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Traumfinale in Wimbledon

London. In Wimbledon hat Federer die nächste Gelegenheit, sich in die Geschichtsbücher zu schreiben. Der Schweizer trifft im Finale am Sonntag auf Djokovic. Auf dem Centre Court wird auch wieder Boris Becker mitfiebern. Dpa-Mitarbeiterinkristina Puck

Boris Becker bangte. Drei Stunden lang. Nach einer Achterbahnfahrt durch alle Höhen und Tiefen seiner Tenniskunst erlöste Novak Djokovic sich und seinen Trainer und zog ins Finale von Wimbledon ein. Dort trifft der topgesetzte Serbe am Sonntag (15 Uhr/Sky) auf den wiedererstarkten Rekordchampion Roger Federer , der auf dem Heiligen Rasen nach seinem historischen achten Titel greift.

Djokovic und Federer wehrten im Halbfinale des bedeutendsten Tennisturniers der Welt den Ansturm der Jungen ab. Djokovic setzte sich gegen den 23 Jahre alten Bulgaren Grigor Dimitrow 6:4, 3:6, 7:6 (7:2), 7:6 (9:7) durch. Federer entzauberte Aufschlagriese Milos Raonic aus Kanada nach einer beeindruckenden Leistung mit 6:4, 6:4, 6:4 und gilt nun als Favorit.

Das bislang einzige Duell mit Djokovic auf Rasen hatte der Maestro 2012 im Halbfinale von Wimbledon für sich entschieden, wenig später holte Federer seinen 17. und bisher letzten Grand-Slam-Titel. Es war gleichzeitig sein siebter Triumph im Rasen-Mekka. "Novak ist ein großer Champion, er hat hier auch schon gewonnen", sagte Federer: "Wir spielen oft und fast immer gut gegeneinander."

Boris Becker , selbst dreimaliger Wimbledonsieger, pustete derweil nach Djokovics Viersatz-Krimi auf dem Centre Court sichtbar durch. Er gab zu, während der Partie ein "nervliches Wrack" gewesen zu sein. Spielerisch wusste Djokovic in Beckers Wohnzimmer nämlich kaum zu überzeugen, der aggressivere und auch variablere Spieler war Dimitrow, der zuvor bereits Titelverteidiger Murray aus dem Turnier geworfen hatte. "Heute kam es darauf an, wer die wichtigen Punkte gewinnt. Das hat Novak meistens gut gemacht", analysierte Becker später.

Das Gespräch mit seinem Schützling musste allerdings warten. "Er hat mir nach dem Spiel gratuliert und gesagt: Wir müssen später reden", erzählte Djokovic, der im vierten Durchgang vier Satzbälle abgewehrt hatte: "Zuerst wusste ich nicht, was los ist, dann habe ich auf den Fernseher geschaut." Becker verschob die Match-Analyse, um das WM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Frankreich zu sehen.

Djokovic freute sich indes auf sein drittes Finale im All England Club nach 2011 und 2013. Vor drei Jahren hatte er zum ersten und bislang einzigen Mal den Titel in Wimbledon gewonnen, seit 18 Monaten wartet der 27-Jährige allerdings auf seinen siebten Grand-Slam-Sieg. "Nach den Niederlagen in den vergangenen Endspielen, ist das eine große Herausforderung für mich", sagte Djokovic, der vor vier Wochen im Finale der French Open an Rafael Nadal gescheitert war.

Am Sonntag muss sich Djokovic gegen Rasenkönig Federer steigern, um eine Chance auf den Erfolg zu haben. Der 32-Jährige widerlegte in seinen sechs Spielen bis zum Finale seine Kritiker, die ihm seit einigen Jahren schon das Karriereende nahelegen. Federer gab nur ein einziges Aufschlagspiel im bisherigen Turnierverlauf ab.

"Ich habe heute unglaublich effektiv gespielt", sagte Federer, der drei seiner sieben Breakchancen verwandelte: "Ich bin extrem glücklich, hier wieder im Finale zu sein."