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Hawaii-Start sicher
Mit großem Risiko den Jackpot geknackt

Perfekt gelaufen ist die Saison für Triathlet Oliver Spurzem: Frühzeitig hat er die Quali für Hawaii 2019 gesichert.
Perfekt gelaufen ist die Saison für Triathlet Oliver Spurzem: Frühzeitig hat er die Quali für Hawaii 2019 gesichert. FOTO: Spurzem
Zweibrücken. Triathlet Oliver Spurzem hat zwei WM-Qualifikationen auf einen Schlag gesichert. Der Zweibrücker lieferte bei der Ironman-Halbdistanz in Kalifornien ein überragendes Rennen und hat damit den vierten Start beim legendären Ironman auf Hawaii 2019 bereits in der Tasche. Von Svenja Hofer

Dass sich ein Triathlet auf Qualen einstellen muss, darauf ist er vorbereitet. Dass Oliver Spurzem beim Halbdistanz-Ironman am Imperial Beach in Kalifornien Risiko gehen muss, um einen der wenigen Slots für Hawaii 2019 zu ergattern, hat er gewusst. „Darauf war ich eingestellt.“ Nicht aber auf die Größe des Wagnisses, auf die Gefahr, die sich dahinter verbarg.

Am Ende der 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 auf dem Rad und 21,2 auf der Laufstrecke ist der Zweibrücker abgekämpft, körperlich am Ende – aber überglücklich. Top Ten in der Gesamtwertung, Platz zwei in der Altersklasse (40 bis 49). „Ich weiß nicht, wie ich beschreiben soll, was ich da geschafft habe. Aber ich bin sehr sehr zufrieden damit.“ Selten Worte aus dem Mund des ehrgeizigen Athleten. Auf einen Schlag hat der Stabsfeldwebel des Fallschirmjägerregiments 26 mit der starken Leistung in den USA die Qualifikation für die Halbdistanz-WM 2019 in Nizza (Frankreich) sowie die Ironman-WM auf Hawaii abgehakt. „Es passiert wirklich selten, dass ich bei solchen Dingen sprachlos bin, aber zwei Mal WM ist schon geil.“

Was er dafür allerdings leisten musste, „war nicht ganz normal“. Die Schwimmstrecke in dem Rennen, das vor 40 Jahren von den Navy Seals als harte Vorbereitung für Hawaii erfunden worden war, hatte es in sich. „Die drei, vier Meter hohen Wellten in dem recht kühlen Pazifikgewässer sind das krasseste und gefährlichste, was ich bisher erlebt habe“, blickt Spurzem noch immer ehrfürchtig zurück. „Ich bin ja echt schwer zu beeindrucken, aber das ist fast unverantwortlich.“ Vor allem mit Blick auf die eher unerfahrenen Athleten, die am Start waren. So wurden auch nicht alle im Wettkampf von Unfällen verschont. Einige mussten aus dem Wasser gerettet werden, andere verzichtete beim Anblick der Wellen und Strömung lieber ganz auf das Vergnügen. „Beim Schwimmtraining bin ich selbst von einer solchen Welle erfasst worden und war unter Wasser völlig hilflos“, erzählt Spurzem. Im Wettkampf stürzte er sich jedoch ohne Angst – „die darfst du hier nicht haben“ – in die Fluten und meisterte die zwei Runden mit großer Konzentration und cleverer Taktik.



Relativ harmlos in dem ansonsten so „brutalen Rennen“ erschien die Radstrecke. Auf dem windanfälligen Highway vor den Toren San Diegos konnte Spurzem ordentlich „ballern“. Noch einmal alles reinwerfen, um einen der Militärslots für Hawaii zu erkämpfen, war dann auf der Laufstrecke der etwas anderen Art angesagt. Im Wechsel führten die 21,2 Kilometer über Strandsand und Asphalt. „Ich wusste, ich muss auch unter diesen Bedingungen den Halbmarathon in 1:30 Stunde laufen.“ So machte der Zweibrücker auf den Straßenabschnitten ordentlich Tempo. „Aber auch im Sand ging es recht gut – die Beine waren da.“ Die Gegner im Kampf um die WM-Quali immer im Blick, erreichte Oliver Spurzem schließlich als Zweiter seiner Klasse das Ziel. Und durfte über die vorzeitige Hawaii-Quali jubeln. Ein starker Abschluss, eines sehr abwechslungsreichen Jahres.

„Dass dieses so gut laufen würde, war nicht abzusehen“, sagt der 41-Jährige, der diese Saison dieses Mal ganz anders angegangen war, zufrieden. Nach dem für den Langdistanz-Spezialisten ungewöhnlichen Kurzdistanz-Training mit der Bundeswehr-Nationalmannschaft ließ es sich zunächst schwer an. Vor allem beim Laufen. In dem Testrennen in Holland vor der Militär-WM über die Kurzdistanz in Schweden haderte Spurzem im Juni noch mit seiner Paradedisziplin. Eine erste Erleichterung war nach dem Bronze-Coup zum Saisonhöhepunkt zu spüren. Nach einem weiteren kurzfristigen Rennen mit dem Nationalteam in Luxembourg legte der Zweibrücker den Schalter auf Mitteldistanz um, absolvierte mit dem Triathlon Alpe d’Huez einen ersten „verrückten“ Wettkampf. Um nun in Kalifornien groß aufzutrumpfen.

„In diesem Jahr war ich so viel unterwegs – das hat sich fast schon nach Profi angefühlt. Rundreisen auf der ganzen Welt, um dort Triathlon zu machen. Ich lebe da gerade meinen Traum“, blickt Spurzem auf die vergangenen Monate zurück. „Das Ganze funktioniert allerdings nur, weil ich von der Bundeswehr so megamäßig unterstützt werde“, ist Spurzem durchaus bewusst.

Darauf wird der 41-Järige auch im kommenden Jahr angewiesen sein: Als Bestätigungs-Wettkampf strebt Spurzem den Start beim Lanzarote-Ironman im Mai an. „Aber ich habe keinen Stress. Wenn es nicht gut läuft, kann ich mir sagen: Egal, ich hab das Ticket für Hawaii ja schon in der Tasche“, sieht er der nun einjährigen Vorbereitung für Kona vollkommen entspannt entgegen. Die Herausforderung wird sein, sich im Winter in Deutschland auf einen frühen Ironman im Mai vorzubereiten. „Aber das muss einfach klappen“, betont Spurzem. Ebenso wie das große Ziel, auf Hawaii im vierten Anlauf endlich die Zeit unter zehn Stunden zu knacken. Dafür muss in der unfassbaren Hitze in Kona alles passen: Form, Material, Akklimatisierung des Körpers. Auf all das will sich Spurzem vorbereiten. „So etwas plant sich leichter, wenn du die Quali schon im Sack, den Jackpot schon geknackt hast.“