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Tolle Perspektive gibt Ausschlag für Wechsel

 Vor zweieinhalb Jahren hat Martin Schwarzwald das Frauenteam des SV 64 übernommen. Foto: mw/pmz
Vor zweieinhalb Jahren hat Martin Schwarzwald das Frauenteam des SV 64 übernommen. Foto: mw/pmz FOTO: mw/pmz
Zweibrücken. Stetig nach oben ging es für die Handball-Frauen des SV 64 Zweibrücken in den zurückliegenden Jahren unter Trainer Martin Schwarzwald. Derzeit liegen die Damen in der Oberliga auf Rang zwei. Nach der Runde wird Schwarzwald den Verein jedoch verlassen, er wechselt zum Frauen-Bundesligisten Bensheim/Auerbach. Über diese Entscheidung, die Entwicklung des Frauenhandballs beim SV 64 und die laufende Saison unterhielt sich der Trainer mit Merkur -Redakteurin Svenja Kissel.

Herr Schwarzwald , in der laufenden Oberliga-Runde mussten sich die SV64-Frauen nur Spitzenreiter Bascharage und Verfolger Bassenheim geschlagen geben. Damit belegt Ihr Team Platz zwei. War damit vor der Runde zu rechnen?

Martin Schwarzwald : Nach der hervorragenden vergangenen Runde war die Situation vor dieser Saison schwierig einzuschätzen. Wir hatten und haben aber immer den Anspruch, zu den besseren Oberligateams zu gehören - und haben das durch gute Leistungen auch bestätigt.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Schwarzwald : Unterm Strich denke ich, dass wir mit den gezeigten Leistungen zufrieden sein können und zurecht auf dem zweiten Platz stehen. Wie die Mannschaft in den Spielen gegen Ottersheim-Bellheim-Zeiskam, Püttlingen, Mainz und Mainz-Bretzenheim nach schwächeren Phasen noch mal zurückgekommen ist, hat mir besonders imponiert. Aber natürlich gibt es auch immer Dinge, mit denen ich nicht zufrieden bin und an denen wir noch arbeiten können.

Drittliga-Absteiger Bascharage ist bereits auf vier Punkte weg, ist der zweite Rang damit das oberste Ziel oder was haben Sie sich für den Rest der Runde vorgenommen?

Schwarzwald : Da wir vor der Runde nicht die Meisterschaft als Ziel ausgegeben haben, ist der Abstand auf Platz eins eher zweitrangig. Wir wollen die bestmögliche Mannschaft sein, die wir sein können. Das bedeutet, dass wir in jedem Spiel als Sieger vom Platz gehen wollen und dementsprechend viel investieren. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass wir in der Hinrunde gegen viele starke Teams zuhause gespielt haben. Es steht also noch eine schwierige Rückrunde mit hohen Auswärtshürden bevor.

Nach drei Jahren bei den Damen steht dann Ihr Abschied bevor, wo zieht es Sie hin?

Schwarzwald : Ich habe ein Angebot der HSG Bensheim /Auerbach angenommen und werde ab dem 1. Juli Co-Trainer des Bundesliga-Teams, Trainer der Juniorinnen und ähnlich wie in Zweibrücken den weiblichen Nachwuchs koordinieren.

Sehen Sie dieses Angebot als Bestätigung Ihrer guten Arbeit in Zweibrücken?

Schwarzwald : Die hervorragende letzte Saison mit den Damen und den B-Mädchen hat sicher großen Anteil daran, dass man auf mich zugekommen ist. Der weibliche Bereich hat in den letzten Jahren eine hervorragende Entwicklung genommen und ich kann mich glücklich schätzen, dass so viele engagierte Mädchen, Eltern und Jugendtrainer diesen Weg ermöglicht haben.

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Schwarzwald : Der SV 64 hat sich in den letzten Jahren rasend entwickelt, sowohl im männlichen als auch im weiblichen Bereich. Wir haben leider im Frauenbereich kaum finanziellen Spielraum, der es uns ermöglichen würde, noch mal einen großen Schritt nach vorne zu machen. Ich glaube aber fest daran, dass man im Jugendbereich langfristig eine Größe im RPS-Bereich werden kann und, dass der SV 64 noch länger von den kommenden Talenten zehren kann. Bei den Flames komme ich in eine andere Umgebung. Der Frauenhandball steht an erster Stelle und wird dementsprechend gefördert. Die Verknüpfung zwischen Bundesligateam und Nachwuchs soll intensiviert werden. Der Verein möchte in naher Zukunft ein Internat für talentierte Spielerinnen schaffen. Das sind ganz andere Möglichkeiten und machen die Aufgabe sehr reizvoll.

Sie waren nun lange Jahre beim SV 64 in der Jugend und bei den Damen tätig. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen?

Schwarzwald : Sehr schwer. Das Projekt SV 64 ist noch lange nicht abgeschlossen und ich hätte mir gut vorstellen können noch viele weitere Jahre Teil davon zu sein. Letztendlich gaben die hervorragende Perspektive und mein eigener Ansporn den Ausschlag für die Flames.

Gibt es aus den Jahren beim SV 64 einen Moment, an den Sie sich besonders gerne erinnern?

Schwarzwald : Ich erinnere mich regelmäßig an die Meisterschaft mit den C-Juniorinnen 2012. Es war der ersten Titel im weiblichen Bereich nach langer Durststrecke und niemand hatte den SV 64 auf der Rechnung. Wir haben drei Jahre in den unteren Ligen Aufbauarbeit geleistet und konnten kaum Talente für uns begeistern. Mit dem Titel waren wir plötzlich auf der Bildfläche und haben uns in den beiden folgenden Jahren zur treibenden Kraft in der Saarpfalz entwickelt. Die Teilnahme am Final Four der Deutschen Meisterschaft im letzten Jahr war überragend und die größtmögliche Bestätigung für die hervorragende Entwicklung im Jugendbereich.

Wieder zur laufenden Runde. Mit Elisa Burkholder hatte eine wichtige Spielerin die Mannschaft im Sommer verlassen. Wie hat es der SV 64 geschafft, diese Lücke zu schließen?

Schwarzwald : Wir haben es einfach akzeptiert. Wir haben mit Beginn der Vorbereitung ganz selbstverständlich andere Lösungswege entwickelt. Joline hat sicher noch mal eine Schippe draufgelegt und übernimmt viel Verantwortung, aber vor allem über die Außenpositionen werfen wir in dieser Saison viel mehr Tore.

Welche Spielerinnen haben Ihrer Ansicht nach in dieser Runde den größten Schritt gemacht?

Schwarzwald : Insgesamt glaube ich, dass nahezu alle ihr Spiel auf die nächste Ebene gebracht haben und eine gute Entwicklung nehmen. Müsste ich mich auf einzelne beschränken, wären das Marion Weick und Lara Schlicker. Marion hat bis zu ihrem Ausfall Anfang Dezember hervorragend gespielt. Obwohl sie zu den erfahrensten Spielerinnen gehört, hat sie sich noch mal neu erfunden. Ihr Wurfrepertoire ist vielfältiger geworden und auch ihre Führungsqualitäten haben sich klar verbessert. Bei Lara fand ich beeindruckend, wie sie in die Saison gestartet ist. Durch den Ausfall von Amelie Berger war die Rechtsaußenposition dünn besetzt und Lara hat als Jugendspielerin Topleistungen gezeigt. An ihr wird der Verein hoffentlich noch lange Spaß haben.

Was zeichnet Ihre Mannschaft in der laufenden Saison aus?

Schwarzwald : Wir haben einen guten "Spirit". Die erfolgreiche letzte Saison hat eine Siegermentalität entwickelt, durch die das Team auch mal schwierige Phasen überstehen kann. Dazu spielen wir bislang ein gutes Tempo und können von allen Positionen zu jeder Zeit ein Tor erzielen. Bezeichnend dafür ist, dass die Mannschaft extrem gut spielt, wenn Joline durch eine Manndeckung rausgenommen wird. In den ersten Saisonspielen haben das alle Teams probiert. Mittlerweile greifen die Gegner kaum noch zu diesem Mittel, weil sie die Gefahr dahinter erkennen.

Was kann das Team noch besser machen?

Schwarzwald : Wir müssen uns in der Deckung verbessern. Sicher sind die vielen Gegentore auch dem hohen Tempo und der steigenden Zahl von Angriffen, die wir verteidigen müssen, geschuldet, aber insgesamt haben wir gegenüber dem letzten Jahr einen Rückschritt gemacht. Hier merken wir den Abgang von Elisa sicher am deutlichsten. Sie hatte viel Qualität, wenn es darum ging, den Spielfluss des Gegners zu stören, was in unserem Abwehrsystem von elementarer Bedeutung ist.

Was wünschen Sie dem Damenhandball beim SV 64 für die Zukunft?

Schwarzwald : Dass die Entwicklung weiter geht - sportlich, aber vor allem auch wirtschaftlich. Ich wünsche mir auch, dass sich weiterhin junge Talente ganz bewusst für den "Zweibrücker Weg" entscheiden. Wir haben auch im Trainerbereich viel Talent und ich denke, dass junge Mädchen in hier eine gute Perspektive finden. Wenn die Damen mittelfristig den Aufstieg in die 3. Liga realisieren könnten, wäre das ein weiterer wichtiger Schritt, um die besten Eigengewächse auch länger an den Verein zu binden.

 Nicht immer konnte Mirko Schwarz in dieser Runde mit der Leistung seiner VTZ-Handballer zufrieden sein. Der Trainer hatte aber auch mit großen Personalsorgen zu kämpfen. Foto: cos/pma
Nicht immer konnte Mirko Schwarz in dieser Runde mit der Leistung seiner VTZ-Handballer zufrieden sein. Der Trainer hatte aber auch mit großen Personalsorgen zu kämpfen. Foto: cos/pma FOTO: cos/pma