaue ich, was rauskommt.“