| 00:00 Uhr

„Wir werden unsere Chance nutzen“

 SV64-Trainer Stefan Bullacher bei Koordinationsübungen mit den Neuzugängen Dorian Vallet, Florian Enders, Robin Egelhof, Björn Zintel und Michael Mathieu (von links) in der Westpfalzhalle. Foto: Wille
SV64-Trainer Stefan Bullacher bei Koordinationsübungen mit den Neuzugängen Dorian Vallet, Florian Enders, Robin Egelhof, Björn Zintel und Michael Mathieu (von links) in der Westpfalzhalle. Foto: Wille FOTO: Wille
Bullacher:. Zweibrücken. Der Handball-Drittligist, SV 64 Zweibrücken, steckt schon mitten in den Vorbereitungen für die neue Saison unter Trainer Stefan Bullacher, der in seine 20.

(!) Saison geht und am Samstag, 30. August, ab 18 Uhr mit einem Heimspiel gegen Korschenbroich in der Gruppe West beginnt. Merkur-Redakteuer Werner Kipper befragte den SV64-Trainer.

Hat der Aufstieg in die Dritte Liga Ihren Trainingszyklus verändert?

Stefan Bullacher: Wir haben schon im Januar, unabhängig von der Spielklasse, mit den Jungs vereinbart, dass wir unsere Vorbereitung zweiteilen. Es war der Wunsch der Spieler, in der Ferienzeit zwei Wochen Urlaub machen zu können. Da die Dritte Liga für uns außergewöhnlich früh, schon Ende August, beginnt, waren wir gezwungen, bereits Mitte Juni mit dem Training anzufangen. Das hat unsere Planungen nicht substanziell verändert. Wir bleiben bei acht Wochen Vorbereitungsphase.

Kommt Ihnen zugute, dass Ihre Mannschaft fast unverändert bleibt?

Bullacher: Nein, ganz im Gegenteil: Mit Marian Müller ist mir ein zentraler Abwehrspieler und mit Tim Burkholder mein Spielmacher weggebrochen. Ich muss in die Meister-Mannschaft fünf Neuzugänge integrieren. Das ist schwierig und braucht Zeit.

Wie viele Trainingseinheiten pro Woche sehen Sie vor?

Bullacher: Wir bleiben auch in der Dritten Liga bei der bewährten Formel "drei Trainingseinheiten plus Spiel am Wochenende". Wir sind, im Gegensatz zu einigen anderen Vereinen, weder Halbprofis noch Profis. Wir versuchen, weiter durch Enthusiasmus und Ehrgeiz die finanziellen Nachteile gegenüber der Konkurrenz wettzumachen.

Gibt es Veränderungen in der Vorbereitung gegenüber der Saison in der Dritten Liga 2012/13?

Bullacher: Wir haben über den Tellerrand geschaut und wollen von anderen lernen. Unser Krafttraining ist angelehnt an die Erkenntnisse von Dr. Müller-Wohlfahrt aus München, und unser Ausdauertraining, das ausschließlich in der Halle stattfindet, orientiert sich an Ergebnissen der Universität "George Garcon" in Dijon .

Ihre Mannschaft spielt in der neuen Runde in der West-Gruppe. Gibt es sportliche Unterschiede zum Süden?

Bullacher: Wir treffen im Westen mit Korschenbroich , Duisburg, Wiesbaden, Ferndorf, Hagen und Leichlingen nicht nur auf sechs traditionelle Zweitligisten, sondern haben es mit Gummersbach, Minden und Lemgo auch noch mit drei Bundesliga-Reserven zu tun. Durch die weitaus weiteren Anreisen wird die Aufgabe im Westen deutlich schwieriger. Die VTZ-Saarpfalz hat im letzten Jahr nicht ohne Grund für ihre Zugehörigkeit in den Süden lang und am Ende erfolgreich gekämpft. Wir nehmen die Herausforderung an.

Sie starten am 30. August gegen Korschenbroich . Ist es für Sie ein Handicap, dass Sie eventuell in den Ferien in der Phase des Feinschliffs nicht genügend Hallenkapazitäten haben?

Bullacher: Als Erstes muss ich mal die Stadtverwaltung loben, die es uns ermöglicht, bis auf eine kurze Reinigungsphase auch in den Ferien zu trainieren. Das ist im Verhältnis zu vielen anderen Kommunen ein riesiger Vorteil. Auf der anderen Seite müssen wir mit dem Handicap leben, dass keine unserer Leistungsmannschaften im Trainingsbetrieb eine ganze Halle zur Verfügung hat. Steht Ihr Kader schon? Mit wie vielen Spielern planen Sie?

Bullacher: Mit Tim Burkholder und Marian Müller haben uns zwei wichtige Stützen verlassen. Mit Dorian Vallet (Oberliga), Florian Enders, Michael Mathieu (Landesliga) und Björn Zintel (Jugendbundesliga/Dritte Liga) haben wir unser Team entsprechend unseren Möglichkeiten verstärkt. Nils Wöschler, Patrick Bach, Benni Berz und Robin Egelhof aus dem jüngeren Jahrgang der A-Jugend werden den Kader komplettieren. Der Kader umfasst 17 Spieler, wobei sieben Jungs den Spagat zwischen Liga 3, Jugendbundesliga und Saarlandliga, bei der zweiten Mannschaft, stemmen müssen. Das wird eine Herkulesaufgabe.

Gibt es für Sie Lehren, die Sie der ersten Drittliga-Saison ziehen?

Bullacher: Zum Ersten bin ich da ganz nah an Sepp Herberger mit der Weisheit "ein Spiel dauert 60 Minuten". Es nutzt nichts, wenn wir weite Strecken des Spiels auf Augenhöhe mithalten und am Ende knapp verlieren. Das ist der Unterschied in dieser Klasse. Unsere Kontrahenten agieren über die volle Spielzeit auf hohem Niveau. Die zweite Erkenntnis ist, dass auch in der Dritten Liga jeder jeden schlagen kann.

Sehen Sie personelle Vorteile gegenüber der ersten Drittliga-Saison?

Erfahrung ist ein unschätzbares Gut. Wir haben diesmal sieben Spieler im Kader, die schon Drittligaluft geschnuppert haben. Wir gehen also nicht mehr unbedarft in die Saison. Außerdem haben wir in der Nachanalyse der ersten Spielzeit die Erkenntnis gewonnen, dass die Torwartposition ein zentraler Faktor bei den erfolgreichen Teams war. Hier ist mehr gefordert, als die "Muss- und "Kann-Bälle" zu halten. In der Kombination des erfahrenen Ladi Kovacin und den beiden Nachwuchstalenten Yannic Klöckner und Benni Berz sehe ich uns hier gut aufgestellt. Ein entscheidender Faktor wird der "achte Mann" auf der Tribüne sein. Wenn uns unsere Fans in der Westpfalzhalle weiter so klasse unterstützen wie in der kleinen Ignaz-Roth-Halle, werden wir unsere Chance nutzen.