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Zweibrücker Sprinterin Sina Mayer hat die EM fest im Blick

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Symbolfoto FOTO: Pexels
Zweibrücken. LAZ-Sprinterin Sina Mayer will sich nach ihrem fabelhaften Jahr dauerhaft in der nationalen Spitze etablieren.

In die deutsche Flagge gehüllt, feierte Sprinterin Sina Mayer vom LAZ Zweibrücken im Juli bei der U23-Europameisterschaft in Polen den größten Erfolg ihrer Karriere. Nach einer schweren Fußverletzung, die sie über ein Jahr zum Zuschauen zwang, lief die 22-Jährige völlig überraschend zu Bronze. Jetzt arbeitet Sina Mayer hart daran, um sich auch bei den Aktiven durchzusetzen. Alles ist auf die Heim-EM ausgerichtet – allerdings ist die nationale Konkurrenz stark wie nie.

Frau Mayer, jetzt, mit ein wenig Abstand, können Sie auf ein äußerst erfolgreiches Jahr zurückblicken. Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?

Sina Mayer: Ja, die Saison war schon überragend. 2017 war das bisher erfolgreichste Jahr meiner Karriere. Und ganz ehrlich, nach meiner Fußverletzung im Jahr davor hätte ich nie und nimmer damit gerechnet, dass es so gut laufen würde.



Bei der Sparkassen-Gala Mitte Juni in Regensburg haben Sie Ihre persönliche Bestzeit auf 11,25 Sekunden verbessert. Wie kam es zu dieser Leistungsexplosion?

Mayer: Es hätte eigentlich schon 2016 besser laufen können. Ich war damals Siebte bei den deutschen Hallenmeisterschaften und in einer wirklich guten Form, bis es dann zur Verletzung kam. In Regensburg hat es einfach gepasst. Die Bedingungen vor Ort, der Lauf an sich – fast alles war perfekt. Aber natürlich war ich total überrascht von der Zeit und musste zweimal auf die Anzeigetafel schauen. Wichtig war vor allem, dass die Fußgeschichte, die mich ziemlich lange ausgebremst hat, jetzt komplett überstanden ist. Ich konnte im Sommer wieder alles trainieren und das dann in den Wettkämpfen meistens auch abrufen.

Gibt es irgendetwas, an dem im Training speziell gearbeitet wurde?

Mayer: So großartig viel umgestellt habe ich eigentlich nicht, aber gezielt an meiner Beschleunigung und am Start gearbeitet. Und meine Kraftwerte haben sich verbessert. Das hat sich im Sommer ausgezahlt.

Bei der U23-EM in Polen haben Sie Ihre erste internationale Medaille gewonnen. Was nimmt man aus einem solchen Erlebnis mit?

Mayer: Die Europameisterschaft in Bydgoszcz war ja mein erster Einzelstart bei internationalen Wettkämpfen überhaupt. Dass ich es überhaupt ins Finale geschafft habe, war schon eine Riesensache. Am Ende mit der Bronzemedaille nach Hause zu fahren, ist überragend. So ein Erfolg gibt dir enorm viel Selbstvertrauen und hat mir gezeigt, dass ich auch mit der internationalen Konkurrenz mithalten kann.

Dabei hatten Sie die Generalprobe für die EM noch verpatzt. Bei den Deutschen Meisterschaften leisteten Sie sich im Vorlauf über 100 Meter einen Fehlstart und wurden disqualifiziert. Kann man das schnell abschütteln?

Mayer: Natürlich war der Fehlstart super ärgerlich, zumal es der erste meiner Karriere war und ich mir für die Deutschen viel vorgenommen hatte. So etwas muss man als Sportler schnell abhaken. Viel Zeit, um über die Gründe zu grübeln, hatte ich ohnehin nicht. Der DM-Vorlauf war samstags und am Montag ging es schon mit dem Flieger zu den Europameisterschaften nach Polen. Das war ganz gut so.

Krönender Abschluss Ihrer herausragenden Saison war dann die Teilnahme an der Universiade, den Weltsportspielen der Studenten, in Taipeh, wo Sie es bis ins Halbfinale gepackt haben.

Mayer: Genau. Dass ich mit zur Universiade durfte, war sozusagen das i-Tüpfelchen dieser Saison. Sich mit vielen jungen Sportlern aus der gesamten Welt messen zu können, war ein tolles Erlebnis. Auch wenn mir am Ende ein wenig die Kraft gefehlt hat, nach der langen Saison.

Der deutsche Frauen-Sprint ist derzeit stark besetzt. Trauen Sie sich dennoch zu, sich in der nationalen Spitze zu etablieren?

Mayer: Das stimmt. Die Konkurrenz in Deutschland ist so stark wie noch nie. Es ist unglaublich, was hier in den letzten Jahren geleistet wurde. Gerade an der Spitze ist das Leistungsniveau extrem hoch, da wurde hervorragend gearbeitet. Ich hoffe, dass ich mich dort etablieren und noch weiter steigern kann.

Haben Sie schon mit der Vorbereitung auf die Hallensaison begonnen? Welche Ziele haben Sie sich für 2018 gesteckt?

Mayer: Seit Mitte, Ende Oktober befinde ich mich im Aufbautraining, um die Grundlagen für die Hallenrunde zu legen. Wann und wo ich meinen ersten Wettkampf in der Halle bestreiten werde, steht aber noch nicht fest. Aber Anfang Januar geht es für zehn Tage nach Teneriffa in ein Trainingslager der DLV (Deutscher Leichtathletik-Verband; Anm. d. Red.). Und mein großes Ziel für 2018 ist natürlich die Heim-EM in Berlin (7. bis 12. August). Darauf ist alles fokussiert.

Im September hieß es dagegen „Still gestanden!“ für Sie. Was war da denn los?

Mayer: Genau, ich war für sechs Wochen in Hannover in der Emmich-Cambrai-Kaserne und habe dort mit der Sportfördergruppe der Bundeswehr meine Grundausbildung absolviert. Für mich ist das eine super Sache, da man neben finanzieller Unterstützung auch sportmedizinisch erstklassig betreut wird.

Das Interview führte Martin Wittenmeier.