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„Wir haben gewusst, dass es schwer wird“

 Auf die Qualität von Nils Wöschler (re.) hofft Tony Hennersdorf auch in der Restrunde. Foto: Wille/pmz
Auf die Qualität von Nils Wöschler (re.) hofft Tony Hennersdorf auch in der Restrunde. Foto: Wille/pmz FOTO: Wille/pmz
Schwarzer:. Zweibrücken. Die Abgänge vor der Saison und zahlreiche verletzungsbedingte Ausfälle konnten die Handballer des SV 64 Zweibrücken bislang nur schwer wegstecken. Aus 16 Partien hat die erste Mannschaft lediglich fünf Punkte in der 3. Liga Süd gesammelt. Auch die A-Jugend hatte zu Saisonbeginn zu kämpfen. Trainer Tony Hennersdorf und A-Jugend-Co-Trainer Christian Schwarzer, dessen Sohn auch in dem Team spielt, sprachen mit Merkur -Redakteur Martin Wittenmeier über mögliche Gründe sowie die Ziele für die Restsaison.

Herr Hennersdorf, mit lediglich fünf Punkten ist der SV 64 Zweibrücken derzeit Schlusslicht in der 3. Liga. Warum lief es für Ihre Mannschaft bisher so schlecht?

Tony Hennersdorf: Wir haben zwar einen großen Kader, aber oft hat sich die Mannschaft selber aufgestellt. Wir haben nur selten vollzählig gespielt oder trainiert, dann kommt so etwas zustande. Wir haben aber auch viele Spiele dumm hergeschenkt, beispielsweise das letzte vor der Pause (27:28 gegen HG Oftersheim/Schwetzingen; Anm. d. Red.). Diese Punkte fehlen uns jetzt natürlich.

Spielt die mangelnde Erfahrung einiger Spieler da eine Rolle?



Hennersdorf: Dass wir eine junge Truppe haben und es eine schwierige Saison wird, war uns im vornherein klar. Aber, dass wir dann doch so lange brauchen, damit hätte ich nicht gerechnet.

Christian Schwarzer : Man darf nicht vergessen, dass einige gestandene Spieler den Verein vor der Saison verlassen haben. Dann kam auch noch das Verletzungspech bei Rok Selakovic oder jetzt bei Tim Burkholder dazu. Und für die jungen Spieler ist der Sprung von der A-Jugend zu den Aktiven sehr groß.

Was macht Ihnen Mut, dass ihre Mannschaft in den verbleibenden 14 Saisonspielen den Abstieg doch noch abwenden kann?

Hennersdorf: Ich hoffe in erster Linie, dass wir möglichst bald wieder vollzählig sind. Und dann wird mit Sicherheit der eine oder andere aus der zweiten Mannschaft und aus der A-Jugend nachrücken und so den Konkurrenzkampf beleben. Das sollte die Jungs zusätzlich beflügeln.

Schwarzer: Wenn die Mannschaft noch eine Chance haben will, muss sie sofort anfangen, zu gewinnen. Viele Strohhalme wird es für uns nicht mehr geben. Aber wir waren in der letzten Saison in einer ähnlichen Situation. Die Jungs wissen also, wie es geht.

In der Vorrunde hat Ihr Team auch gegen starke Gegner teilweise gut mitgehalten. Allerdings gab es in vielen Spielen auch immer wieder Phasen, in denen dann fast gar nichts zusammenlief. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Hennersdorf: Sicherlich ein Stück weit die Unerfahrenheit. Wobei ich mittlerweile sagen muss, dass diese Ausrede nicht mehr zählt. Wir haben in Oftersheim das Spiel hergeschenkt, in Haßloch auch, obwohl wir eigentlich die bessere Mannschaft waren. Wir haben jetzt 16 Spiele hinter uns und die Erfahrung, die wir brauchen. Wir müssen halt einfach mal so ein Spiel gewinnen, dann geht es auch wieder nach oben.

Der SV 64 Zweibrücken lebt seit Jahren von seiner guten Jugendarbeit. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung von jungen Spielern wie Nils Wöschler oder Marc-Robin Eisel?

Hennersdorf: Marc-Robin Eisel ist ja noch in seinem ersten Jahr in der A-Jugend und hat noch ein bisschen Zeit. Nils Wöschler ist ein sehr guter Spieler, aber von ihm erwarte ich mir noch mehr. Wenn er das spielt, was wir uns vorstellen, mit viel Geschwindigkeit, dann kann ihn keiner halten. Aber wenn wir selbst das Tempo rausnehmen, machen wir es dem Gegner einfach. Unser großes Problem ist es, wenn wir anfangen, langsam zu spielen. Dann haben wir keine Chance, besonders im Positionsangriff.

Mit Tim Burkholder hat sich vor der Winterpause ein weiterer Spieler verletzt. Ist man auf der Suche nach einem Ersatz oder wird man mit dem vorhandenen Personal die Runde durchziehen?

Hennersdorf: Tim fällt leider neun Monate aus (Schulterverletzung, Anm. d. Red.), aber wir werden versuchen, das mit unseren eigenen Leuten aufzufangen. Natürlich werden wir auch mal über den Tellerrand hinaus gucken, aber es ist schwer, einen adäquaten Ersatz zu finden, der uns weiterbringt. Zumal ein Rückraumspieler etwas anderes ist, als ein Torwart, der kein Deutsch kennen muss und den man einfach mal hinten reinstellen kann.

Welche A-Jugendlichen haben das Potenzial, dem Verein in dieser Situation weiterzuhelfen?

Hennersdorf: Sicherlich ist der ein oder andere dabei. Allen voran natürlich Marc-Robin Eisel. Aber auch Christopher Huber, Tom Grieser, Niklas Bayer, Alessandro Lehr oder auch Kian Schwarzer können da mit Sicherheit ihre Klinge schlagen und kriegen auch alle ihre Chance.

Was würde ein Abstieg für den Verein bedeuten?

Hennersdorf: Grundsätzlich steigt keiner gerne ab, aber ein Beinbruch wäre es auch nicht. Definitiv nicht. Wir haben ja gewusst, dass es eine schwere Saison wird. Wir haben die jüngste Mannschaft in der Liga. Meiner Meinung nach fehlen immer so fünf Prozent an der einen oder anderen Stelle. Wir können auch mal ein Spiel mit zehn Toren verlieren, wenn wir dafür zwei knappe gewinnen.

Auch die A-Junioren des SV 64 hatten einen schwierigen Start. Nach vier Niederlagen zum Saisonbeginn sicherten sie vor der Winterpause dann aber 15:1-Punkte und arbeiteten sich hoch auf Platz sechs. Warum ist die Vorrunde so wechselhaft verlaufen?

Hennersdorf: Wir hatten zum Auftakt doch einige Ausfälle zu verkraften. Das war ärgerlich, aber wir konnten es nicht anders auffangen. Außerdem haben wir einige Spiele dumm verloren, beispielweise in Ostfildern. Aber die Mannschaft hat den guten Schritt nach vorne gemacht und ist auf dem richtigen Weg. Und in der Bundesliga kann jeder jeden schlagen. Vielleicht können wir sogar noch mal ganz oben anklopfen.

Schwarzer: Mit Alessandro Lehr, Tim Schaller und meinem Sohn (Kian Schwarzer, Anm. d. Red.) haben zum Auftakt wichtige Stützen gefehlt. Dadurch ist die Mannschaft nicht in ihren Rhythmus gekommen. Gerade Alessandro auf der Torwart-Position ist eine Bank, zusammen mit Yannick Mangold ergänzt er sich hervorragend. Als er wieder zurückgekehrt ist, hatten wir auch wieder mehr Sicherheit im Angriffsspiel und die Jungs haben eine schöne Serie hingelegt. Jetzt steht man da, wo man eigentlich die ganze Zeit stehen wollte.

Was ist der jungen Mannschaft in dieser Runde noch zuzutrauen?

Schwarzer: Unser großes Ziel ist wieder die direkte Qualifikation für die Junioren-Bundesliga in der nächsten Saison. Aber wir gehen die Rückrunde von Spiel zu Spiel an. Die Jungs, das schließt auch die B-Jugend mit ein, haben in den letzten zwei Jahren Blut geleckt. Jetzt wollen sie sich Woche für Woche mit den Besten messen.

Sie beide teilen sich den Trainerposten bei der A-Jugend. Wie läuft die Zusammenarbeit?

Hennersdorf: Christian und ich teilen uns das ganz gut ein. Er ist dienstags im Training und fährt meistens zu den Spielen mit, wenn es seine Zeit erlaubt. Er nimmt quasi den Posten eines Co-Trainers ein und unterstützt mich mit Rat und Tat.

Schwarzer: Genau. Bei den Spielen bin meistens ich dabei, weil Tony mit der Drittliga-Mannschaft unterwegs ist. Es macht unheimlich Spaß, wenn man die Jungs begeistern und ihnen etwas mitgeben kann. Und vor allem sind sie in diesem Alter noch dankbar für jeden Tipp. Das ist einfach ehrliche Arbeit. Und wie gut das alles funktioniert, hat man ja nach Weihnachten gesehen, als wir beim Sparkassen-Cup in Merzig das Gros der Saar-Auswahl gestellt haben.

Herr Schwarzer, in der A-Jugend spielt auch Ihr Sohn Kian. Gehen Sie mit ihm anders um, als mit dem Rest der Mannschaft?

Schwarzer: Ich bin kein großer Freund von solchen Vater-Spieler-Geschichten. Und mir ist bewusst, dass ich es Kian nicht immer einfach mache. Es ist vielleicht nicht fair, aber als Vater erwartete ich von ihm einfach mehr, als von den anderen Jungs. Aber er macht seine Sache sehr gut.

Wie zufrieden sind Sie mit seiner sportlichen Entwicklung?

Schwarzer: Ich bin schon sehr stolz, wie er den Rückschlag mit seiner Schulter-Operation gemeistert hat und jetzt wieder Anschluss an die Mannschaft findet. Die Angst vor einer erneuten Verletzung ist weg und er spielt befreit auf.

Sehen Sie seine sportliche Zukunft in Zweibrücken?

Bis zum Abitur sind es für Kian noch fast 1,5 Jahre, von daher gibt es derzeit überhaupt keine Absicht, irgendetwas zu ändern. Ihm gefällt es in Zweibrücken, mit der A-Jugend läuft es ebenfalls sehr gut. Dort kann er in dieser und auch noch in der nächsten Saison spielen. Wie es später im Herrenbereich für ihn weiter geht, muss man abwarten.