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Mit erstem Sieg zum WM-Gold

Val d'Isère. Maria Riesch warf sich als erste Gratulantin mit der neuen Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl in den Schnee. Trainer führten Jubeltänze auf. Sekunden nach dem Freudentaumel ließ sich Hölzl auf Schultern tragen. Die 24-Jährige aus Bischofswiesen bescherte Deutschland den ersten WM-Einzeltitel seit acht Jahren. Der Sieg in Val d'Isère bedeutete das 100 Von Michael Becker und Christian Kunz (dpa)

Val d'Isère. Maria Riesch warf sich als erste Gratulantin mit der neuen Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl in den Schnee. Trainer führten Jubeltänze auf. Sekunden nach dem Freudentaumel ließ sich Hölzl auf Schultern tragen. Die 24-Jährige aus Bischofswiesen bescherte Deutschland den ersten WM-Einzeltitel seit acht Jahren. Der Sieg in Val d'Isère bedeutete das 100. deutsche Einzel-Edelmetall bei alpinen Ski-Weltmeisterschaften. "Das ist Wahnsinn, einfach unglaublich. Da ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich habe nie gedacht, dass es zum Sieg reicht", sagte Hölzl nach dem ersten Sieg ihrer Karriere: "Ich begreife das noch gar nicht richtig." Der Deutsche Skiverband war zuvor in 52 Einzel-Rennen leer ausgegangen. "Das war ein Hammer, das ist eine extreme Erlösung", jubelte Alpin-Direktor Wolfgang Maier, ehe er von Damen-Cheftrainer Mathias Berthold in den Schnee gerissen wurde. Dass Viktoria Rebensburg (Kreuth) im zweiten Durchgang von Platz drei auf neun zurückgefiel ("Ich bin ein bisschen sauer auf mich selbst"), spielte im Jubel-Trubel keine Rolle mehr. Ebenso nicht Rieschs 28. Platz. Einzig das erste Riesenslalom-Gold seit Maria Epple 1978 war Thema: Die 1,63 Meter kleine Katy war die Größte. Als Vierte war sie den zweiten Lauf angegangen. Um 0,09 Sekunden war Hölzl im Ziel schneller als die dahin führende Slowenin Tina Maze, die Silber vor der Finnin Tanja Poutiainen holte. "Ich habe mich im Ziel nicht getraut zu schauen", gestand Hölzl, die drei Fahrerinnen abwarten musste, ehe der 32. WM-Titel eines deutschen Alpinen feststand. Der enge, steile Hang war wie gemacht für die Zoll-Beamtin, die sich in der Weltcup-Saison schwer tat - nur ein Podestplatz. Dass sie nie aufsteckte, wurde nun belohnt und dürfte Trost für schwierige private Stunden gewesen sein. Vor etwa einem Jahr starb ihr Vater nach schwerer Krankheit. "Jetzt hoffe ich, dass die Maria jetzt im Slalom am Samstag eine Medaille holt", erklärte Hölzl. Und Maier sagte: "Was soll uns jetzt noch belasten? Wir stellen einen Weltmeister. Das hilft auch der Maria."Viel Pech hatte die deutsche Alpin-Equipe in Val d'Isère gehabt. Erst der Trainingssturz und die Verletzung von Riesch, dann das auf Platz vier knapp verpasste Kombinations-Edelmetall der Partenkirchenerin - und nun rettete Hölzl schon drei Rennen vor dem WM-Ende die deutsche Bilanz. dpa



Auf einen BlickDeutsche Ski-Weltmeister: 1932: Friedl Däuber (Slalom); 1934: Christl Cranz (Slalom/Kombination), Franz Pfnür (Slalom); 1935: Cranz (Abfahrt/Kombination); 1937: Cranz (Abfahrt/Slalom/Kombination); 1938 Cranz (Slalom/Kombination), Lisa Resch (Abfahrt); 1939: Cranz (Abfahrt/Slalom/Kombination), Josef Jennewein (Kombination), Gustav Lantschner (Abfahrt); 1956: Ossi Reichert (Riesenslalom); 1960: Heidi Biebl (Abfahrt); 1964: Ludwig Leitner (Kombination); 1976: Rosi Mittermaier (Abfahrt/Slalom/Kombination); 1978: Maria Epple (Riesenslalom); 1985: Markus Wasmeier (Riesenslalom); 1987: Frank Wörndl (Slalom); 1989: Hansjörg Tauscher (Abfahrt); 1993: Katja Seizinger (Super-G), Miriam Vogt (Kombination); 2001: Martina Ertl (Kombination); 2005: Monika-Bergmann Schmuderer, Hilde Gerg, Florian Eckert, Andreas Ertl, Felix Neureuther (Mannschafts-Wettbewerb); 2009: Kathrin Hölzl (Riesenslalom). dpa