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Qualifikation für EM in Reichweite

 Anfang Mai misst sich Wsf-Schwimmerin Marlene Hüther bei den Deutschen Aktiven-Meisterschaften mit der nationalen Spitze. Foto: Jörg Jacobi/pm
Anfang Mai misst sich Wsf-Schwimmerin Marlene Hüther bei den Deutschen Aktiven-Meisterschaften mit der nationalen Spitze. Foto: Jörg Jacobi/pm FOTO: Jörg Jacobi/pm
Zweibrücken/Saarbrücken. Marlene Hüther hat mit ihren Medaillen bei den Jugend-Europameisterschaften und ihren Finalteilnahmen bei den Jugend-Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr im internationalen Jugendbereich auf sich aufmerksam machen können. Nach diesen Erfolgen ist die Wsf-Schwimmerin in das Perspektivteam des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) für die Olympischen Spiele in Rio 2016 aufgenommen worden. Anfang Mai stehen nun für die 16-Jährige die Offenen Deutschen Meisterschaften in Berlin an. Im Interview mit Merkur -Redakteurin Svenja Kissel spricht ihr Trainer Ralf Steffen über die Entwicklung der Dietrichingerin und ihre Ziele.

In einer Woche finden in Berlin die diesjährigen offenen Deutschen Meisterschaften statt. Ist Marlene fit für die dort anstehenden Wettkämpfe?

Ralf Steffen: Nach dem jetzigen Stand der Dinge kann ich soviel sagen, dass Marlene sich in ähnlich guter Form befindet wie im vergangenen Jahr bei den Jugend-Europameisterschaften und den Jugend-Weltmeisterschaften. Alle Testergebnisse aus dem vergangenen Jahr konnte sie bereits bestätigen und viele sogar verbessern. Und das genau genommen bereits nach erst knapp zehn Monaten, denn die Meisterschaften waren im Juli und August 2013. Hinzu kommt, dass wir nach den Vorgaben des Chefbundestrainers die Umfänge und die Intensität noch weiter gesteigert haben, obwohl wir das erst in der letzten Saison getan hatten. Dies führte logischerweise dazu, dass Marlene seit Jahresbeginn bei allen Wettkämpfen in einem doch größeren Ermüdungszustand war und dadurch keine oder nur geringfügige Verbesserungen eingetreten sind. Vor dem Hintergrund des Mehrtrainings sind die Resultate aber durchweg positiv zu bewerten. Trotzdem ist diese Situation für uns beide insofern neu, als dass das Training bis zur letzten Saison so gestaltet war, dass auch Verbesserungen aus dem vollen Training heraus möglich waren. Marlene und ich sind daher sehr gespannt, zu was sie in einer Woche in der Lage sein wird. Ihre Formkurve steigt jedenfalls stetig an und wir sind beide "entspannt" zuversichtlich.

Bei der DM in Berlin geht es auch um die Tickets für die Offenen Europameisterschaften in Berlin und die Jugend-Europameisterschaften im niederländischen Dordrecht. Welche Ambitionen haben Sie diesbezüglich?

Steffen: Marlene will sich unbedingt für beide Meisterschaften qualifizieren. Der Chefbundestrainer ist auf eine Qualifikation für die Offenen Europameisterschaften vor heimischem Publikum in Berlin fokussiert. Ich persönlich möchte erst einmal in der nächsten Woche eine gute Deutsche Meisterschaft schwimmen. Der Rest ergibt sich von alleine. Wenn bei Marlene alles passt, dann kann sie auf einem so hohen Niveau schwimmen, dass eine Qualifikation für die Offenen Europameisterschaften zumindest in Reichweite wäre. Die Qualifikation für die Jugend-Europameisterschaften ist vergleichsweise einfacher. Die Kriterien sind die gleichen wie im Vorjahr - und da hatte sie es ja schon mal geschafft.

Wie bewerten Sie Marlenes Entwicklung der vergangenen Jahre, und welche Entwicklung können Sie voraussagen. Haben Sie Rio 2016 schon in Ihre Pläne einbezogen?

Steffen: Marlene hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Biologisch hat sie gerade in den vergangenen drei Monaten zugelegt, sie ist gewachsen und muskulär kräftiger geworden. Schwimmerisch hat sie weiter ihre technischen Fertigkeiten verbessert und das Längenwachstum hat sich bislang, aus meiner Sicht, nicht allzu sehr auf die Hebelverhältnisse ausgewirkt. Gerade beim Brustschwimmen bringen solche Veränderungen erhebliche Folgen mit sich. Die weitere Gesamtentwicklung lässt sich nicht voraussagen. Ich spreche da immer nur von Wahrscheinlichkeiten, und bei gleichbleibender Leistungsentwicklung darf sie auch ruhig mal von den Olympischen Spielen träumen. Ob es schon 2016 soweit ist, sehen wir dann. 2020 sind ja wieder Olympische Spiele. Aber wie ich bereits vorher sagte, bis Rio sind noch etliche Deutsche und andere internationale Meisterschaften zu schwimmen. Qualifikationen ergeben sich automatisch, wenn die Leistungen im Vorfeld stimmen. Wenn wir immer einen Schritt vor den anderen setzen, kommen wir auch an.

Marlene ist sehr vielseitig, wo sehen Sie Ihr größtes Potenzial? Wird Sie sich in Zukunft spezialisieren?

Steffen: Marlenes Vielseitigkeit haben wir weiter ausgebaut, sodass sie auch über die 200 Meter Lagen national ein gehöriges Wörtchen mitreden kann. Auch wenn sie bislang ihre Erfolge überwiegend mit dem Brustschwimmen erreicht hat, so ist sie nicht auf diese Lage spezialisiert, sondern zurzeit nur auf diese sehr fokussiert. Auch hier wird die Zeit zeigen, wozu sie noch fähig ist. Ich habe die Hebelverhältnisse erwähnt. Marlene ist immer noch im Wachstum. Da kann noch einiges passieren.

Der Chefbundestrainer Henning Lambertz hat Marlene in das Perspektivteam des DSV berufen. Wie muss man sich die Zusammenarbeit zwischen dem Chefbundestrainer, Marlene und Ihnen vorstellen?

Steffen: Zu Beginn einer jeden Saison muss ich als Marlenes Trainer eine sogenannte Individuelle Trainingsplanung (ITP) erstellen. Diese geht dann an den Chefbundestrainer, den Bundestrainer Diagnostik und den zuständigen Bundesstützpunkttrainer. Nach Prüfung meiner Planung treffen sich dann alle Beteiligten zum sogenannten ITP-Gespräch am zuständigen Bundesstützpunkt in Heidelberg. In diesem Gespräch wird dann der Verlauf der Saison genau festgelegt. Zusätzlich muss ich jede Woche meine Trainingsdatendokumentation (TDD) an die Bundestrainer senden. Diese überprüfen, ob wir in unserem Soll liegen. Persönliche Treffen zwischen dem Chefbundestrainer (CBT) Henning Lambertz und uns finden auf Wettkämpfen und Lehrgängen statt. Darüber hinaus sind wir mit ihm telefonisch oder per E-Mail in Kontakt. Bislang hat immer alles reibungslos funktioniert. Sehr gut an dieser Form der Zusammenarbeit ist, dass sich keiner verbiegen muss und genügend Raum bleibt für individuelle Vorstellungen und Bedürfnisse.

Wie sieht ihr wöchentlicher Trainingsumfang und -rhythmus mit Marlene Hüther aus?

Steffen: Marlene hat pro Woche insgesamt zehn Wassereinheiten, wobei vier Einheiten davon bereits morgens absolviert werden. Marlene ist Schülerin an der Eliteschule des Sports - dem Gymnasium am Rotenbühl - in Saarbrücken. Daher sind die morgendlichen Einheiten in ihren Stundenplan integriert. Nachmittags kommen dann zu den Wassereinheiten noch mal fünf Einheiten Kraft- und Athletiktraining dazu von bis zu 90 Minuten Dauer. Ein bis zwei Termine pro Woche a 30 Minuten müssen für die Physiotherapie dazugerechnet werden. Das ergibt dann einen zeitlichen Gesamtumfang von etwa 28,5 Stunden und bis zu 60 Trainingskilometern im Wasser pro Woche. Dazu kommt noch die Schule. Die täglichen Anforderungen sind schon enorm hoch. Deren Absolvierung verdient den allerhöchsten Respekt.

Sie sind ein sehr akribischer Trainer. Woran muss Marlene noch arbeiten?

Steffen: Marlene ist auf einem sehr guten Weg. Sicherlich kann sie im Bereich der Technik und der Kraft noch einiges verbessern. Vor allem an ihrem Wissen über die Trainingslehre und -methodik muss sie unbedingt arbeiten, um die Zusammenhänge in der täglichen, sportlichen Praxis besser zu verstehen. Ansonsten bin ich schon sehr zufrieden mit ihr.