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| 20:32 Uhr

Handball-Junioren-Bundesliga
Sensationssieg gegen Pforzheim

Kian Schwarzer war beim Überraschungssieg der Junglöwen gegen Pforzheim nur durch Fouls wie hier von Noah Reck (8) zu stoppen.
Kian Schwarzer war beim Überraschungssieg der Junglöwen gegen Pforzheim nur durch Fouls wie hier von Noah Reck (8) zu stoppen. FOTO: Marco Wille / Marco Wille; www.marcowille.de
Zweibrücken/Pforzheim. Damit hatte wohl kaum jemand gerechnet: Der Nachwuchs des SV 64 Zweibrücken hat sein Spiel gegen die SG Pforzheim-Eutingen mit 34:24 (18:12) gewonnen. Von Roman Kuhn

Am Samstag haben sich die A-Junioren des SV 64 Zweibrücken gegen den Tabellendritten SG Pforzheim-Eutingen sensationell mit 34:24 durchgesetzt. Die personell arg gebeutelten Junglöwen, die ohne Jugendnationalspieler Marc-Robin Eisel und Toptorjäger Philipp Meiser antreten mussten, spielten sich nach Anlaufschwierigkeiten in einen Rausch und ließen dem Favoriten aus Baden nicht den Hauch einer Chance. Aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung ragten Kian Schwarzer (7), Tom Ihl (8/1) und Giona Dobrani (5) heraus.

Es waren noch keine vier Minuten gespielt, da lagen die Junglöwen zunächst mit 0:3 im Hintertreffen. Gegen die körperlich überlegenen Gäste aus der Goldstadt deutete alles auf die zu erwartende – in Anbetracht der Ausfälle von Marc-Robin Eisel und Philipp Meiser vielleicht sogar einkalkulierte – Heimniederlage hin. Dieser, wie sich später herausstellen sollte, trügerische Spielbeginn, schien den Tabellendritten aber eher zu hemmen, anstatt zu beflügeln. Binnen sechs Minuten machten die 64er den Rückstand wett und glichen beim Zwischenstand von 5:5 (10.) wieder aus. Was dann über die Jungs der SG Pforzheim hereinbrach, fällt wohl unter die Rubrik „beste 15 Spielminuten der bisherigen Saison“ – allerdings nicht von den Gelbhemden, sondern von den Löwen. In besagter Viertelstunde zeigte vor allem Kian Schwarzer seine Qualitäten als Spieler, Motivator und Führungspersönlichkeit. Als unumstrittener Chef in der Abwehr dirigierte er seine Mitspieler, gewann durch unbändigen Willen alle Zweikämpfe und stopfte zusätzlich noch Löcher für den Fall, dass einer seiner Kammeraden einmal gepatzt hatte.

Im Angriff setzte sich der Kreisläufer immer wieder gegen die Abwehrhünen aus Baden durch, wobei er vor allem von tollen Kreisanspielen Felix Dettingers und Giona Dobranis profitierte. Für den nötigen Druck aus der Fernwurfzone sorgte wieder einmal Tom Ihl, der mehrfach aus der Distanz traf. Als Torhüter Norman Becker durch ein sogenanntes „Empty-Net-Goal“ zum 18:9 (25.) ins verwaiste Pforzheimer Tor traf, waren die rund 140 Zuschauer in der Ignaz-Roth-Halle völlig aus dem Häuschen. Während dieses sensationellen 13:4-Laufs für die Jung­löwen versuchte der Pforzheimer Trainer Alexander Bossert mit zwei Auszeiten die drohende Niederlage zu verhindern. Aber mehr als eine Ergebniskorrektur zum 18:12 sprang bis zur Pause nicht mehr heraus. Dabei profitierten die Gäste sogar noch durch einen direkt verwandelten Freiwurf des Zwei-Meter-Riesen Nik Wittke nach Ende der Spielzeit. Trainer Björn Stoll war von der Leistung seiner Jungs begeistert: „Ich bin einfach stolz auf die Jungs, die nach den letzten Spielen moralisch einiges wegstecken mussten und heute so eine Antwort aufs Parkett gelegt haben, das ist aller Ehren wert“.

Trotz der bärenstarken Leistung in der ersten Hälfte waren die Fans der 64er auf den Rängen skeptisch, ob der Vorsprung über die folgenden dreißig Minuten gerettet werden könnte. Zu oft haben die Junglöwen in den letzten Begegnungen in kürzester Zeit komfortable Führungen verspielt. Diesmal nicht. Die Jungs der Trainer Christian Schwarzer und Björn Stoll legten auch zum Beginn des zweiten Durchgangs los wie die Feuerwehr. Mit fünf Treffern in Folge und einem zwischenzeitlichen Elf-Tore-Vorsprung war beim 23:12 (36.) die Vorentscheidung bereits gefallen. Mit äußerster taktischer Disziplin spielten die Hausherren den Rest der Spielzeit herunter, am Ende trafen die eingewechselten B-Jugendspieler Joshua Eberhard und Johannes Knoll zum Endstand von 34:24. Vor allem der Treffer von Knoll, dessen Vater Martin jahrelang das Trikot der ersten Herrenmannschaft trug, sorgte für viel Jubel auf den Rängen.

Durch den überzeugenden Sieg verteidigten die Zweibrücker ihren fünften Platz in der Bundesliga, der die direkte Qualifikation für die neue Saison bedeuten würde. Trainer Stoll war sich nach dem Spiel der Bedeutung dieser beiden Big Points ebenfalls bewusst: „Das war ein ganz wichtiger Sieg im Kampf um unsere Bundesligazukunft. Vor allem die Art und Weise war überragend. Ich will eigentlich keinen von den Jungs hervorheben, weil es eine super geschlossene Mannschaftsleistung war, bei der jeder seinen wichtigen Part eingebracht hat“.