| 22:06 Uhr

Saisonbilanz
Ohne Druck in die 3. Liga

Ausgelassener Jubel bei Philip Wiese. Der Kapitän hat mit der VTZ erneut den Aufstieg in die 3. Liga geschafft.
Ausgelassener Jubel bei Philip Wiese. Der Kapitän hat mit der VTZ erneut den Aufstieg in die 3. Liga geschafft. FOTO: Marco Wille; www.marcowille.de / Marco Wille
Zweibrücken. Zufrieden blickt Danijel Grgic auf die Oberliga-Saison zurück. Der VTZ-Meistertrainer will mit Spaß die neue Herausforderung angehen. Von Jadran Pesic

Vor zwei Jahren noch waren die Handballer der VT Zweibrücken-Saarpfalz mit Platz sieben im Niemandsland der RPS-Oberliga angekommen. Die Verantwortlichen der VTZ sahen sich gezwungen, einen Umbruch einzuleiten. Ein Großteil des Kaders wurde ausgetauscht und mit Danijel Grgic konnte der Wunschtrainer verpflichtet werden. Bereits im ersten Jahr sicherte er mit dem neu zusammengestellten Team die Vizemeisterschaft, feierte zudem den Sieg im Saarlandpokal. Diese Saison konnten die Zweibrücker die überragende letzte Runde nochmals toppen. Verdient sicherten sie den Titel in der Oberliga und damit den Aufstieg in die 3. Liga. Danijel Grgic blickt auf die vergangenen beiden Runden zurück und schaut zudem auf die kommende Herausforderung in der höheren Spielklasse.

Herr Grgic, hätten Sie sich vor zwei Jahren, als Sie bei der VTZ angefangen haben, vorstellen können, so schnell einen solchen Erfolg zu haben?

Natürlich war es mein Ziel, innerhalb von zwei bis drei Jahren die VTZ an die Spitze beziehungsweise in die Spitzengruppe der Liga zu führen. Dennoch hatte kaum einer, ebenso wenig wie ich, vor der Saison gedacht, dass das zweite Jahr noch besser wird als das vorangegangene. Denn mit dem VTV Mundenheim und dem SV 64 Zweibrücken kamen gleich zwei Absteiger aus der 3. Liga. Wenn man bedenkt, dass dann noch die HF Illtal und die SF Budenheim mit zwei überragenden Mannschaften antraten, konnte man die Meisterschaft nicht wirklich erwarten. Daher war es für mich persönlich auch eine kleine Sensation.



Ihre Mannschaft ist nach Minuspunkten nicht nur der beste Oberliga-RPS-Meister aller Zeiten, sondern stellt zeitgleich auch die beste Meisterabwehr. War das der Schlüssel zum Erfolg?

Zunächst einmal glaube ich, dass wir alle noch etwas Zeit brauchen, diesen Erfolg zu begreifen. Egal wie groß die Qualität einer Mannschaft ist, ist es dennoch unglaublich, bei 30 Saisonspielen nur drei Niederlagen zu kassieren. Aber ja, diese Coolness, die die Jungs an den Tag gelegt haben, in Verbindung mit unserer Abwehr, war sicherlich auschlaggebend.

Ihr Team hat sich gerade gegen die ärgsten Verfolger sehr nervenstark gezeigt. Von den sechs Top-Spielen gegen die direkte Konkurrenz hat die VTZ nur eins verloren. Und auch in den restlichen Partien konnte die Mannschaft meist im richtigen Moment noch eine Schippe drauflegen. Worauf führen Sie diese Nervenstärke zurück?

Für mich war vor allem entscheidend, dass wir in den sogenannten kleinen Spielen kaum gepatzt haben. Natürlich ist man in den Spitzenspielen besonders heiß. Als Trainer muss man die Jungs da nicht sonderlich motivieren. Vor allem dann nicht, wenn es dazu noch ein innerstädtisches Duell sowie ein Derby innerhalb des Handballverbands gibt. Ich denke, dass die Siege gegen die Top-Teams uns viel Selbstvertrauen gegeben haben. Ansonsten muss man sagen, dass wir auch genug routinierte Spieler haben, die wissen, dass man immer die Ruhe bewahren muss. Auch unsere starke Deckung hat uns dieses Jahr viel Selbstvertrauen gegeben, da wir auch nach ein, zwei Gegentreffern wussten, dass wir uns vorne den einen oder anderen Fehler erlauben können. An dieser Stelle muss man aber auch den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft hervorheben. Jeder wusste, dass er sich auf den anderen verlassen kann. Nur so konnten die knappen Partien zu unseren Gunsten gedreht werden.

Wann haben Sie das erste Mal in dieser Runde gedacht, dass es vielleicht wirklich für den großen Wurf reichen könnte?

Nach dem überragenden Start habe ich mir schon gedacht, dass wir da weitermachen können, wo wir in der Saison davor aufgehört haben. Auch schon im Vorjahr hatten wir eine sehr starke Hinrunde gespielt, mussten aber in der Rückrunde einige unnötige Niederlagen hinnehmen. Dieses Jahr haben wir in der Winterpause einfach gut gearbeitet und nach den ersten starken Auftritten war ich mir auch sicher, dass die Meisterschaft nur über uns gehen würde. Dennoch kann ich nicht sagen, dass ich zu irgendeinem Zeitpunkt gedacht habe, dass wir durch sind. In einem kleineren Kader wie dem unseren kann schon eine Verletzung das Gerüst zu Fall bringen. Am Ende bin ich aber einfach nur froh, dass wir es geschafft haben.

Das Team hat einige gute Partien, auch vor toller Zuschauerkulisse, gehabt. Welcher war für Sie der schönste Erfolg des Jahres?

Das war natürlich der Aufstieg (lacht). Ich bin kein Mensch, der sich an bestimmten Siegen besonders erfreut. Für mich ist der größte Erfolg, dass die Mannschaft sich belohnt hat und gesund geblieben ist. Bis auf die schwere Verletzung von Alexey Wetz, was mir persönlich sehr leid getan hat, sind wir sonst weitestgehend verschont geblieben. Ich habe immer versucht, auch präventiv zu arbeiten. Ich bin immer sehr froh nach einer Saison, wenn ich weiß, dass wir kaum bis wenig Verletzte hatten. Aber okay: Natürlich waren sicherlich die Derbys die Spiele, die besonders in Erinnerung geblieben sind. Vor allem der Sieg gegen den SV 64, als wir in den letzten Sekunden den Siegtreffer erzielt haben.

Der Aufstieg ist geschafft, jetzt wird mit Spannung erwartet, in welche Drittliga-Staffel es die VTZ verschlägt. Wenn Sie es sich aussuchen könnten, würden Sie die Süd- oder die Weststaffel wählen?

Obwohl es in der Summe um die 8000 Kilometer mehr an Fahrstrecke wären, würde ich mich wohl dennoch für die Staffel West entscheiden. Da wir, und auch ich als Spieler, viele Mannschaften und Orte aus der Südstaffel noch aus früheren Zeiten kennen, würde mich persönlich der Westen mehr reizen. Ich denke, dass dort viele gute Mannschaften sind, mit denen wir uns mal vergleichen könnten.

Bislang hat die VTZ einen ganz ordentlichen Kader stehen, für die 3. Liga womöglich jedoch einen etwas zu kleinen. Was macht Ihnen Hoffnung, den Klassenverbleib schaffen zu können?

Als ich vor zwei Jahren angefangen habe, habe ich den Jungs gesagt, dass wir alles machen, um Platz eins zu erreichen und einfach einen Schritt weiter zu kommen. Jetzt haben wir das geschafft – und wir werden das zunächst einmal genießen. Wir haben zwar einen kleinen Kader, aber dennoch bin ich in erster Linie erst einmal sehr stolz, dass das Gerüst der Mannschaft unverändert bleibt. Wie viele andere Vereine sind wir jetzt auf der Suche nach Verstärkungen. Ich hoffe, dass es uns gelingt, bezahlbare Verstärkungen und keine Ergänzungen zu finden. Wobei man im Moment schon sagen muss, dass der Markt etwas verrücktspielt, wenn man mitkriegt, was für teilweise wahnsinnige Gelder auch in der 3. Liga ausgegeben werden. Das macht es für uns natürlich nicht einfacher.

Wo müssen Sie demnach mit der Mannschaft ansetzen?

Wir werden weiterhin konzentriert arbeiten und versuchen, uns eine gute Fitness zu erarbeiten. Wenn man mit einer Mannschaft zusammenarbeitet, schaut man sich zunächst an, was für einen Kader man zusammen hat und versucht dann, an ihn die Taktik anzupassen. So mache ich das zumindest immer, denn ich bin niemand, der einen bestimmten Spielstil im Kopf hat und den versucht auf Teufel komm raus der Mannschaft aufzuerlegen. Meiner Meinung nach können wir nur über eine kompakte und starke Deckung in der 3. Liga bestehen. Wir werden aber definitiv nicht alles ändern. Wir wollen versuchen, die Saison zu genießen, unabhängig davon, wie viele Rückschläge wir erleiden. Da keiner einen Pfifferling auf uns setzt, haben wir auch keinen Druck.

Dieses Gespräch führte
Jadran Pesic.

VTZ-Trainer Danijel Grgic setzt auf die mannschaftliche Geschlossenheit.
VTZ-Trainer Danijel Grgic setzt auf die mannschaftliche Geschlossenheit. FOTO: Martin Wittenmeier