| 00:00 Uhr

Von einer Zitterpartie zum Erfolgsmodell

Zweibrücken. Die VT Zweibrücken hat vor 20 Jahren Neuland betreten und ein eigenes Fitness-Studio „Trimini“ im Untergeschoss der Festhalle eingerichtet. Morgen feiert es sein 20-jähriges Bestehen. Merkur -Redakteur Werner Kipper unterhielt sich mit dem VTZ-Präsidenten Otto Graßhoff.

Herr Graßhoff, die VTZ hat vor 20 Jahren unter dem Vorsitz Heinrich Gaufs und Ihnen als Stellvertreter ein Pilotprojekt mit dem vereinseigenen Fitness-Studio "Trimini" gestartet. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Otto Graßhoff: Nach zwanzig Jahren können wir feststellen: Das Fitness-Studio begann mit einer Zitterpartie, hat sich dann aber prächtig entwickelt. Das gilt sowohl für die Mitgliederzahl, die inzwischen deutlich über 400 liegt, als auch für die Ausstattung. Die Trainingsfläche wurde in den Jahren 2006 bis 2008 fast verdoppelt, der Gerätepark erneuert. Was unser Studio besonders auszeichnet, ist die familiäre Atmosphäre. Viele Kunden kennen sich vom Verein, es wird geplaudert und geflachst.

Der Verein musste allerlei Widerstände im Vorfeld beseitigen. Hat sich der Sturm der Entrüstung bei den kommerziellen Anbietern gelegt?

Graßhoff: Richtig geknallt hat es eigentlich nie. Was die kommerziellen Studios stört, sind die Landeszuschüsse, die gemeinnützige Vereine erhalten, so auch die VTZ für den Studio-Bau. Das Verhältnis ist immer noch ein friedliches. Die Studios in verschiedenen Ausprägungen versuchen, durch Leistung und Kundenfreundlichkeit zu überzeugen. Es kommt durchaus vor, dass Mitarbeiter der kommerziellen ins Trimini wechseln, seltener auch umgekehrt.

Beim Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen der VTZ lautet das Motto: "Alt geworden - jung geblieben". Steht das "Trimini" auch dafür, dass ein Verein ständig innovativ tätig ist?

Graßhoff: Nicht alle "Neuerungen", die von den USA nach Europa herüberschwappen, halten einer kritischen Prüfung stand. Durch bombastische Formulierungen verbergen sie die inhaltliche Leere. Die Idee der Fitnessstudios, die auf die 1950er Jahre zurückgeht, gehört ohne Zweifel nicht zu diesem Firlefanz. Sie haben das Bewegungsangebot für Bürger gewaltig erhöht. Jeder kann nach Lust und Laune, bei Wind und Wetter, in den Morgenstunden oder am späten Nachmittag trainieren. Er kann sich mit Freunden treffen; er kann aber auch ganz allein seine Gerätebahnen ziehen.

Sind Ihre Pläne mit der Angebotserweiterung durch das "Trimini" aufgegangen?

Graßhoff: Die Erwartungen bei der Eröffnung des Studios haben sich voll erfüllt. Das sportliche Angebot wurde beachtlich erweitert. Die Mitgliederzahlen sanken in den vergangenen Jahren nicht so dramatisch wie in einigen anderen Vereinen.

Wenn Sie die Entwicklung der Mitgliederzahlen zurate ziehen, welche Auswirkungen hat das "Trimini" nach sich gezogen?

Graßhoff: Wegen der vom Land gewährten Zuschüsse dürfen im Trimini nur Vereinsmitglieder trainieren. Wenn man die Kurve der Mitgliederzahl betrachtet, fällt auf, dass von 1994 an die Zahl sprunghaft in die Höhe schoss. Der Höchststand um die Jahrtausendwende konnte nicht gehalten werden, da um diese Zeit eine allgemeine Abwärtsbewegung einsetzte. Dass sie bei der VTZ nicht so deutlich ausfiel, ist sicher hauptsächlich dem Trimini geschuldet.

Welchen Anforderungen muss sich ein modernes Fitness-Studio wie das "Trimini" im Wettbewerb mit den kommerziellen Einrichtungen unterwerfen?

Graßhoff: Ein modernes Studio muss eine gemütliche Sauna mit Ruhe- und Kaltraum enthalten. Ganz wichtig sind Umkleideräume und sanitäre Anlagen. Offensichtlich haben sich die Solarien überholt. Die VTZ hat deshalb ihres aufgelöst und einen Massageraum eingerichtet. Der Gerätepark muss sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining ermöglichen. Bei den einzelnen Geräten empfiehlt es sich, verschiedene Spielarten anzubieten, etwa bei Crosstrainern. Am allerwichtigsten für ein modernes Studio ist die personelle Besetzung. Die Kunden erwarten einen fachlich perfekt ausgebildeten Trainer und freundliche Thekenkräfte und Helfer. Daraus ergibt sich, dass sich alle Beschäftigten aufgeschlossen und einladend gegenüber den Kunden verhalten müssen. Wenn dann die Gemütlichkeit einer Sitzecke zum Verweilen einlädt, kann mit dem Studio kaum noch etwas schiefgehen.

Sie haben vor einigen Jahren den Gerätepark verändert. Orientiert sich ein Verein bei der Geräte-Anschaffung auch nach Anregungen seiner Mitglieder?

Graßhoff: Da unsere Trainer die Geräte selbst nutzen, sammeln sie eigene Erfahrungen. Diese werden kombiniert mit den Anregungen der Kunden . Ein Beispiel: die Laufbänder . Das Trimini-Team hat sich lange gegen diese Anschaffung gewehrt. Laufen sei draußen in der Allee an der frischen Luft mit lockeren, raumgreifenden Schritten sinnvoller als auf einem Band. Aber die Kunden ließen nicht locker, sodass auch im Trimini zwei Laufbänder aufgestellt wurden. Für die Mitglieder gehört es zur Grundausstattung.

Diplom-Sportlehrer Dominik Hartmann ist schon seit Jahren ein bewährter Studio-Leiter. Ist eine professionelle Führung bei der Betreuung unerlässlich?

Graßhoff: Wegen der großen Verantwortung für die Gesundheit der Kunden muss der Trainer sein Handwerk verstehen. Es muss nicht unbedingt ein Diplom-Sportlehrer sein wie Raphael Röhlinger (1. Leiter von 94-99) oder Dominik Hartmann (seit 2004). Bernhard Isenberg (2. Leiter von 99 bis 2004) hat als Fitnessfachwirt seine Sache ebenfalls gut gemacht. Der jetzige Leiter hat noch eine Vielzahl von Zusatzausbildungen erworben, von Senso Fit über Yoga bis zu Herzsport. Vielseitigkeit ist eine wichtige Voraussetzung.

Bieten Sie weitere gesundheitsfördernde Maßnahmen an? Arbeiten Sie mit Krankenkassen ?

Graßhoff: Der große Vorteil eines vereinseigenen Studios ist, dass Kurse von Mitgliedern kostenlos belegt werden können. Angeboten werden etwa Wirbelsäulen-Gymnastik, Pilates, Qi Gong, Senso Fit, Schwer Fit, Sport nach Krebs, Herzsport, Osteoporose-Vorsorge, Zumba, Aerobic. Die Zusammenarbeit mit Krankenkassen gehört zum Tagesgeschäft. Der von den Kassen geförderte Rehasport hat großen Zulauf beschert.

Viele Sportbegeisterte scheuen die Mitgliedschaft in Vereinen, wollen sich lieber individuell ohne Bindung betätigen. Ist Ihnen mit dem "Trimini" dieser Spagat zwischen Mitgliedschaft bei der VTZ und Beibehaltung der Individualität gelungen?

Graßhoff: Viele Menschen lieben ihre Individualität über alles. Da ist jeder Spagat zum Scheitern verurteilt. Aber es gibt auch einige, die offen sind. Sie schauen sich den "Betrieb" an und merken, dass die Vereinsmenschen durchaus schon etwas von Stanislaus Leszcynski, Schloss Karlsberg und Ignaz Roth gehört haben, freunden sich mit dem einen oder anderen an und verlieren ihre Vorurteile gegenüber den "Vereinsmeiern". Im Idealfall bleiben sie im Verein, auch wenn sie im Trimini nicht mehr trainieren.

Trainieren Sie selbst im "Trimini"?

Graßhoff: Als ehemaliger 400-Meter-Läufer bin ich kein Indoor-Sportler. In der Regel gehe ich dreimal pro Woche in den Wald und jogge etwa vier Kilometer. Einmal pro Woche geht's ins Trimini, um Muskeln und Sehnen zu festigen.