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Rudelbildungen mit Rempeleien
Stimmung kocht nach Roter Karte über

Auch Rieschweilers Trainer Björn Hüther sei von den heimischen Fans während und nach dem Spiel aufs Übelste beleidigt worden, berichtet Gerhard Barudio, der als Zuschauer im Stadion in Bad Kreuznach war.
Auch Rieschweilers Trainer Björn Hüther sei von den heimischen Fans während und nach dem Spiel aufs Übelste beleidigt worden, berichtet Gerhard Barudio, der als Zuschauer im Stadion in Bad Kreuznach war. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Rieschweiler. Heftige Tumulte haben das Verbandsliga-Spiel zwischen Eintracht Bad Kreuznach und SG Rieschweiler überschattet. Von Erik Stegner

„Mit Sportlichkeit und Fairness hat das unmögliche Verhalten von Eintracht Bad Kreuznach nichts mehr zu tun. Fans und Fußballer der SG Rieschweiler wurden verbal beleidigt und körperlich massiv angegangen“, berichtet Gerhard Barudio aufgelöst. Er war am Sonntag als Zuschauer beim Verbandsliga-Auswärtsspiel der SGR in Bad Kreuznach dabei, das nach einer dramatischen sportlichen Schlussphase und einem 3:3 (0:0)-Unentschieden mit unschönen Szenen im Friedrich-Moebus-Stadion endete.

Der Siedepunkt in einer hitzigen Partie wurde in der dritten Minute der Nachspielzeit erreicht, als den Hausherren auf den letzten Drücker der Ausgleich gelang. Nach der anschließenden Roten Karte für SGR-Spieler Luca Littner und einer weiteren Gelb-Roten Karte für einen Eintracht-Spieler übertrug sich die explosive Stimmung vom Rasen auf das gesamte Stadion. „Als unsere Spieler vom Feld gingen, brachen alle Dämme und es kam zu minutenlangen Tumulten, ja fast schon zu Jagdszenen“, berichtet Barudio.

Sein Sohn Luca Littner habe aus Ärger über seinen Platzverweis auf dem Weg in die Kabinen an eine Werbebande getreten. Danach seien Zuschauer über die Absperrungen auf den Platz gesprungen und hätten den SGR-Spieler bis in den Tribünentunnel verfolgt. Der Ordnungsdienst habe aus einem Rentner bestanden und die Gästespieler und Zuschauer nicht geschützt. „Wären nicht einige SGR-Spieler und ich dazwischen gegangen, hätte es eine Keilerei gegeben. Da waren richtige Bodybuildertypen auf Kreuznacher Seite dabei, die auf Streitigkeiten gewartet haben“, berichtet Barudio.



Auch der SGR-Sportvorstand Tobias Weis und Trainer Björn Hüther seien während und nach dem Spiel massiv beleidigt worden. Hüther habe den Schiedsrichter ständig auf die harte Spielweise der Hausherren und einige ganz spezielle Spieler hingewiesen und dafür hämische Kommentare der heimischen Zuschauer eingesteckt. Der Unparteiische habe auf dem Rasen aber nicht durchgegriffen und die Eskalation am Ende durch sein Verhalten unterstützt, bemängelt Barudio und versichert: „So eine unübersichtliche Situation wie im Kreuznacher Stadion habe ich als aktiver Fußballer und Jugendtrainer noch nie erlebt.“

Barudio kündigte an, wegen der Vorfälle den Südwestdeutschen Fußballverband und seinen Rechtsanwalt zu kontaktieren. Eintracht Bad Kreuznach habe er noch am Sonntagabend per Mail angeschrieben und sich über die Vorkommnisse beschwert.

Der Sportliche Leiter der Eintracht, Oliver Holste, bestätigte am Dienstag den Eingang des Schreibens. Er kann die Anschuldigungen gegen seinen Verein nicht nachvollziehen. Auch der Schiedsrichter habe nichts von Tumulten oder Ausschreitungen in seinem Spielbericht erwähnt, betont Holste.

Klar habe es vor allem in der hektischen Schlussphase nach den Platzverweisen Rudelbildungen mit Rempeleien unter den Fußballern auf dem Platz gegeben, aber die Emotionen seien auf beiden Seiten übergeschwappt.

Zudem habe im Friedrich-Moebus-Stadion kein Zuschauer die Möglichkeit, in den Kabinentunnel zu gelangen. In diesem sei es lediglich zu verbalen Meinungsverschiedenheiten zwischen einigen Spielern beider Teams gekommen. „Schläge hat es zu keiner Zeit gegeben“, versichert Holste.

Seiner Meinung nach kommen solche Dinge im Fußball schon mal vor. „Da schläft man eine Nacht darüber und die Sachen relativieren sich ganz schnell wieder“, sagt Holste, der in seiner aktiven Fußballerzeit Ende der 70er Jahre für den FK Pirmasens in der dritthöchsten deutschen Liga spielte.

Holste betont aber auch, dass sich Luca Littner mit seinem Bandentritt eine Teilschuld an der aufgeheizten Stimmung zuschreiben müsse. Immer wieder falle der SGR-Fußballer auch auf dem Platz durch Rote Karten auf, kritisiert der Sportliche Leiter der Eintracht.

SGR-Sportvorstand Tobias Weis berichtet von aggressiven Kreuznacher Zuschauern, die die SGR-Fans mit Gesten und Handzeichen beleidigten. Luca Littner sei auf den Weg in die Kabine mit Bier überschüttet worden und es sei auf dem Platz in bestimmten Szenen ganz schön zur Sache gegangen.

„Fünf bis sechs Minuten war die ganze Situation unterhalb der Gürtellinie, aber sowas kommt im Fußball schon mal vor. Als sich die Aufregung gelegt hat, haben sich einige Kreuznacher Zuschauer bei mir für ihr Verhalten entschuldigt. Ich habe ihnen zuvor aber auch klar meine Sichtweise geschildert“, erklärt Weis.