| 23:43 Uhr

Handball-Zwischenbilanz
„Zu oft zwischen Genie und Wahnsinn“

Licht und Schatten wechselten sich in dieser Saison bei der VTZ Saarpfalz häufig ab: Nach dem in letzter Sekunde vergebenen Sieg gegen Neuhausen/Filder herrschte bei Tom Paetow (links) und seinen Mitspielern noch Ernüchterung. Nur 14 Tage später schrie VTZ-Kapitän Philip Wiese seine ganze Freude nach dem überraschenden Punktgewinn beim 27:27 gegen die TGS Pforzheim heraus.
Licht und Schatten wechselten sich in dieser Saison bei der VTZ Saarpfalz häufig ab: Nach dem in letzter Sekunde vergebenen Sieg gegen Neuhausen/Filder herrschte bei Tom Paetow (links) und seinen Mitspielern noch Ernüchterung. Nur 14 Tage später schrie VTZ-Kapitän Philip Wiese seine ganze Freude nach dem überraschenden Punktgewinn beim 27:27 gegen die TGS Pforzheim heraus. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Die Handballer der VTZ Saarpfalz haben nach sieben Spieltagen gezeigt, dass sie das hohe Tempo der Dritten Liga mitgehen können. Dennoch fordert Trainer Danijel Grgic von seiner Mannschaft vor allem mehr Disziplin. Von Jadran Pesic

Nach sieben Spieltagen hat Danijel Grgic, Trainer der VTZ Saarpfalz, ein erstes Fazit gezogen. Der ehemalige Profi hat bislang viel Positives gesehen, fordert zugleich aber mehr Disziplin im Spiel seiner Mannschaft, die sich zu oft selbst aus dem Tritt bringt. Gleichwohl betont er aber, dass sein Team genügend Qualität besitze, um die Dritte Liga zu halten.

Die VTZ und ihre Fans haben nach nur sieben Spielen fast alle Gefühlswelten, durchlebt. Stellvertretend hierfür steht das Heimspiel gegen Neuhausen/Filder, in dem die Zweibrücker in der Schlusssekunde den sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand gaben. Nach ausgeglichener Anfangsphase, erarbeiteten sich die Gäste leichte Vorteile. Als die Rosenstädter dann in der 34. Spielminute mit 20:25 in Rückstand lagen, hätte kaum einer in der Halle noch auf die Jungs um Kapitän Philip Wiese gesetzt. Doch die Mannschaft drehte die Partie. Sechs Minuten vor dem Ende führten sie urplötzlich 34:31. Zwei Minuten vor dem Ende beim Stand von 35:35 war die Partie wieder die komplett offen. Die VTZ ging mit 36:35 in Führung und konnte auch knapp 15 Sekunden vor dem Ende den Ball erobern. Doch was folgte war ebenso tragisch wie bitter. Es wurde ein letzter Wurf wenige Sekunden vor dem Ende genommen, den der gegnerische Torhüter entschärfte. Mit dem Schlusspfiff erzielten die Gäste den Ausgleich.

„Wir agieren zu oft zwischen Genie und Wahnsinn“, sagt Grgic. Aber auch sonst mangelt es in den Auftritten der VTZ bislang nicht am Spektakel. Im Auswärtsspiel bei Mitaufsteiger TVS Baden-Baden lag man fünf Minuten vor dem Ende noch mit vier Toren im Rückstand, um in der Schlussphase ein selten erlebtes Comeback zu feiern. Mit einem 6:0-Lauf drehten die Zweibrücker noch die Partie und gewannen am Ende mit 33:31. Im Gedächtnis wird auch die Partie gegen die TGS Pforzheim bleiben. Mit dem letzten Wurf der Partie zwei Sekunden vor dem Ende rangen die Zweibrücker dem Favoriten einen Punkt ab.



„Wir haben etwas Zeit gebraucht, in der neuen Klasse anzukommen. Gerade in den ersten beiden Partien (gegen die Reserve der Rhein-Neckar Löwen und den TuS Dansenberg) haben wir zu ängstlich agiert. Auch wenn wir es nach dem Durchschnittsalter nicht sind, hat man gerade am Anfang gemerkt, dass uns etwas Erfahrung fehlt“, erklärt Grgic. Obwohl sich der erste Punktgewinn in der Saison gegen Neuhausen wie ein Punktverlust anfühlte, war dennoch eine gewisse Aufbruchstimmung bei Mannschaft und Umfeld zu spüren. Große Hoffnungen wurde in die Partie gegen den TV Willstätt gesetzt, die allerdings bitter enttäuscht wurden. „Das war die schlechteste Leistung, die wir je gezeigt haben. Ein Wunder, dass wir nur mit zwei Toren Unterschied verloren haben“, ärgert sich Grgic.

Danach folgte der Kraftakt in Baden-Baden und der überraschende Punktgewinn gegen Pforzheim. Auch wenn die bisherige Ausbeute mit vier Punkten nach sieben Spielen durchaus in Ordnung geht, trauert der ehemalige kroatische Nationalspieler immer noch den Chancen nach. „Nach den Leistungen bisher und den Chancen, die wir hatten, haben wir drei Punkte zu wenig eingefahren. Das Problem ist immer noch, dass wir uns zu oft selbst im Weg stehen“, sagt Grgic. Seiner Meinung nach, sei die Mannschaft noch nicht komplett zusammengewachsen, wie es nötig wäre. Auch die Neuzugänge wussten bislang nur phasenweise zu überzeugen. Dennoch sieht Grgic in seinen Neuen enormes Entwicklungspotential: „Alle sind in der Verantwortung.“

Dass die Umstellung auf die neue Liga etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, war vor der Saison klar. Nicht nur in Sachen Physis, sondern auch im taktischen Bereich weht in der Dritten Liga Süd ein anderer Wind als in der Oberliga. Dass sie das Niveau haben, mitzuhalten, hat die VTZ bewiesen. Doch die Schwächephasen kosteten die VTZ immer wieder Punkte. „Unsere Unkonzentriertheiten und auch mangelnde Disziplin brechen uns zu oft das Genick. Das würde ich mir einen etwas kühleren Kopf wünschen“, appelliert Grgic an seine Jungs. Das, was Grgic bei der HG Saarlouis war, fehlt ihm selbst in seiner Mannschaft. Ein Spieler, der die Mannschaft auf dem Feld führt. So einen Leader verkörperte Grgic bis vor wenigen Jahren noch beim jetzigen Ligakonkurrenten. Für Grgic kann deswegen der Klassenerhalt nur gemeinsam erreicht werden. „Disziplin während der Partie ist alles. Wir müssen uns an diesen Plan halten“, fordert der VTZ-Coach, der vor etwas mehr als zwei Jahren das Ruder in Zweibrücken übernommen hat. Grgic sieht genug Potential, um das Klassenziel zu realisieren. „Wir werden bis zum Schluss alles geben und dann schauen, wofür es gereicht hat“, zeigt er sich kämpferisch.

VTZ-Spieler Tom Paetow. Foto: Wittenmeier
VTZ-Spieler Tom Paetow. Foto: Wittenmeier FOTO: maw / Martin Wittenmeier