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Zittern bis zum Schluss
SV hat es nicht mehr selbst in der Hand

Der Verzweiflung nah: Christian Schwarzer, einer der Trainer der SV-A-Jugend, muss die Pleite machtlos mit ansehen.
Der Verzweiflung nah: Christian Schwarzer, einer der Trainer der SV-A-Jugend, muss die Pleite machtlos mit ansehen. FOTO: Marco Wille / Marco Wille; www.marcowille.de
Zweibrücken. Die Zweibrücker A-Jugend muss nach der 32:35-Niederlage gegen Echaz-Erms um die direkte Bundesliga-Quali bangen. Von Roman Kuhn

In den vergangenen zehn Wochen ist die Spannung für die A-Junioren des SV 64 Zweibrücken wie in einem Krimi von Alfred Hitchcock stetig angestiegen. Nur quälte die Zuschauer nicht die offene Frage nach dem Mörder, sondern, wann die Jungs der beiden Trainer Björn Stoll und Christian Schwarzer die ausstehenden Punkte für die direkte Qualifikation zur kommenden Jugendbundesliga-Saison einsammeln würden. Die Ausgangslage nach der Hinrunde war komfortabel. Mit 15 Zählern lag das Team in Schlagdistanz zu den Spitzenmannschaften und durfte sogar von der Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft träumen. Seit Januar aber konnten die Junglöwen nur noch drei Siege in zehn Spielen einfahren. Auch am Sonntag hatten die 64er gegen den direkten Konkurrenten JSG Echaz-Erms bei der 32:35-Heimniederlage das Nachsehen. So könnte aus dem gefühlten Krimi der vergangenen Wochen beim Auswärtsspiel am letzten Spieltag auch eine Tragödie werden. Denn selbst im Falle eines Sieges sind die Zweibrücker auf die Schützenhilfe anderer Vereine angewiesen.

In der mit 200 Zuschauern gut besuchten Ignaz Roth Halle merkte man dem SV-Nachwuchs an, dass viel auf dem Spiel stand. Zu Beginn noch etwas verunsichert (Zwischenstand:1:4), dauerte es fünf Minuten bis Zweibrücken auf Betriebstemperatur kam. Nach einer Viertelstunde konnten die Mannen um Spielmacher Marc-Robin Eisel den Rückstand ausgleichen (8:8) – die Partie begann sozusagen von neuem. In den verbleibenden 45 Minuten sahen die SV-Fans ein spannendes und faires Spiel auf Augenhöhe, dass von den Rückraumspielern beider Mannschaften dominiert wurde. Felix Dettinger, Tom Ihl und Marc-Robin Eisel trafen für den SV zusammen 22 Mal ins Schwarze. Allerdings stand das Trio mit dieser Ausbeute deutlich im Schatten der beiden JSG-Schützen Alex Goller und Niklas Roth, die für den VFL Pfullingen auch schon in der 3. Liga auf Torejagd gehen. 24 Treffer verbuchte das Duo, wobei Roth sage und schreibe 18 Tore gelangen. Gegen den bulligen Halbangreifer war an diesem Tag kein Zweibrücker Kraut gewachsen. Mehrere Deckungsvarianten, enge Manndeckung und auch der ungewöhnliche Einsatz von gleich drei Torwarten auf Seiten der Gastgeber konnten den schwäbischen Torjäger nicht stoppen. Weder Yannick Mangold, noch Norman Becker oder Benedict Haubeil im Tor bekamen die Distanzwürfe von Roth zu fassen. Insgesamt sahen die Zuschauer in 60 Minuten lediglich fünf Paraden – es war wahrlich kein Spiel für die Torhüter. Da auch der Schlussmann der Gäste kaum eine Hand an den Ball bekam, hatten beide Mannschaften bis zur Halbzeitsirene bereits 18 Tore auf dem Konto.

Im zweiten Durchgang sahen die Fans das gleiche Bild. Bis zur 50. Minute konnte sich keine Mannschaft absetzen. Trotz ständig wechselnder Führungen blieb das Ergebnis bis zum 28:28 ausgeglichen. In den letzten zehn Minuten entschied dann der Torwart der Gäste aus Baden-Württemberg die Partie. Tim Notdurft parierte zwar nicht viele Bälle – aber die wichtigen. In kurzer Abfolge entschärfte er Großchancen von Tom Ihl, Philipp Meiser und Philipp Baus. Und auf der Gegenseite traf Niklas Roth zum Entsetzen der Zweibrücker weiter nach Belieben. Echaz-Erms setzte sich mit drei Toren auf 32:29 ab. Auch eine offene Manndeckung in der Schlussphase konnte die Niederlage der 64er nicht mehr abwenden.



Der SV 64 braucht nun unbedingt einen Sieg im letzten Saisonspiel auswärts gegen Bietigheim. Die Löwen müssen zudem darauf hoffen, dass die HSG Konstanz gleichzeitig im Auswärtsspiel bei der JSG Echaz-Erms das Nachsehen hat. Fakt ist aber, dass es die Zweibrücker nicht mehr selbst in der Hand haben, sich für die neue Bundesligasaison auf direktem Weg zu qualifizieren. Die Vereinsverantwortlichen trauern den vielen gesundheitlichen Ausfällen der letzten Wochen nach, allen voran der Verletzung von Toptorjäger Philipp Meiser. Aber auch der Teilabgang von Spielmacher Marc-Robin Eisel in der Winterpause – er stand seitdem wegen seines Doppelspielrechtes für den TuS Kaiserslautern-Dansenberg nur noch eingeschränkt zum Training und zu den Spielen zur Verfügung – hinterließ eine klaffende Lücke .

Aus dieser Erfahrung heraus wird der SV 64 Zweibrücken zukünftig von einer Neuauflage eines Zweit- oder Doppelspielrechts für Jugendspieler mit anderen Vereinen absehen.