| 22:21 Uhr

Titel erkämpft
Von Gefühlen vollkommen überwältigt

Der erlösende Moment: Der Zweibrücker Jakob Styben hat sich am Samstagabend in Grevenbroich den EM-Titel im K1 erkämpft.
Der erlösende Moment: Der Zweibrücker Jakob Styben hat sich am Samstagabend in Grevenbroich den EM-Titel im K1 erkämpft. FOTO: Styben/Privat
Zweibrücken. Muaythai- und Kickboxer Jakob Styben aus Zweibrücken erkämpft sich den Europameistertitel im K1. Von Svenja Hofer

In diesem Moment fällt alles ab. Jakob Styben reckt die Fäuste in die Höhe, schreit seine Freude laut heraus. Nimmt die Glückwünsche seines Gegners im Ring vollkommen beseelt entgegen. Und kann auch zwei Tage später noch nicht richtig fassen, dass er gerade den Europameistertitel im K1 gewonnen hat. „Das muss ich erst noch sacken lassen, das dauert schon drei, vier Tage“, erklärt der Muaythai- und Kickboxer aus Zweibrücken gestern Vormittag.

Monatelang stand der 26-Jährige unter Hochspannung, bereitete sich gleich auf zwei besondere Saisonhöhepunkte vor. Bei der Muaythai-Weltmeisterschaft in Mexiko musste er mit dem frühen Aus Mitte Mai einen Rückschlag verkraften (wir berichteten). Doch auch dieser bremste Styben auf dem Weg zum nächsten großen Traum, dem EM-Titel der IKBF (International Kick Boxing Federation) im K1 nicht aus. Und genau diesen Traum hat er sich nun am Samstagabend beim „Clash of Gladiators 2“ in Grevenbroich erfüllt. Im Duell über fünf Mal drei Minuten behauptete sich Styben gegen den erfahrenen Spanier David Trallero Oliver.

Nach dem Wiegen am Freitag wurde es dem Schwergewichtskämpfer Jakob Styben zunächst allerdings etwas mulmig. Bis 91 Kilogramm reicht diese Klasse. Sein Gegner brachte jedoch 97 auf die Waage. „Dann also Superschwergewicht“, dachte sich Styben, der die Anzeige genau auf die 91 Kilogramm brachte. „Das ist schon ein Unterschied. Ich musste auf seine Schlagkraft aufpassen“, erklärt der Zweibrücker. Daher sei er den Kampf sehr strategisch angegangen. „Ich wollte dem Gegner erst einmal die Luft klauen und auf meine Chance warten, um einen guten Treffer zu setzen.“ Schnell habe Styben gemerkt, dass auch Oliver gut vorbereitet ist. „Eigentlich hätte ich den Kampf gerne durch K.o. beendet, aber man kann nichts erzwingen“, betont Jakob Styben. So musste es über die volle Kampfzeit von fünf Mal drei Minuten und demnach über die Punkte gehen. Was die Freude über den Titel allerdings kein bisschen mindert. „Ich bin super glücklich, es ist alles super. Aber es sind einfach noch so viele Gefühle von dem Kampf und den ganzen Reaktionen, die auf mich einströmen, in meinem Kopf“, ist Jakob Styben noch immer überwältigt. „Ich muss das alles erst einmal sacken lassen.“



Wie es dann sportlich für ihn weitergeht, kann der 26-Jährige, der in den vergangenen Jahren in und um Köln gelebt hat, noch nicht sagen. „Es haben sich viele Dinge neu ergeben, mal sehen, wohin sie sich entwickeln.“ So hat er sich von seinem bisherigen Trainer getrennt. Bei seinem holländischen Club steht er allerdings noch unter Vertrag und muss laut diesem in diesem Jahr auch noch einen Kampf bestreiten. Voraussichtlich im September. Was danach kommt? „Keine Ahnung. Es wird auf jeden Fall weitergehen. Ich habe auch Kontakte in die Ukraine, nach Thailand – ich kann es derzeit einfach noch nicht sagen“, betont Jakob Styben und will sich derzeit auch keine all zu großen Gedanken machen – sondern erst einmal den EM-Titel „vollauf genießen“.

Jakob Styben (re.) voll in seinem Element: Den Sieg gegen David Trallero Oliver hat er sich hart erarbeitet.
Jakob Styben (re.) voll in seinem Element: Den Sieg gegen David Trallero Oliver hat er sich hart erarbeitet. FOTO: Styben/Privat