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WSF Zweibrücken
„Glücklich, stolz – aber einfach nur platt“

  Starkes Team: Timo Sorgius (2.v.l.) schwamm beim European Youth Festival in Baku mit der deutschen 4x100-Meter-Freistilstaffel im Mixed an der Seite von (v.l.n.r.) Chiara Klein, Manuel Kohlschmid und Amelie Zachenhuber zur Bronzemedaille (...)
Starkes Team: Timo Sorgius (2.v.l.) schwamm beim European Youth Festival in Baku mit der deutschen 4x100-Meter-Freistilstaffel im Mixed an der Seite von (v.l.n.r.) Chiara Klein, Manuel Kohlschmid und Amelie Zachenhuber zur Bronzemedaille (...) FOTO: DSV
Zweibrücken. Vom Europafestival zur DM: Schwimmer Timo Sorgius von den WSF Zweibrücken hatte zuletzt volles Programm. Doch die Strapazen haben sich gelohnt. Von Mirko Reuther

Als Timo Sorgius in der Nacht auf vergangenen Montag wieder in seiner Heimat Konstanz ankam, hatte der junge Schwimmer der Wassersportfreunde (WSF) Zweibrücken binnen weniger Tage über
10 000 Kilometer Flugstrecke zurückgelegt, 13 Rennen bei zwei Großveranstaltungen geschwommen – und dabei drei Medaillen gewonnen. „Glücklich, stolz – aber einfach nur platt“, sei er jetzt, berichtet der 16-Jährige nach seiner Ochsentour zwischen Saarbrücken, Konstanz, Baku und Berlin.

In der Bundeshauptstadt hatte Sorgius letzte Woche an der Deutschen Meisterschaft teilgenommen. In Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, am    European Youth Olympic Festival, einem Multisportevent, das den Charakter einer Jugendolympiade besitzt. „Tolle Erfahrungen“, habe er sammeln können und viele Eindrücke gewonnen, die er „erstmal sacken lassen“ müsse. Aber vor allem freue er sich darauf, „einfach mal auszuschlafen.“ Ein wenig Entspannung also für den Nachwuchsschwimmer – zumindest bis für ihn in zwei Wochen wieder die Schule im saarländischen Dudweiler beginnt.

Kräftezehrend waren die beiden Top-Turniere für Sorgius. Aber erfolgreich. In Baku gewann er mit der 4x100-Meter-Freistilstaffel im Mixed die Bronzemedaille. Dabei lieferte er von dem Quartett mit Manuel Kohlschmid, Amelie Zachenhuber und Chiara Klein die schnellste Zeit ab. Mit der der deutschen 4x100-Meter-Freistilstaffel der Männer wurde er zudem Fünfter – und auch über ein Einzelrennen verpasste er Edelmetall haarscharf. 17 Hundertstel fehlten ihm über die 200 Meter Freistil zu Bronze. „Im ersten Moment habe ich mich geärgert. Mit ein wenig Abstand realisiert man aber – Viertbester in Europa? Das ist ja auch nicht so schlecht“, sagt Sorgius



Aus Aserbaidschan brachte er aber mehr mit nach Hause als nur Medaillen. Nämlich wertvolle Erfahrungen. „Bei der Eröffnungszeremonie Teil einer Mannschaft zu sein, Deutschland vertreten zu dürfen, das war schon richtig cool. Das sind Momente, für die man trainiert. Für mich war das eine Belohnung“, schwärmt Sorgius. Das European Festival sei für ihn auch deshalb wichtig gewesen, „um sich die internationale Konkurrenz anzuschauen. Die sieht man als junger Schwimmer ja noch nicht so oft. Vor meinem ersten Start war ich deshalb nervös. Das hat sich aber gelegt. Als ich am letzten Wettkampftag auf dem Startblock stand, war ich ruhig und habe mir gesagt: Du kannst es, du musst es nur zeigen.“

Gelegenheit, die Hauptstadt Aserbaidschans zu besichtigen ergab sich für ihn nur einmal: „Normalerweise hieß es jeden Tag um sechs Uhr morgens aufstehen und dann in die Schwimmhalle. Aber am Samstag hatten wir ein bisschen freie Zeit. Baku ist anders als eine deutsche Stadt. Die Gebäude, die Architektur – das war interessant.“

Weitere Erkundungstouren waren für Sorgius, der mit sechs Jahren zum Schwimmen kam – „weil mein großer Bruder damals geschwommen ist, da wollte ich es auch ausprobieren“ – aber nicht drin. Montags kam er wieder in dem Internat, das er in Saarbrücken bewohnt, an. Und am Dienstag klingelte um 4.50 Uhr der Wecker. Sorgius musste wieder mal einen Flug erwischen. Diesmal nach Berlin zur deutschen Meisterschaft.

Dort war er mit seinen 16 Jahren einer der allerjüngsten. Und die Konkurrenz war riesig. Auch Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock ging an den Start. Medaillen gewann Sorgius dennoch. Mit der Staffel der Startergemeinschaft SSG Saar Max Ritter holte er über die 4x100 Meter Freistil zusammen mit Jonathan Berneburg, Daniel Kober und Christoph Fildebrandt Silber. Über die 4x200 Meter Freistil wurde es Bronze. Mit starken Zeiten trug Sorgius dazu bei, dass die Staffel in beiden Fällen Saarlandrekord schwamm.

Doch dann forderte das Mammutprogramm des jungen Schwimmwes seinen Tribut. Über die 200 Meter Freistil im Einzelrennen, über die der WSF-Schwimmer in Baku seinen persönlichen Rekord noch um über eine Sekunde verbessert hatte, landete er auf Platz 44., schwamm deutlich langsamer als noch in Aserbaidschan. „Da habe ich schon gespürt, was mir alles in den Knochen steckt.“ Trainer Jens Okunneck von der SGS Münster, der die Schwimmer in Abwesenheit des erkrankten saarländischen Landestrainers Felix Weins betreute, habe ihm gesagt, dass er „ganz schön fertig“ aussehe.

Deshalb ist für Sorgius seit seiner Rückkehr eine verdiente Pause angesagt. Erst am 24. August geht er mit den WSF Zweibrücken bei der 2. Runde des saarländischen Mannschaftspokals an den Start, bevor eine Woche später sein reguläres Training am Landesstützpunkt in Saarbrücken fortgesetzt wird.

Aber wie ist der Konstanzer Sorgius bei den Wassersportfreunden gelandet, für die er seit letztem Jahr startet? Er habe den befreundeten WSF-Schwimmer Nick Werner gefragt, welcher Verein in der Region gut ist, erklärt Sorgius trocken. Betrachtet man die vergangenen Wochen, scheint er die richtige Wahl getroffen zu haben – auch wenn Timo Sorgius für seine Erfolge und Erfahrungen ein paar Flugkilometer zu viel und ein bisschen Schlaf zu wenig in Kauf nehmen musste.

 (...) und mit der 4x100-Meter-Freisstilstaffel der Männer wurde es bei der deutschen Meisterschaft in Berlin sogar Silber.
(...) und mit der 4x100-Meter-Freisstilstaffel der Männer wurde es bei der deutschen Meisterschaft in Berlin sogar Silber. FOTO: Moritz Bartels