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Vereinstreue
Spielen so lange die Knochen halten

EHC-Verteidiger Stephen Brüstle: „Ich mache 
weiter, so lange 
die Knochen 
halten!“
EHC-Verteidiger Stephen Brüstle: „Ich mache weiter, so lange die Knochen halten!“ FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Eishockey: Stephen Brüstle geht mit den Hornets in seine 14. Saison. Ans Aufhören denkt der 29-Jährige noch lange nicht. Von Sebastian Dingler

14 Jahre im selben Verein – das ist bemerkenswert. Im Gegensatz zum Fußball kommt das beim Eishockey aber etwas häufiger vor. Denn so ein Wunsch nach einem Vereinswechsel bedeutet in einer nicht so dicht besiedelten Eishockey-Region praktisch auch einen Wohnortwechsel. Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb Stephen Brüstle in seine 14. Saison bei den Hornets geht. „Ein Wechsel ist mir noch nie in den Sinn gekommen, es hat hier immer alles gepasst“, erklärt der 29-Jährige, der mit 16 zum EHC Zweibrücken gekommen war. „Hergekommen bin ich aus schulischen Gründen. Ich bin damals aus Bayern hergezogen zu meinem Vater, der schon im Verein war und beim EHC in der Altherrenmannschaft spielte.“

Miro Hantak war damals Brüstles erster Trainer. Zuvor hatte das Talent auch schon mal in der Bayern-Auswahl gespielt. „Da musste ich aber unter der Woche weite Strecken gefahren werden, das war nicht machbar, da fehlte auch die Unterstützung.“ Für Brüstle hatte es sich dann früh erledigt, ganz oben mitzuspielen.

Opfer bringen musste er in all den Jahren aber auch beim EHCZ: Erst wohnte der Jugendliche nämlich noch in Annweiler und musste per Zug und Automitnahme ins Training kommen. Danach aber schlug Stephen Brüstle in Zweibrücken Wurzeln. Er arbeitet heute als Bauzeichner im saarländischen Quierschied. Natürlich habe es in der langen Zeit auch mal Phasen gegeben, in denen es nicht so lief. Aber für den Verteidiger zählen eher die schönen Erinnerungen: „Am schönsten war natürlich die Meisterschaft letztes Jahr. Das war, als die Mannheimer dazukamen, Max Dörr, Tim Essig, Benedikt Peters und Frederic Hellmann. Es hat sich ein richtig guter Kern entwickelt, zusammen mit den Leuten von hier. Es war toll, dass wir das Ganze mit dem Titel krönen konnten.“ Das letzte Spiel in dieser Meisterschaftsrunde, als die Zuschauer hinterher aufs Eis gerannt waren, ist für Brüstle das persönliche Highlight seiner Karriere. Ansonsten erinnert er sich noch an ein Heimspiel gegen Eppelheim aus derselben Saison, als er mal zwei Tore schoss. „Ich bin ja nicht so der Torschütze, da war das schon was Besonderes. Nur haben wir das Spiel am Ende verloren – da hat das gar nichts gebracht“, meint er schmunzelnd. Aber auch die Vizemeisterschaft in Brüstles erster Saison 2005/06 steht in der Skala der positiven Erlebnisse mit dem EHC Zweibrücken ganz weit oben. Wer seine Lieblingsmitspieler waren, fällt ihm zunächst schwer zu sagen: „Ich hatte viele, mit denen ich gerne gespielt hätte. Das ging aber nicht, weil die Reihen anders gestellt wurden.“ Dann fallen ihm aber doch noch einige ein: „Max Dörr zum Beispiel, der ist immer überraschend und hat eine tolle Übersicht.“ An den US-amerikanischen und kanadischen Mitspielern schätzte er, dass „jeder in einer Disziplin überragend war“. Über den aktuellen EHC-Torhüter
Steven Teucke meint Brüstle: „Wenn der einen guten Tag hat, ist das super, da kann ich vor ihm Böcke schießen, dann bügelt er das wieder aus.“ Und Frederic Hellmann darf in der Aufzählung nicht fehlen: „Der war ein Mordskerl, riesig, stark, mit einer tollen Präsenz auf dem Eis.“ Rado Pastorek wiederum beeindruckte Brüstle mit seiner immensen Erfahrung, von ihm habe er sich viel abgeschaut. An Gegenspielern, die dem Verteidiger das Leben schwer machten, fällt ihm schnell der Heilbronner Michael Filobok ein – „der ist immer noch sehr stark und kaum vom Puck zu trennen“. In Jugendzeiten spielte Brüstle auch mal gegen die späteren Nationalspieler Patrick Hager und Korbinian Holzer.



Als seine eigenen Ziele definiert der Zweibrücker den Wiedereinzug in die Play-Offs: „Gerade die Heimspiele sind dann gut besucht, das macht mega viel Spaß. Da ist man heiß, wenn von überall geschrien wird.“ Derzeit läuft bei den Hornets noch das Sommertraining, bei dem vor allem Kondition aufgebaut wird – bis im September wieder das Eis in die Halle kommt. Darauf freuen sich die Kufencracks schon wieder. Ein Karriereende hat Stephen Brüstle noch nicht vor Augen: „Ich mache weiter, so lange die Knochen halten und ich auf dem Eis etwas Sinnvolles beisteuern kann.“

Vor allem im Meisterschaftsjahr hatte Stephen Brüstle (links) mit den Hornets viel Grund zum Jubeln.
Vor allem im Meisterschaftsjahr hatte Stephen Brüstle (links) mit den Hornets viel Grund zum Jubeln. FOTO: Marco Wille