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Ironman auf Hawaii
Rennen am Rande der Zurechnungsfähigkeit

 Vor zwei Jahren quälte sich Oliver Spurzem zuletzt auf Hawaii durch den Ironman. Am Samstag geht der Zweibrücker Triathlet zum vierten Mal beim wohl berühmtesten Ausdauerwettkampf der Welt an den Start.
Vor zwei Jahren quälte sich Oliver Spurzem zuletzt auf Hawaii durch den Ironman. Am Samstag geht der Zweibrücker Triathlet zum vierten Mal beim wohl berühmtesten Ausdauerwettkampf der Welt an den Start. FOTO: Spurzem
Zweibrücken. Der Zweibrücker Triathlet Oliver Spurzem will bei seinem vierten Ironman-Start auf Hawaii endlich die „verdammte“ Zehn-Stunden-Marke knacken. Von Mirko Reuther

Man kann Oliver Spurzem nur wünschen, dass seine Lebensgefährtin einen grünen Daumen hat und sich gut um die Blumen kümmert. Denn besonders oft zu Hause ist der Zweibrücker Triathlet derzeit nicht. Nach einem Trainingslager Ende August in Frankreich und der Triathlon-Halbdistanz-WM Anfang September in Nizza, kehrte der 42-Jährige nur für einen Tag nach Deutschland zurück. „Da wurden eigentlich nur frische Sachen in den Koffer gepackt und weiter ging es nach Mallorca“, erzählt Spurzem. Dort bestritt er ein weiteres Trainingslager. Und diesmal galt die Vorbereitung der größten Veranstaltung, die es für einen Triathleten gibt – die Ironman-WM auf Hawaii. Und Richtung Vulkaninsel ist der Stabsfeldwebel des Fallschirmjägerregiments 26 bereits am 26. September nach einer – erneut sehr kurzen – Stippvisite in der Heimat längst wieder aufgebrochen.

Und das obwohl der große Wettkampf erst an diesem Samstag stattfindet. Die hawaiianische Gastfreundschaft konnte Spurzem in der Zwischenzeit aber nicht genießen. „Du kannst einfach nicht ein paar Tage vor dem Wettkampf nach Hawaii fliegen und dann den Ironman bestreiten“, sagt Spurzem. Und spricht aus Erfahrung. Es ist schließlich bereits das vierte Mal, dass er an dem legendärsten Triathlon der Welt teilnimmt. Doch sein größtes Ziel hat er bislang noch nicht erreicht: Er will endlich in unter zehn Stunden ins Ziel kommen. In Frankfurt liegt seine Langdistanz-Bestzeit bei 9:14 Stunden. Auf Hawaii bei 10:07 Stunden. Bei seinem ersten Start 2014 war der Zweibrücker also schon nah dran an der magischen Grenze. Aber eben nicht darunter – und das wurmt den ehrgeizigen Sportler. „Es reicht mir jetzt einfach, wegen der Hitze auf Hawaii meine Leistung nicht abrufen zu können.“

Deshalb die frühe Anreise. Um nicht nur den Jetlag – der Zeitunterschied beträgt zwölf Stunden – aus dem Körper zu bekommen. Sondern auch um sich an das Klima zu gewöhnen. Denn die Dehydrierung habe ihm bei seinen Starts bisher stets einen Strich durch die Rechnung gemacht, berichtet Spurzem zähneknirschend.



Damit diese „verdammte“ Zehn-Stunden-Marke diesmal fällt, hat der Triathlet auch das Trainingslager auf Mallorca bestritten. „Spezialvorbereitung“, nennt Spurzem die Läufe mit langer Kleidung unter der Mittagssonne auf der Baleareninsel. „Da waren ein paar lange Touren dabei, damit der Körper gleich weiß, was los ist.“ Dass es auf Mallorca für diese Zeit des Jahres unüblich heiß und feucht gewesen sei, kam ihm im Hinblick auf den Hawaii-Wettkampf gelegen: „Dort wird es ähnlich sein.“

Spurzems Hoffnung vor dem ältesten Triathlon über die Langdistanz: Bei den 3,8 Kilometern Schwimmen will er eine „gute Gruppe“ erwischen, an die er sich ran hängen kann. Und bei den 180,2 Kilometern auf dem Rad hofft er auf die „europäischen Verhältnisse“ aus dem letzten Jahr. Aufgrund der vergleichsweisen Windstille waren damals zahlreiche Rekorde gepurzelt. Ausgerechnet damals hatte Spurzem aber nicht teilgenommen. Beim abschließenden Marathon will er dann „mit Köpfchen laufen“. Der 42-Jährige sagt: „Die erste Hälfte kann man leicht zu schnell angehen.“ Und natürlich müsse er während des Laufs auf ausreichende Hydrierung, Kühlung und Verpflegung achten. „Das hört sich so leicht an, aber zu dem Zeitpunkt im Rennen ist man gar nicht mehr richtig zurechnungsfähig. Vergessen zu trinken – das wäre der ‚Show-Stopper’“, weiß Spurzem.

Aber selbst wenn der Zweibrücker alle Faktoren beachtet und Glück mit den Bedingungen hat, erwartet ihn immer noch ein mörderischer Wettkampf. „Oben auf dem Highway gibt es keinen Schatten. Nur schwarze Straße. Von unten kommen 50 Grad und von oben brennt die Sonne“, erinnert er sich. Und in seinen Trainingseinheiten dieser Tage auf der Insel kehrt auch gleich die nächste quälende Erinnerung zurück. „Hawaii könnte schön sein, aber wenn du dich mit den Mumuku-Winden beschäftigen musst, wirst du wie nirgendwo anders leiden“, schreibt er aus Hawaii. Aber: „Das macht den Sport eben aus. Und während des Rennens siehst du, dass die Profis ganz genauso leiden müssen wie du selbst.“

Man möchte dem Zweibrücker wünschen, dass er sein großes Ziel im vierten Anlauf endlich erreicht – und dass die Blumen bei seiner Rückkehr noch nicht die Köpfe hängen lassen.

 Eröffnet wird der Ironman-Hawaii ganz früh morgens in der Bucht von Kailua-Kona mit dem Massenstart im Schwimmen.
Eröffnet wird der Ironman-Hawaii ganz früh morgens in der Bucht von Kailua-Kona mit dem Massenstart im Schwimmen. FOTO: dpa / Baron Sekiya