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Hallen-WM
Perfekter Zeitpunkt, die Limits auszureizen

Bereits heute macht sich Raphael Holzdeppe mit seinem Trainer Andrei Tivontchik auf den Weg nach Birmingham. Für den LAZ-Stabhochspringer ist es die erste Teilnahme an einer Hallen-Weltmeisterschaft.
Bereits heute macht sich Raphael Holzdeppe mit seinem Trainer Andrei Tivontchik auf den Weg nach Birmingham. Für den LAZ-Stabhochspringer ist es die erste Teilnahme an einer Hallen-Weltmeisterschaft. FOTO: Wolfgang Birkenstock
Zweibrücken. „Gut vorbereitet“ nimmt Raphael Holzdeppe am Sonntag seine erste Hallen-Weltmeisterschaft in Angriff. Das muss der Stabhochspringer vom LAZ Zweibrücken aber auch sein, denn die internationale Konkurrenz zeigt sich pünktlich zum Höhepunkt der Wintersaison ebenfalls in bestechender Form. Noch nie war der Kreis der Medaillenanwärter so groß wie vor Birmingham. Von Martin Wittenmeier

Wer in Birmingham aufs Podest will, muss hoch hinaus, vielleicht sogar über sechs Meter fliegen. Selten war es so schwierig, einen Favoriten auf die Goldmedaille herauszuheben. Und spätestens nach der Generalprobe in Clermont-Ferrand, bei der gleich sieben Athleten 5,88 Meter übersprangen, ist klar: Nur wer auf den Punkt topfit ist und seine beste Form abrufen kann, hat eine Chance auf Edelmetall.

Ganz vorne mitmischen möchte auch Raphael Holzdeppe. Für das Stabhochsprung-Ass vom LAZ Zweibrücken sind es die ersten Hallen-Weltmeisterschaften seiner Karriere. „Die letzten Jahre war es mir nie vergönnt, eine Hallen-WM zu springen. Das ist die einzige internationale Meisterschaft, die mir noch fehlt“, erklärt der 28-Jährige im Vorfeld der Titelkämpfe.

Dass er in Birmingham durchaus zu den Medaillenkandidaten zu zählen ist, hat der amtierende deutsche Hallenmeister in dieser Saison bereits unter Beweis gestellt. Anfang Februar stellte Holzdeppe bei einem Meeting in Karlsruhe mit 5,88 Metern eine Weltjahresbestleistung auf. Höher als der Zweibrücker war bis dato noch kein Stabhochspringer in diesem Winter gesprungen. Es folgten sein zweiter Hallen-DM-Titel (5,68m) und am vergangenen Sonntag der letzte Härtetest in Clermont-Ferrand, bei dem die gesamte Weltelite am Start war. Obwohl Holzdeppe sich hier mit 5,73 Metern und Rang zehn begnügen musste, „waren es gute Sprünge und eine gelungene Generalprobe für Birmingham“, schrieb er anschließend über den Online-Dienst Instagram.



In Birmingham rechnet Raphael Holzdeppe mit einem „sehr harten und anstrengenden, aber auch guten Wettkampf“, ähnlich wie zuletzt in Clermont-Ferrand. „Wir haben gerade den größten Wettbewerb in der Geschichte des Stabhochsprungs gesehen“, schwärmte Hallen-Weltrekordler (6,16m) und Mitfavorit Renaud Lavillenie aus Frankreich, der mit 5,93 Metern Zweiter wurde. Der höhengleiche Sieger Sam Kendricks sprach aufgrund des überragenden Niveaus von einem „magischen Meeting“. Die Dichte an starken Stabhochspringern ist enorm. Olympiasieger Thiago Braz da Silva (Brasilien), die beiden Polen Piotr Lisek und Pawel Wojciechowski und der erst 18-jährige Schwede Armand Duplantis - ihnen allen ist bei der WM der Sprung nach ganz oben aufs Treppchen zuzutrauen. Und nicht zuletzt auch Raphael Holzdeppe. „Ich freue mich darauf, an meine Grenzen zu gehen und die Limits auszureizen. Ich fühle mich sehr gut“, betont der Freiluft-Weltmeister von 2013.

Diesen Eindruck hat auch Heim- und Bundestrainer Andrei Tivontchik, mit dem sich Holzdeppe in den letzten Wochen intensiv auf den Höhepunkt der Hallensaison vorbereitet hat. „Raphael ist bereit für die WM“, sagt er am Tag vor der Abreise nach Birmingham. Sein Riesensatz in Karlsruhe – für Holzdeppe persönliche Bestleistung in der Halle –, bei dem er unter anderem Lavillenie geschlagen hatte, hätte ihn zusätzlich motiviert. „Er weiß jetzt, dass er solche Höhen springen und gegen die Besten der Welt gewinnen kann.“ Seinem Schützling traut er am Sonntag (ab 15 Uhr Ortszeit) einiges zu. Dafür bedürfe es allerdings auch eines besonderen Momentes, fügt Tivontchik an. „Wenn die Konkurrenz so nah beieinander liegt wie in diesem Jahr, entscheidet in erster Linie die Tagesform – und ein wenig auch das Glück. Wer am Ende tatsächlich die Medaillen gewinnt, ist schwer zu sagen.“

Sicher scheint nur, dass es in Birmingham hoch hinaus gehen wird. „5,88 Meter werden für den Titel nicht reichen“, ist Holzdeppe überzeugt, sagt aber auch selbstbewusst. „Ich will eine Medaille gewinnen und die Konkurrenten sind in der Weltjahresbestenliste ja nicht so weit weg von mir.“