| 21:04 Uhr

Millimeter-Entscheidung zugunsten von Kittel

Limoges. Marcel Kittel hat es allen Zweiflern gezeigt und kurz vor der ersten giftigen Etappe der Tour noch einen Etappensieg gefeiert. Dann ist die Zeit der gefährlichen Massensprints vorbei, wie sie Kittel und Sagan zuletzt beklagt hatten. sid

Marcel Kittel lag rücklings auf dem Asphalt und brüllte seine ganze Freude in den Himmel: In einer Herzschlagentscheidung hat der Thüringer die vierte Etappe der Tour de France gewonnen und den deutschen Radprofis nach den Enttäuschungen der ersten Tage den ersehnten Erfolg gesichert. "Ich bin wahnsinnig stolz und froh, dass ich es heute allen gezeigt habe", sagte der 28-Jährige nach 237,5 Kilometern in Limoges .

Einen Tag nachdem André Greipel unglücklich im Foto-Entscheid in Angers gegen Mark Cavendish verloren hatte, drehte Kittel diesmal den Spieß um. Nach Auswertung des Zielfotos lag Kittel kaum eine Reifenbreite vor dem zweitplatzierten Franzosen Bryan Coquard. "Ich bin mega, mega happy", sagte Kittel , der im Vorjahr nach gesundheitlichen Problemen von seinem damaligen Team Giant-Alpecin nicht für die Tour nominiert worden war: "Ich habe es heute nicht nur meinen Gegnern gezeigt. Der Sieg bedeutet mir sehr, sehr viel."

Platz drei auf der längsten Etappe der Tour 2016 ging an den slowakischen Weltmeister Peter Sagan, der das Gelbe Trikot des Gesamtführenden erfolgreich verteidigte. Greipel war frühzeitig geschlagen und landete auf Platz 18. Auch der Brite Cavendish, Sieger der ersten und dritten Etappe, war auf Platz acht chancenlos.



Auf der giftigen fünften Etappe heute über 216 Kilometer ins Wintersport-Ressort Le Lioran werden die Sprinter - mit Ausnahme des Allrounders Sagan - keine Rolle spielen. Vorbei somit die gefährliche Massensprints, wie sie Kittel und Sagan zuletzt beklagt hatten. Beide regten an, die Neutralisationsregel zu überdenken. Bislang wird bei flachen Teilstücken an der Drei-Kilometer-Marke die Zeit für das Gesamtklassement genommen. Stürze oder Defekte danach haben keine Auswirkungen mehr.

Kittel schrieb bei Twitter , es sei an der Zeit, eine Regel einzuführen, wonach schon ab fünf Kilometer vor dem Ziel keine Zeitverluste mehr möglich sind.

Vor allem die Mentalität der Klassement-Teams wie Sky um Titelverteidiger Chris Froome würden sich im Finale unter die Sprinter mischen und zusätzliche Hektik stiften. Sagan hatte sich schon zuvor über die rücksichtslose Fahrweise im Peloton beklagt. "Sie fahren, als hätten sie kein Hirn. Als ich meine Karriere begonnen habe, war die Tour noch ein anderes Rennen. Jetzt fährt jeder, als ob ihm sein Leben nichts wert wäre", sagte er.