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Fußball
Opfer des eigenen Anspruchs?

 Getrieben vom Wunsch nach Perfektion: Manchester Citys Trainer Pep Guardiola.
Getrieben vom Wunsch nach Perfektion: Manchester Citys Trainer Pep Guardiola. FOTO: AP / Alastair Grant
Porto. Manchester City droht in der Champions League an diesem Mittwoch das Aus. sid

Jürgen Klopp und der FC Liverpool stehen mit einem Bein im Halbfinale der Champions League, Pep Guardiola und Manchester City müssen hingegen zittern: Während sich die beiden englischen Spitzenclubs in der Premier League ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterschaft liefern, könnten die Reds in Europa bald alleine dem Titel entgegenstreben. Und das hat insbesondere mit den Teammanagern zu tun.

Titelrennen hin, Gedenken an Hillsborough her: Jürgen Klopp strahlt vor dem Viertelfinal-Rückspiel beim FC Porto an diesem Mittwoch (21 Uhr/DAZN) eine große Ruhe aus. „Es wird eine schwierige Herausforderung“, sagt er – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Pep Guardiola dagegen wirkt sehr viel angespannter – aus gutem Grund. Dass City am Mittwoch (21 Uhr/Sky) mit einer 0:1-Hypothek ins Rückspiel gegen die Tottenham Hotspur geht, da sind sich die Experten einig, ist seine Schuld.

„Er denkt zu viel nach“, lautete das einhellige Urteil nach dem Hinspiel, befeuert von der Kritik von Ilkay Gündogan. „Wir versuchen, das Besondere zu machen, dabei ist weniger manchmal mehr“, hatte der Nationalspieler geschimpft. Spiele wie jenes in London seien Citys „Schicksal“. Und das Schicksal des vor allem in der Königsklasse bisweilen zu verkopften Guardiola.



Der Trainer, sagt der im Hinspiel überraschend wie Leroy Sané erst spät eingewechselte Kevin De Bruyne, sei „ein Meister der Taktik, da gibt es keinen Zweifel“. Und doch sei sein Lehrer immer „so gestresst, die ganze Zeit“. Der Trainer mache sich „doppelt so viel Druck“ wie seine Schüler, findet De Bruyne, „weil er nicht nur am Gewinnen interessiert ist. Er will Perfektion.“ Dieses Streben droht Guardiola gegen die Spurs, die auf WM-Torschützenkönig Harry Kane (Knöchel) verzichten müssen, erneut zum Verhängnis zu werden – wie in seiner Zeit bei Bayern München, als der Henkelpott ein Traum geblieben war.

Klopp hat die begehrte Trophäe anders als Guardiola noch nicht gewonnen, doch Liverpool scheint inzwischen reifer als bei der Finalniederlage im Vorjahr. Statt dem Traum vom Titel herrschte bei den Reds jedoch zunächst stilles Gedenken an die Schrecken der Hillsborough-Katastrophe am 15. April 1989 vor. Noch am Montag versammelte sich die Mannschaft am Gedenkstein, Klopp legte einen Kranz nieder. Die Betroffenheit war ihm und seinen Spielern anzusehen. Zur mentalen Belastung für Porto sollte sie aber nicht werden.