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Handball-Saarlandliga
Auch die zweite Löwen-Welle rollt erfolgreich

 In der letzten Saison führte Katharina Koch (am Ball) noch die Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken als Kapitänin aufs Feld. Seit dieser Runde spielt sie für die zweite SV-Mannschaft in der Saarlandliga. Und stellt dort eindrucksvoll unter Beweis, dass sie von ihrer Klasse nichts eingebüßt hat.
In der letzten Saison führte Katharina Koch (am Ball) noch die Oberliga-Handballerinnen des SV 64 Zweibrücken als Kapitänin aufs Feld. Seit dieser Runde spielt sie für die zweite SV-Mannschaft in der Saarlandliga. Und stellt dort eindrucksvoll unter Beweis, dass sie von ihrer Klasse nichts eingebüßt hat. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Beide Saarlandliga-Teams des SV 64 Zweibrücken haben zum Beginn des Jahres ein Ausrufezeichen gesetzt. Die Frauen feierten im Spitzenspiel einen Kantersieg. Die Männer qualifizierten sich fürs Finalturnier im Saarlandpokal. Von Roman Kuhn und Mirko Reuther

Bei den Handballern vom SV 64 Zweibrücken stehen in der Regel die Oberligateams der Männer und Frauen im Fokus. Aber auch die zweiten Mannschaften des Vereins spielen eine starke Runde. Das Saarlandligateam der Löwinnen dominiert seine Spielklasse scheinbar nach Belieben. Und die zweite Mannschaft der Männer hat sich jüngst völlig überraschend für das saarländische Pokalfinale am Ostermontag in Saarbrücken qualifiziert.

Die zweite Damenmannschaft gewann am letzten Sonntag ihr Spitzenspiel gegen den bis dahin ärgsten Verfolger HSG Marpingen-Alsweiler II turmhoch mit 36:15 und führt die Tabelle mit der makellosen Bilanz von 22:0 Punkten an. Der Kantersieg gegen die Saarländerinnen ist freilich keine Sensation. Schließlich spielte fast die Hälfte der SV-Mannschaft in der Vergangenheit in der Regionalliga, damals die dritthöchste Spielklasse in Deutschland. Vor allem Katrin Hoffmann, Katharina Koch, Nadine Zellmer und Cornelia Scherf-Zitte zeigen Woche für Woche, dass sie trotz fortschreitenden Handballalters noch lange nicht zum alten Eisen zählen. Koch führte in der letzten Saison noch die Oberligamannschaft der Löwinnen als Kapitänin aufs Feld und zählte in der Spielklasse zu den Topspielerinnen. Ihre Erfahrungen geben die „alten Hasen“ gerne an die jungen Talente des SV 64 weiter und spielen so zusammen eine bislang perfekte Runde.

Die 38-jährige Katrin Hoffmann hätte nichts dagegen, im Herbst ihrer Karriere den Saarlandligatitel zu feiern. Sie sagt: „Es macht dieses Jahr sehr viel Spaß, da wir uns teilweise schon jahrelang kennen und schon viel zusammen erlebt haben. Da müssen sich die Jungen im Team schon öfter mal alte Geschichten anhören“, flachst die flinke Rückraum-Mitte-Spielerin. Und selbst wenn die vier ehemaligen Regionalspielerinnen irgendwann nicht mehr auf dem Handballparkett stehen werden, ist für Nachwuchs gesorgt. Alle Kinder der vier Handballfrauen sind bereits jetzt von den Minis bis zur E-Jugend des SV 64 am Ball.



Im Spitzenspiel gegen die Reserve der Marpinger ließ die Mannschaft von Trainer Christian Buchner den saarländischen Gästen nicht den Hauch einer Chance. Mehr als 100 Zuschauer in der Ignaz-Roth-Halle sahen, wie Hoffmann und Cornelia Scherf-Zitte nochmal zu alter Höchstform aufliefen. Zusammen erzielten sie die Hälfte aller Treffer für Zweibrücken. „Wir waren heute vor dem Spiel unglaublich nervös. Das wird im Alter definitiv nicht besser. Aber als dann die Abwehr von Beginn an stand, haben wir gut ins Spiel gefunden und konnten es auch genießen, dass heute so viele Zuschauer da waren“, freut sich Hoffmann, die mit ihrer Mannschaft am kommenden Wochenende spielfrei ist.

Auch die Saarlandliga-Männer des SV 64 sind am Wochenende erfolgreich ins neue Jahr gestartet. Beim Saarlandpokal-Halbfinalturnier in Merzig qualifizierte sich die Mannschaft für das sogenannte „Final Four“ am Ostermontag in Saarbrücken. Da der TV Homburg im Vorfeld seine Teilnahme aus Personalmangel abgesagt hatte, profitierte der SV 64 davon, dass ihm bereits ein Remis gegen Gastgeber Merzig zum Weiterkommen reichte. Dennoch waren das Unentschieden gegen den Tabellenzweiten der Saarlandliga sowie die knappe Niederlage gegen den Dritten SGH St. Ingbert aller Ehren wert. Als erstes Reserveteam der Zweibrücker Vereinsgeschichte erreicht der SV 64 II somit das Finale im Saarlandpokal. „Die Jungs waren überglücklich. Für die meisten wird es die erste Teilnahme am Final-Four sein. Genauso wie für mich als Trainer“, sagt SV II-Coach Klaus-Peter Weinert. Im laufenden Pokalwettbewerb hatte seine Mannschaft bereits den Oberligisten HSG Völklingen ausgeschaltet.

Aber auch in der Liga läuft es für die Männer vom SV 64 II solide. Die Mannschaft liegt mit leicht negativer Bilanz (13:15 Punkte) auf Platz neun. Und das obwohl das Team immer wieder mit personellen Engpässen zu kämpfen hat. Die Partie im Oktober gegen Saarlouis II hat die Reserve der Löwen deshalb bereits kampflos verloren. Auch weil der Gegner einer Verlegung nicht zustimmen wollte. „Wenn alle an Bord sind, haben wir die Qualität, jede Mannschaft in der Liga zu schlagen. Vielleicht mit Ausnahme vom TV Homburg“, sagt Weinert, dessen Team insbesondere im November richtig stark ins Rollen kam. Die Reserve der Löwen landete drei Siege in Folge, hatte sogar den Tabellenzweiten Merzig-Hilbringen am Rande einer Niederlage – bis eine undichte Stelle am Dach der Ignaz-Roth-Halle der möglichen Sensation einen Strich durch die Rechnung machte. Die Partie wurde bei einer komfortablen SV-Führung kurz vor der Halbzeit abgebrochen. „Klar ärgert mich das. Wir hätten gewonnen. Der beste Abwehrspieler des Gegners hatte schon die Rote Karte gesehen“, hadert Weinert.

Dass er seine erfolgreichsten Spieler in der Regel an die Oberliga-Mannschaft abtreten muss, sei „eben meine Arbeit“, sagt der Trainer. So spielten auch SV-Schaltzentrale Tim Schaller, Kreisläufer Kian Schwarzer und Rückraumspieler Christopher Huber, die heute mit der ersten Mannschaft der Löwen die Oberliga dominieren, zunächst unter ihm. „Manche Spieler brauchen ein bisschen Zeit, bis sie bereit sind“, weiß Weinert. So steht nun auch Tomas Schlegel auf dem Zettel von Oberliga-Trainer Stefan Bullacher. Der 21-Jährige spielte schon 2015 mit der B-Jugend des SV um den den deutschen Meistertitel , hing die Handballschuhe aber zugunsten der Leichtathletik an den Nagel. Seit dieser Saison geht der Rückraumspieler wieder auf Torejagd. Neben Schlegel hätten aber auch Fabian Naumann und Nico Gräber „enorme Fortschritte“ gemacht, berichtet Weinert, der beim Restrundenauftakt am Samstag um 20 Uhr gegen den Drittletzten TuS Brotdorf aber auf Naumann verzichten muss. Er hatte sich kurz vor der Winterpause die Hand gebrochen.

Mit Torwart Benedict Haubeil und Johannes Knoll haben zwei von Weinerts Spielern vor kurzem am Sparkassen-Cup teilgenommen – und standen mit einer Saar-Auswahl unter anderem den Nationalteams aus Weißrussland, Italien und den Niederlanden gegenüber. Weinert war bei dem Turnier in seiner Jugend auch schon zwei Mal dabei. Für die Entwicklung junger Spieler sei ein solches Kräftemessen mit den größten Talenten Europas von großem Wert. „Und wenn es einer der Spieler in die Bundesliga oder sogar zu einer Weltmeisterschaft packt, kann man sagen: Gegen den hab ich schon mal gespielt“, ergänzt Weinert und muss schmunzeln.

In der Restrunde will er mit seiner Mannschaft so schnell es geht den Klassenerhalt in trockene Tücher bringen. „Die ersten drei Partien bestreiten wir gegen Teams die hinter uns stehen. Wenn die blöd laufen, stehen wir schnell wieder unten drin. Dann kann es nochmal eng werden.“

  Klaus-Peter Weinert, Trainer der  Saarlandliga- Handballer vom SV 64 Zweibrücken II.    Foto: Wittenmeier
Klaus-Peter Weinert, Trainer der Saarlandliga- Handballer vom SV 64 Zweibrücken II. Foto: Wittenmeier FOTO: maw / Martin Wittenmeier