| 23:10 Uhr

VTZ Saarpfalz
Zwei VTZ-Urgesteine auf der Trainerbank

 Ob Kai Schumann seinen Schützlingen ab der kommenden Saison zeigen wird, wie man sich so unwiderstehlich durch die gegnerische Abwehr tankt, wie hier im Pokalspiel gegen die HSG Wetzlar im Jahre 2010?
Ob Kai Schumann seinen Schützlingen ab der kommenden Saison zeigen wird, wie man sich so unwiderstehlich durch die gegnerische Abwehr tankt, wie hier im Pokalspiel gegen die HSG Wetzlar im Jahre 2010? FOTO: nos
Zweibrücken. Philip Wiese und Kai Schumann beerben ab der kommenden Saison den scheidenden Danijel Grgic als Trainerduo beim Handball-Oberligisten VTZ Saarpfalz. Am Samstag steht das Auswärtsspiel in der Liga bei der HSG Völklingen an. Von Jadran Pesic und Mirko Reuther

„Wir wollen diese Frage baldmöglichst regeln“, hatte Klaus Biehl, der Vorsitzende der VTZ Saarpfalz, am Freitag vor einer Woche versprochen. Und meinte damit die Antwort darauf, wer nächste Saison Nachfolger des scheidenden Trainers Danijel Grgic beim Handball-Oberligisten wird.

Und Biehl hielt Wort. Nicht einmal eine Woche nachdem der ehemalige Nationalspieler Grgic seinen Rückzug zum Saisonende erklärt hatte, zauberte die VTZ zwei neue Übungsleiter aus dem Hut – zumindest neu auf der Trainerbank der ersten Mannschaft. Denn sowohl der ehemalige Kapitän Philip Wiese als auch Kai Schumann sind echte VTZ-Urgesteine, die nach ihrer langen Spielerkarriere mittlerweile im Verein als Nachwuchstrainer tätig sind.

„Ich hatte einfach das Bedürfnis, im Verein Verantwortung zu übernehmen. In einer Situation, in der man ihm helfen kann“, erklärte Schumann seinen Schritt. Ein Jahrzehnt lang (2002 - 2012) trug er das Trikot der Zweibrücker, bevor er seine Karriere beendete und als Trainer beim Saarlandligisten HSG Ottweiler/Steinbach anheuerte. Doch 2016 zog es ihn zurück zur VTZ. Er unterstützte den damals neuen Trainer Grgic bei der ersten Mannschaft und übernahm das Torhütertraining. 2017 lief er zeitweise wieder für die zweite Mannschaft des Vereins in der Saarlandliga auf. Seit 2018 ist der dreifache Familienvater und Inhaber des B-Scheins auch in die Jugendarbeit eingebunden.



Schumann spricht im Hinblick auf die kommende Saison aber nicht nur von einem Trainer-Duo, sondern einem Trio. Denn er und Wiese werden bei ihrer Arbeit von Marek Galla unterstützt – auch wenn dessen Hauptaugenmerk weiter auf der zweiten Mannschaft und der Jugendarbeit liegen wird. „Ich verspreche mir davon verschiedene Sichtweisen und Impulse, die jeder einbringen kann. Wir werden uns gut ergänzen“, sagt Schumann zuversichtlich.

Und der ehemalige VTZ-Kapitän Wiese, der vor wenigen Monaten nach 17 Jahren als Spieler der ersten Mannschaft seine Karriere beendet hatte, ergänzt: „Wir kennen uns alle schon lange und haben die gleiche Spielidee. Der große Vorteil in dieser Lösung liegt darin, dass jeden einen anderen Blick auf das Spiel hat und Sachen sieht, die den anderen vielleicht verborgen bleiben würden.“

Dass die Gefahr droht, durch den großen Aufwand als Trainer der ersten Mannschaft die Arbeit bei der Jugend zu vernachlässigen, glaubt Wiese nicht: „Als Spieler habe ich ja auch schon die Jugend trainiert. Von daher sehe ich da kein Problem.“ Schumann bekräftigt: „Wir wollen den Trainerbereich in der Jugend künftig etwas erweitern, um die Last auf mehrere Schultern zu verteilen. Aber es ist uns allen drei sehr wichtig, dass das, was so gut begonnen hat, mit unserer Hilfe vernünftig fortgeführt wird.“

Die Trainer Wiese und Schumann sind aber noch Zukunftsmusik. Der aktuelle Übungsleiter heißt Danijel Grgic. Der ehemalige kroatische Nationalspieler, dem die Belastung des Trainerjobs mit der weiten Anfahrt aus seinem Wohnort Saarlouis zu hoch geworden ist, verlässt die VTZ nicht im Groll. Und will seine letzte Halbserie nicht ziellos ausklingen lassen. „Wir sind hier noch nicht fertig. Wir wollen es bis zum Saisonende durchziehen und noch das Bestmögliche rausholen“, verspricht Grgic kämpferisch. „Es war die richtige Entscheidung, sich der VTZ anzuschließen. Wir haben gemeinsam viele Erfolge gefeiert. Und ich persönlich habe viele Freunde gewonnen“, sagt der Kroate, der die VTZ zwischenzeitlich in die Dritte Liga geführt hatte.

Am Samstag steht für ihn und seine Mannschaft, die in der Tabelle auf Rang sechs liegt, um 20 Uhr das Auswärtsspiel beim Zwölften HSG Völklingen an. Am letzten Wochenende bewiesen die VTZ-Handballer beim Vierten HF Illtal, dass sie grundsätzlich nicht weit von der Ligaspitze entfernt sind. Bei der knappen 28:29-Niederlage zeigte sich aber auch einmal mehr, dass die VTZ sich schwertut, eine konzentrierte Leistung über 60 Minuten abzuliefern. Mitte der zweiten Halbzeit lagen die Zweibrücker noch mit zwei Toren vorne. Doch binnen Minuten drehte Illtal die Partie.

Der kommende Gegner Völklingen hat als Saisonziel den frühzeitigen Klassenerhalt ausgegeben. Die größte Veränderung bei der HSG gab es auf der Trainerbank. Der erfahrene Taktikfuchs Berthold Kreuser wollte eine Pause vom Handball einlegen und wurde vom Franzosen Claude Dolic ersetzt, der in Völklingen viele Jahre die Schaltzentrale im Rückraum gewesen war. Ähnlich wie bei der VTZ fehlt es in Völklingen an Konstanz. Die Mannschaft zeigt zwei Gesichter. Mal gewinnt die HSG überraschend auswärts bei der starken HSG Bingen, mal kassiert die Mannschaft zu Hause eine Pleite gegen den Vorletzten Eckbachtal.

Personell stehen bei den Zweibrückern vor dem Duell in der Hermann-Neuberger-Halle noch zwei große Fragezeichen. Top-Torschütze und Kapitän Tom Paetow ist erkrankt und musste unter der Woche im Training kürzer treten. Und auch der Einsatz von Linksaußen Richard Wilga wird sich wohl erst kurzfristig entscheiden. Er laboriert an einer Knieverletzung.

 Unter Tränen wurde der ehemalige Kapitän Philip Wiese nach seinem letzten Heimspiel für die VTZ Saarpfalz in der vergangenen Saison verabschiedet. In der kommenden Spielzeit ist er wieder da. Dann als Trainer.
Unter Tränen wurde der ehemalige Kapitän Philip Wiese nach seinem letzten Heimspiel für die VTZ Saarpfalz in der vergangenen Saison verabschiedet. In der kommenden Spielzeit ist er wieder da. Dann als Trainer. FOTO: maw / Martin Wittenmeier