| 22:10 Uhr

Tischtennis-Oberliga Herren
Der etwas andere Regionalligist

 Die Regionalliga-Tischtennisspieler vom TV Limbach in der Besetzung (v. l.) Nikola Grujic, Matthias Hübgen, Sebastian Kurfer, Aleksandar Grujic, Christian Schleppi und Christoph Wagner.
Die Regionalliga-Tischtennisspieler vom TV Limbach in der Besetzung (v. l.) Nikola Grujic, Matthias Hübgen, Sebastian Kurfer, Aleksandar Grujic, Christian Schleppi und Christoph Wagner. FOTO: Markus Hagen
Limbach. In der Tischtennis-Regionalliga der Männer geht in der Regel nichts ohne gestandene Spieler aus dem Ausland. Der TV Limbach geht einen anderen Weg – auch wenn der Klassenerhalt deshalb Utopie bleiben wird. Von Markus Hagen

Elf Spiele – elf Niederlagen! Was sich für Sportler wie eine desaströse Bilanz anhören muss, war für die Tischtennisspieler vom TV Limbach nicht nur zu erwarten – sondern kaum zu vermeiden. Denn in der Tischtennis-Regionalliga geht keine Mannschaft ohne Verstärkungen aus dem Ausland an die Platte. Selbst der Drittletzte TTC Wehrden fliegt zu seinen Spielen den Litauer Arnoldas Domeika und den Briten Shayan Siraj ein, um konkurrenzfähig zu sein.

Anders der TV Limbach, der mit seiner Aufstiegsmannschaft an den Start geht – und deshalb ohne Punkt auf dem letzten Tabellenplatz liegt. Und daran wird sich bis Saisonende vermutlich auch nichts ändern. „Es war uns schon vor dem Saisonstart bewusst, dass wir mit dieser Mannschaft keine Chance haben, überhaupt an den Klassenerhalt zu denken“, erklärt Limbachs Kapitän Christian Schleppi.

Nach dem Aufstieg aus der Oberliga in der Vorsaison hatten Spieler und Verantwortliche des TVL lange nachgedacht, ob der Schritt in die Regionalliga überhaupt gewagt werden solle. „Wir haben viele junge und vielversprechende Spieler in der Mannschaft. Für die die Regionalliga aber noch zu stark ist“, so Schleppi. Der 41-jährige Routinier spielt nun in seiner 28. Saison beim TVL. Er erklärt: „Unsere jungen Spieler waren aber dafür, aufzusteigen. Der Lerneffekt ist in der Regionalliga für sie sehr wichtig. Auch wenn sie oft als Verlierer die Platten verlassen.“



Mit Sebastian Kurfer und Aleksandar Grujic, beide 17 Jahre alt, sowie dem erst 15-jährigen Matthias Hübgen sind drei von sechs Akteuren noch nicht volljährig. Dazu kommt der 18-jährige Nikola Grujic. „Die Weiterentwicklung ist mir äußerst wichtig. Und da bringt die Regionalliga mir persönlich mehr als die Oberliga“, erklärt Hübgen.“ Er selbst kann mit seiner Bilanz äußerst zufrieden sein. Von 16 Spielen hat er sieben gewonnen. Gegen ältere und erfahrenere Spieler.

 Woche für Woche an der Platte zu stehen und in der Endabrechnung – zumindest bislang – stets zu verlieren, lässt die Limbacher nicht verzagen. Er müsse sein Team im Vorfeld der Partien nicht extra motivieren, versichert Spielführer Schleppi. An kleinen Erfolgen, wie einem gewonnenen Einzel, Satz oder Ballwechsel könne sein Team wachsen. Auch wenn das in der Endabrechnung noch nie zu einem Gesamtsieg gereicht hat. Das soll sich in den verbleibenden sieben Partien bis zum Saisonende ändern. “Wir wollen nicht ohne Punkt wieder zurück in die Oberliga. Einen Zähler wollen wir holen.“ Mehrmals hat der TVL in der laufenden Runde schon an einem Punktgewinn geschnuppert. Drei recht knappe 6:9-Niederlagen stehen bislang zu Buche. Unter anderem gegen den Tabellendritten SV Plüderhausen.

Möglichkeiten rechnet sich Schleppi noch im Saar-Derby zuhause gegen den Tabellenachten TTC Wehrden und auch den Siebten FT Freiburg aus.

Am letzten Wochenende wurde aus dem Punktgewinn aber nichts. Im Gegenteil. Einmal mehr wurde deutlich, dass den Limbachern mit ihrem regionalen Kader in der Spielklasse die Rolle eines Paradiesvogels zukommt. Sowohl am Samstag auswärts beim Sechsten FSV Mainz 05 II als auch am Sonntag im Heimspiel gegen den Zweiten TTC Bietigheim-Bissingen kassierte das Team die Höchststrafe. 0:9.

Schon im Vorfeld des Heimspiels gegen Bietigheim herrschte im Nebenraum der Sporthalle der Limbacher Grundschule reges Treiben. Flott flog der kleine weiße Zelluloidball beim Einspielen hin und her.Schleppi trug geschäftig Tische und Ergebnistafeln für die Schiedsrichter zu den Platten und schien zunächst eher Ausrichter und Organisator der Regionalligapartie als ein aktiver Teilnehmer.

Als die Limbacher dann ihren Gegnern gegenüberstanden und die Punkte gezählt wurden, zeichnete sich rasch ab, dass der TVL auch an diesem Sonntag ohne Chance bleiben würde. In den drei Doppeln zum Auftakt gewann der TVL keinen einzigen Satz. Wieder mussten die Spieler ihren Mut für die Restsaison aus den kleinen Dingen ziehen. Und die gab es durchaus. Christoph Wagner etwa verlor seine Partie gegen Mats Sandell erst im Entscheidungssatz, nachdem er zwei der ersten drei Durchgänge für sich entschieden hatte. Auch Nikola Grujic lag gegen Jeremy Löffler mit 2:1 nach Sätzen in Führung – doch am Ende teilte er das Schicksal von Wagner.

„Wir müssen noch viel lernen, das ist uns bewusst“, sagt Schleppi, der es nicht schlecht findet, dass die Oberliga in zwei Jahren auf Vierer-Teams umgestellt wird. „Das könnte ein Vorteil für uns sein. Es ist nicht immer leicht, sechs Spieler für eine Mannschaft zusammenzustellen.“

Vorerst geht es in der Regionalliga Südwest aber mit Sechser-Teams weiter. Weil die Konkurrenz teilweise bis zu zwei Spiele weniger auf dem Konto hat, hat der Aufsteiger nun zunächst eine längere Pause. Erst am Samstag, 15. Februar, geht es für den TVL um 17.30 Uhr zu Hause gegen den FT Freiburg wieder um Punkte.

Und selbst wenn die Limbacher dann am Ende wieder mit leeren Händen dastehen: Sie werden ihre Zuversicht erneut aus den kleinen Dingen ziehen – und dabei jede Menge Erfahrung sammeln.