| 23:34 Uhr

Interview
Über-70-Jährige noch immer an der Pfeife

Kreisschiedsrichterobmann Ralf Vollmar weiß, dass es die Unparteiischen nicht immer leicht haben. Dennoch hofft er, dass der Schirimangel im Kreis Pirmasens/Zweibrücken kein Dauerzustand wird.
Kreisschiedsrichterobmann Ralf Vollmar weiß, dass es die Unparteiischen nicht immer leicht haben. Dennoch hofft er, dass der Schirimangel im Kreis Pirmasens/Zweibrücken kein Dauerzustand wird. FOTO: Thomas Hutzler
Zweibrücken. Fußball: Bei dem Schiedsrichtermangel im Kreis Pirmasens/Zweibrücken drohen Spielausfälle.

Vor dem vergangenen Wochenende wandte sich Kreisschiedsrichterobmann Ralf Vollmar mit einem Hilferuf an die Presse. In den Amateurklassen des Fußballkreises Pirmasens-Zweibrücken kam es zu Schiedsrichterengpässen – Spielausfälle drohten. Eine Besetzung aller Spiele sei nicht hundertprozentig zu gewährleisten, teilte der Schiedsrichterobmann mit. Im Interview spricht Vollmar über die Personalprobleme, vor allem im ländlichen Bereich.

Herr Vollmar, am vergangenen Wochenende drohten wegen Schiedsrichtermangels Spielausfälle im Fußballkreis Pirmasens-Zweibrücken. Fand der Spieltag letztlich dennoch komplett statt?

Ralf Vollmar: Ja, es haben alle Spiele stattgefunden. Wir haben den Plan nochmal umgeändert. Manche Schiedsrichter, die sich schon abgemeldet hatten, haben sich wieder zurückgemeldet. Zudem haben Schiedsrichter noch weitere Spiele übernommen. Manche haben gleich drei an einem Tag gepfiffen. Wir haben auch Schiedsrichter, die sind schon über 70. Auch die haben am Wochenende Freitag, Samstag und Sonntag gepfiffen. Da ziehe ich den Hut.



Wie ist es zu der prekären Situation gekommen?

Vollmar: An manchen Wochenenden kommt eben alles zusammen. Momentan haben wir einige Verletzte, auch fallen einige Schiedsrichter aus, die über längere Zeit krank sind. Zudem lässt auch die Zuverlässigkeit zu wünschen übrig. Von den nominell 80 Schiedsrichtern stehen nur 60 jedes Wochenende zur Verfügung.

Was sehen Sie als Hauptgründe, weshalb es immer weniger Unparteiische gibt?

Vollmar: Darüber kann ich natürlich nur mutmaßen. Einer der Hauptgründe dürfte wohl sein, dass der Schiedsrichter immer im Brennpunkt steht. Gerade der Schiedsrichter muss sich immer wieder Kritik gefallen lassen, ob berechtigt oder nicht. Da prasselt auch viel von außen, von den Zuschauern auf den Schiedsrichter ein. Ein anderer Grund dürfte der Zeitaufwand sein. Die Hin- und Rückfahrt zu den Spielen, das Spiel selbst und anschließend noch der Spielbericht – da kommt schon Einiges zusammen. Obwohl durch das DFB-net der Spielbericht in zehn Minuten fertig ist.

Ist der Schiedsrichtermangel nur ein Problem im Raum Pirmasens?

Vollmar: Nein, leider nicht, da macht Pirmasens keine Ausnahme. Wobei es in den größeren Städten nicht so schlimm ist wie auf dem Land. Auf dem Land sind die Strukturen auch anders. Viele Schiedsrichter spielen noch selbst aktiv Fußball. Die werden von den Vereinen als Spieler gebraucht.

Macht Ihnen das Amt als Kreisschiedsrichterobmann unter diesen Umständen überhaupt noch Spaß?

Vollmar: Natürlich macht es nicht immer Spaß. Aber es wäre fatal, den Kopf in den Sand zu stecken. Es bringt ja nichts, die Flinte ins Korn zu werfen. Wir müssen eben immer wieder auf die Problematik hinweisen.

Welche Maßnahmen unternimmt der Verband, um mehr Schiedsrichter zu bekommen?

Vollmar: Der Verband tut einiges. Wir haben zum Beispiel ein Projekt in den JVAs (Justizvollzugsanstalten) laufen, wo wir Strafgefangene zu Schiedsrichtern ausbilden. Außerdem haben wir auch Projektwochen an Schulen, wo wir bereits die jungen Leute für das Schiedsrichteramt gewinnen möchten. Weiterhin machen wir auch viel Werbung, zum Beispiel waren wir auch mit einem Stand beim Tag des Ehrenamtes in Pirmasens vertreten. Leider bekommen wir bei solchen Veranstaltungen zwar viel Gehör, aber wenig Nachwuchs. Aber auch die Schiedsrichterausbildung wurde vereinfacht. Die geht heutzutage schon über e-learning (elektronisch unterstütztes Lernen), nur die Abschlussprüfung wird in der Sportschule Edenkoben abgelegt. Aber auch da wären die Kreise bereit, dezentrale Lehrgänge anzubieten, wenn sich genügend Teilnehmer finden würden.

Wie sind Sie damals überhaupt zum Schiedsrichteramt gekommen?

Vollmar: Ich habe früher selbst Fußball gespielt in Großsteinhausen. Irgendwann hat der Verein Schiedsrichter gebraucht, da habe ich mich gemeldet. Das war vor ungefähr 30 Jahren, heute bin ich 57.

Dieses Gespräch führte
Annette Wrobel.