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SVN zieht Team aus Oberliga zurück

Keinen Oberliga-Fußball wird es in diesem Jahr mehr auf dem Rasen im Westpfalzstadion zu sehen geben. Der SVN Zweibrücken hat seine Mannschaft für diese Saison aus dem Spielbetrieb zurückgezogen, will nächstes Jahr in der Verbandsliga angreifen. Nur schwach erinnern die blauen Sitzschalen noch an die erfolgreicheren Zeiten bis hin zum Regionalliga-Aufstieg. Foto: martin wittenmeier
Keinen Oberliga-Fußball wird es in diesem Jahr mehr auf dem Rasen im Westpfalzstadion zu sehen geben. Der SVN Zweibrücken hat seine Mannschaft für diese Saison aus dem Spielbetrieb zurückgezogen, will nächstes Jahr in der Verbandsliga angreifen. Nur schwach erinnern die blauen Sitzschalen noch an die erfolgreicheren Zeiten bis hin zum Regionalliga-Aufstieg. Foto: martin wittenmeier FOTO: martin wittenmeier
Zweibrücken. Der SVN Zweibrücken tritt zur Restsaison in der Fußball-Oberliga nicht mehr an. Im Zuge des anstehenden Insolvenzverfahrens hat der Verein seine Mannschaft zurückgezogen, steht als erster Absteiger fest und will nun bis Sommer ein schlagkräftiges Team für die Verbandsliga aufbauen. Svenja Hofer

Aufbruchsstimmung vermittelt der SVN Zweibrücken . Keine Untergangsstimmung. Und das trotz der Entscheidung des Fußball-Oberligisten, in der Restsaison nicht mehr anzutreten. Wie Richard Denger, Vorsitzender des finanziell angeschlagenen Vereins, gestern im Rahmen eines Sponsorentreffens im Clubheim mitteilte, haben die Niederauerbacher - mit Blick auf eine anstehende Insolvenzeröffnung - ihre erste Mannschaft für diese Saison vom Spielbetrieb abgemeldet. Damit steht der SVN als erster Absteiger fest und plant, in der kommenden Runde in der Verbandsliga aufzulaufen. Das Insolvenzverfahren , das möglicherweise im Februar eröffnet wird, will der SVN um den vorläufigen Insolvenzverwalter Jürgen Roth ordentlich für Verein und die Gläubiger über die Bühne bringen. "Diese Entscheidung ist die vernünftigste für die Zukunft", sagt Denger.

Zunächst wollte der SVN versuchen, eine Elf für die Restsaison zusammenzustellen, Roth die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zumindest bis zum 23. Mai hinauszögern. Denn zwischen diesem Stichtag und dem 30. Juni hat der Schritt keine sportrechtlichen Konsequenzen. Erfolgt er früher, hat das automatisch den Abstieg zur Folge. Dieser sei nun aber zu verschmerzen, denn die bisherige sportliche Resonanz, betont Trainer und sportlicher Leiter Raphaél Laghnej, fällt ernüchternd aus. Auch wenn mit dem 1:0 in Ludwigshafen nach 364 Tagen und 32 erfolglosen Spielen der erste, aber auch einzige Saisonsieg gelang, liegt der SVN abgeschlagen mit nur drei Zählern am Tabellenende. "Nur mit diesem konsequenten und einzig sinnvollen Schritt ist ein kompletter Neuaufbau mit einem schlagkräftigen Team in der Verbandsliga möglich", betont der 42-Jährige.

Vieles hängt von Gläubigern ab

"Wir hätten sicher mit aller Macht versuchen können, ein Team für die Oberliga zusammenzustellen - dann würde es den Verein Ende des Jahres aber nicht mehr geben." Im Zuge des Rückzugs aus der Oberliga hat der Trikotsponsor Hotel Kurpark Bad Bergzabern, dessen Gelder in den laufenden Spielbetrieb geflossen sind, sein Engagement gekündigt.

So geht der Verein den Weg in die Insolvenz, von dem keiner weiß, wo er endet. Klar sei, dass die Niederauerbacher weiter unter ihrem bisherigen Namen auftreten dürfen. "Erst wenn das Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt würde, müsste der Verein aufgelöst werden", erklärt Denger. Wie groß diese Gefahr ist, kann er nicht einschätzen: "Jürgen Roth und ich sehen sie derzeit nicht. Es kommt aber auf die Gläubiger - hauptsächlich Berufsgenossenschaft, Knappschaft und Finanzamt - an." Mit ihnen allen, darunter auch Spieler, deren Gehälter nicht mehr gezahlt wurden, muss Roth Kontakt aufnehmen und sehen, wie sie reagieren. Insgesamt umfassen die Altlasten 160 000 Euro. Die Abwicklung mit den Gläubigern liege in der Hand des Insolvenzverwalters.

Unterdessen habe der Verein bis zum Sommer eine sehr intensive Zeit vor sich, betont Laghnej. Der Trainer - derzeit ohne komplette Mannschaft - habe nicht nur die Aufgabe, ein neues Team zusammenzustellen: "Ich bin derzeit vor allem BWLer". Zudem ist er in die Sponsorenakquise, ins Jugendtraining und die Fortbildung der Nachwuchstrainer eingebunden. Um eine schlagkräftige erste Mannschaft auf die Beine zu stellen, ist für das Karnevals-Wochenende angedacht, ein weiteres Sichtungstraining anzubieten. Bislang haben sich Stürmer Mentor Morina und Mittelfeldspieler Sedat Ibak dem SVN angeschlossen, aus dem bisherigen Kader bleiben Eric Lira, Cihad Gündüz und Jannik Jorissen. Sie alle könnten punktuell Einsätze in der zweiten Mannschaft (C-Klasse) bekommen, mit dem aufgebauten Team Freundschaftsspiele bestreiten. Mit Peter Müller steht Laghnej weiter im Gespräch. "Ihn hätte ich im Sommer gerne wieder in meinem Team." Dieses solle ansonsten mit Spielern aus Laghnejs früheren Vereinen, aus eigenen Jugendspielern sowie Kickern aus der Region zusammengesetzt werden. "Ich suche Spieler, die charakterlich und sportlich passen."

Richard Denger will aufhören

"Wenn es uns gelingt, alles positiv abzuschließen, stehen auch Veränderungen im Vorstand an", erklärt Denger. "Für mich ist nach vielen Jahren die Zeit gekommen, aufzuhören", kündigt er einen möglichen Wechsel an der Spitze bei einer "zeitnah" anstehenden Hauptversammlung an. Dabei gehe es Denger, der dem Verein seit über 25 vorsteht, nicht darum, sich aus der Verantwortung zu stehlen. "Die Aufgaben müssen einfach auf mehrere Schultern verteilt werden." Wichtig dafür, dass alles wie erhofft funktioniert, seien zudem treue Sponsoren , die Öffentlichkeit, Ehrenamtler und die Mithilfe der Stadt. "Wir haben einen langen, schwierigen Weg vor uns", weiß Denger, dass auch das Image wieder erarbeitet werden muss. Verblasst sind die Erinnerungen an bessere Zeiten mit Aufstiegen in die Verbandsliga (1998), Oberliga (2008) und schließlich die Regionalliga (2013). An Jahre, in denen der SVN zwei Mal im DFB-Pokal antrat. "Zuletzt gab es vor allem Negativschlagzeilen." Ausgelöst durch die finanzielle Schieflage, die viele Gründe hat, wie Denger aufzeigt: etwa die 40 000 Euro Einbußen durch den verzögerten Umbau des Stadions, die dadurch fehlenden Einnahmen und Ausgaben für Trainings- und Spielstätten, das Verpassen der ersten DFB-Pokal-Runde nach dem Aus im Verbandspokal gegen Waldalgesheim und dem Schwinden der damit verbundenen Einnahmen von 150 000 Euro, die zu große finanzielle Belastung durch die Regionalliga und die geringen Zuschauereinnahmen. Das Kapitel sei nun aber abgeschlossen. "Wir wollen nach vorne blicken, das beste aus der Situation machen - ob das gelingt, kann ich nicht sagen", bekennt Denger.



Meinung:

Der einzig richtige Schritt

Von Merkur-RedakteurinSvenja Hofer

Nun ist es amtlich. Der SVN Zweibrücken wird in diesem Jahr kein Oberliga-Spiel mehr bestreiten. Mit dem Rückzug und einem ruhigen Neuaufbau geht der Verein den richtigen Weg. Die Verantwortlichen mussten erkennen, dass ein erneutes Auf-Teuel-komm-raus-Zusammenwürfeln einer Oberliga-Truppe keinen Sinn hat. Nach den Erfolgen der vergangenen Jahre sicher nicht einfach, aber der Gang in die Verbandsliga war ohnehin nicht mehr abzuwenden. Mit welchen Argumenten hätte der Verein auch vermitteln wollen - gerade den Gläubigern-, dass es lohnend ist, weiterhin nicht vorhandenes Geld in die Hand zu nehmen, um die restlichen Spiele ohne Aussicht auf Erfolg durchzuziehen.

Doch auch wenn der Schritt der richtige ist, kommt er vielleicht etwas zu spät. Ganz abgesehen davon, ob das Insolvenzverfahren gut ausgeht, ist das Image mächtig angekratzt. Es wird viel Zeit, Kraft und Geduld auf Vereinsseite brauchen, Vertrauen wieder aufzubauen. Ob zu Spielern, Sponsoren , Ehrenamtlichen oder Zuschauern.

Raphaél Laghnej, Trainer und sportlicher Leiter, präsentiert seine Pläne mit dem SVN für die Zukunft und steht den Sponsoren Rede und Antwort. Foto: ski
Raphaél Laghnej, Trainer und sportlicher Leiter, präsentiert seine Pläne mit dem SVN für die Zukunft und steht den Sponsoren Rede und Antwort. Foto: ski FOTO: ski