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Anti-Doping in Zweibrücken
Staatsanwaltschaft hatte noch keinen Profisportler im Visier

Iris Weingardt, die Leitende Oberstaatsanwältin von Zweibrücken.
Iris Weingardt, die Leitende Oberstaatsanwältin von Zweibrücken. FOTO: Jan Althoff
Zweibrücken  . Seit dem Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes hat die Zweibrücker Staatsanwaltschaft 239 Verfahren gegen 264 Personen geführt. Am 25. August 2017 wurde die Verfolgung von Dopern durch die Staatsanwaltschaft und die Ahndung durch die Gerichte in Zweibrücken gebündelt. Von Eric Kolling

Die Besonderheit ist, dass in Zweibrücken auch eine zentrale gerichtliche Zuständigkeit besteht. Gibt es hier Verfahren etwa mit Tatort Koblenz, dann wird bei uns angeklagt, das ist bundesweit einmalig. Sonst gibt es in Deutschland weitere zwei Schwerpunktstaatsanwaltschaften in Sachen Doping – in München und Freiburg.

Seit der Bündelung in Zweibrücken, so berichtet die Leitende Oberstaatsanwältin Iris Weingardt weiter, verzeichnete die Behörde 110 Verfahren gegen 121 Personen. Davor habe man etliche Verfahren an andere Staatsanwaltschaften abgeben müssen, weil man wegen des Tatorts nicht zuständig war.

Teilweise sind Verfahren rechtskräftig abgeschlossen, Geld- oder Bewährungsstrafen verhängt. Mehrere Verfahren seien gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Fälle im Profisport habe man noch keine verzeichnet, sondern ausschließlich solche im Bodybuildingbereich. Weingardt berichtet exemplarisch von einen Gewichtheber aus dem ambitionierten Freizeit-/Amateursektor, einem Arzt, gegen den wegen Abgabe von Dopingsubstanzen ermittelt wurde und einem Apotheker. Inwiefern Personen aus Zweibrücken von den Ermittlungen betroffen waren, könne die Behörde nicht ermitteln.



Lars Mortsiefer von der Nada erläutert, dass seine Agentur stets prüfe, ob sich ein Bezug zum Leistungssport abbilden lasse, auch wenn man keine Zuständigkeit im Breiten- und Fitnesssport habe: „Wenn etwa ein Dopingfund in einem Fitnessstudio oder Rockermilieu erfolgt ist, fragen wir nach, ob sich Anhaltspunkte zum Leistungssport ergeben.“

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen der Nada und der Zweibrücker Staatsanwaltschaft in der Praxis aus? Mort­siefer: „Positiv hervorzuheben ist, dass sich eine Art Kommunikationskultur der Nada mit den Staatsanwaltschaften entwickelt hat.“ Anti-Doping-Agentur und Staatsanwaltschaft hätten sich zunächst kennenlernen müssen. „Wir können heute wichtige Informationen so an die Staatsanwaltschaft bringen, dass sie auf fruchtbaren Boden stoßen. Andererseits konnten die Staatsanwaltschaften erkennen, dass es bei der Nada Infos gibt, die für ihre Ermittlungen maßgeblich sein können.“

„Die Bündelung führt, wie wir erwartet haben, zu einem größeren Aufbau an Erfahrungswissen“, zieht die Zweibrücker Leitende Oberstaatsanwältin Iris Weingardt als Fazit. „Die Vernetzung mit den zuständigen Stellen ist in einem unglaublichen Maße vorangeschritten und erleichtert in großem Maße die Zusammenarbeit etwa mit der Nada, dem Hauptzollamt und der Polizei, mit Sachverständigen.“ Im Mai seien wieder hiesige Staatsanwälte auf einer Nada-Fortbildung, bei der sich alle bundesweiten Zentralstellen austauschten.