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Von Teamleadern und Freistoßtricks

DFB-Sportdirektor Hansi Flick gab gestern in Zweibrücken einige Erfahrungen weiter. Foto: Marco Wille
DFB-Sportdirektor Hansi Flick gab gestern in Zweibrücken einige Erfahrungen weiter. Foto: Marco Wille FOTO: Marco Wille
Zweibrücken. Teambuilding, Fußball-EM und die ein oder andere Anekdote aus dem Leben der Nationalmannschaft: Recht offen gab sich DFB-Sportdirektor Hansi Flick gestern bei seinem Dialog in Zweibrücken mit Trainern und Funktionären. Svenja Hofer

Als emotionale Trainer an der Seitenlinie, als Spieler auf den Fußballplätzen sind sie bekannt. Gestern saßen mehr als 120 Sportbegeisterte, Verantwortliche und Aktive aus Vereinen der Region sozusagen auf der Bank, lauschten Tipps und Anekdoten von Hansi Flick, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

"Es tut gut, einmal aus dem Mund eines Mannes mit Fachkompetenz zu hören, dass man mit dem, was man selbst macht, gar nicht so falsch liegt", resümierte der Zweibrücker Trainer Horst Kircher den Vortrag und die Fragerunde mit dem Ex-Assistenen (2006 bis 2014) von Bundestrainer Joachim Löw im DVAG-Kongresszentrum. Etwa damit, neben der wichtigen Förderung der individuellen Stärken auch ein Team zu formen. "Erfolg hat man gemeinsam oder gar nicht", so ein Motto Flicks. Zudem sei es wichtig, den Spielern Verantwortung zu übergeben, betonte Flick. "Man muss Führungsspieler auf dem Platz haben, die in gewissen Situationen selbst wissen, was zu tun ist", sagt der 51-Jährige. Am Rand könne man als Trainer toben, schreien, Wasserflaschen werfen - das interessiere die Spieler in dem Moment nicht. "Die Halbzeit ist eine der wenigen Möglichkeiten, als Trainer auf die Spieler einwirken zu können", erklärte Flick.

Um die Selbstständigkeit zu fördern, griffen Löw und sein Co-Trainer im Vorfeld der WM 2014 auf eine ungewöhnliche Trainingsvariante zurück: Die Spieler bekamen die Aufgabe, selbst Standardsituationen zu lösen. "Und nicht nur stupide - wie bei uns früher - 20 Ecken von rechts zu schlagen und einfach reinzulaufen. Es war sehr interessant zu beobachten", erklärte Flick. "Es hat die Spieler motiviert, sich immer neue Tricks auszudenken." Daraus entstanden sei etwa die ungewöhnliche Freistoß-Variante von Thomas Müller , die das Publikum im WM-Achtelfinale gegen Algerien zu sehen bekam, als er in der 88. Minute beim Stande von 0:0 vermeintlich über den Ball stolperte, "um den Gegner abzulenken", bevor er schoss. "Das Spiel war echt eng, und ich sagte zu Andy Köpke: Er wird das doch jetzt nicht machen", erinnert er sich lachend. Hat er aber. Anders als im Training jedoch ohne Torerfolg, dafür aber mit staunenden Zuschauern. "Zum Glück haben wir noch gewonnen." An die Erleichterung nach dem Abpfiff der Verlängerung beim 2:1 erinnern sich die Zuhörer alle gut.



Auch wenn sich Sanel Nuhic, Trainer des Landesligisten TSC Zweibrücken an der ein oder anderen Stelle Tiefgreifenderes gewünscht hätte, "fand ich es interessant zu hören, dass auch bei der Nationalelf wichtige Spieler mal in Fragen der Aufstellung einbezogen werden. Wie vor dem Viertelfinalspiel gegen Frankreich bei der WM 2014." Damals wurde Philip Lahm, der zunächst im Mittelfeld aufgestellt wurde, wieder in die Abwehrkette zurückgezogen. "Bei uns ist das auf kleinerer Ebene doch ähnlich. Natürlich muss letztlich der Trainer entscheiden, wer spielt, wie es Flick betont hat. Aber ich bespreche mich regelmäßig mit einzelnen Spielern."

Neben den Geschichten aus dem Leben der deutschen Nationalmannschaft, die der Vorsitzende des Fußball-Regionalligisten SVN, Richard Denger, toll fand - "da man Dinge gehört hat, die man so nicht wusste" -, hatte Flick für die Runde, in der unter anderem auch FKP-Regionalliga-Trainer Peter Tretter, der TSC-Vorsitzende Helmut Schön sowie einige Vertreter saarländischer Vereine saßen, auch den ein oder anderen Ratschlag parat. Etwa auf die Frage, wie man bei der Nationalelf mit Niederlagen umgeht: "Die Analyse ist ganz wichtig. In Leistungssportlern ist verankert, dass Niederlagen dazugehören, es ist aber wichtig, danach einen Weg aufzuzeigen, wie man es besser machen kann." Der ehemalige Spieler von Bayern München und dem 1. FC Köln betonte zudem, dass die überall gefordert Fachkompetenz auch in der Trainerausbildung gefragt, aber sicher nicht der einzige Punkt ist. "Ohne Fachkompetenz kommt man nicht weit, aber das, was es dann ausmacht, ist die Sachkompetenz", betont Flick. "Es geht nicht darum, Trainer zu züchten. Es ist auch wichtig, wie man mit Menschen umgeht."

Der letzte Tipp von Hansi Flick bezieht sich auf ein anderes Thema: Wie schneidet Deutschland bei der EM ab? Zögern, dann die Einschätzung: "Natürlich gehen wir in das Turnier, um Europameister zu werden, aber auch andere Teams werden gut vorbereitet sein. Ich erwarte aber, dass wir eine gute EM spielen." Damit wären auch hier sicher alle einverstanden.