| 21:01 Uhr

Merkur-Serie
Manche haben „Batman“ verstanden

Ein Leben fürs Badminton: den Riesenschläger hat Hans-Jürgen Als einst von Mitspielern geschenkt bekommen.
Ein Leben fürs Badminton: den Riesenschläger hat Hans-Jürgen Als einst von Mitspielern geschenkt bekommen. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. In vielen Vereinen gibt es Unikate, die mit Leib und Seele dabei sind. Der Merkur stellt einige vor. Heute: Hans-Jürgen Als, der vor 50 Jahren die Badminton-Abteilung der VT Niederauerbach mitbegründet hat. Von Sebastian Dingler

Noch möglichst lange zum Schläger greifen – das ist der Wunsch von Hans-Jürgen Als. „Weitermachen will ich, solange ich mich noch halbwegs bewegen kann und ich noch einen habe, der hinterher mit mir einen trinken geht.“ Dass dem 73-jährigen Badminton-Urgestein die mit dem Sport verbundene Geselligkeit wichtig ist, lässt er an mehreren Stellen des Gesprächs mit dem Merkur durchblicken. „Badminton war für uns schon ein großes Stück Leben“, erklärt der ehemalige Realschullehrer für Deutsch und Erdkunde, der vor 50 Jahren die Badminton-Abteilung des VT Niederauerbach mitbegründete.

„Die Idee hatte Horst Buchmann. Außerdem war der leider früh verstorbene Wilhelm Tomsitz dabei, der gute Beziehungen zu dem damaligen VT-Vorsitzenden Erich Müller hatte. Dem sagte er: „Wir sind Studenten und wollen uns ein bisschen bewegen.“ Badminton wurde damals gerade populär. Anfangs mussten Als & Co. ihre Felder in den Sporthallen noch mit Kreppband abkleben. Als sie mit dem Sport anfingen, hätten sie in Zweibrücken Interviews geführt, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Leute hätten mit dem Begriff „Badminton“ aber noch nichts anfangen können, manche hätten „Batman“ verstanden, erzählt Als lachend.

1970 war es so weit, da konnte die VTN zum ersten Mal an einem Ligabetrieb teilnehmen - und zwar als Gast im Saarland. „Im pfälzischen Verband zu spielen, hätte für uns bedeutet, zu Partien nach Mainz oder in die Vorderpfalz zu fahren – da waren Oberthal, St. Wendel und Dillingen für uns weitaus besser erreichbar.“ Der Stolz darauf, im ersten Spiel ein 4:4 gegen Püttlingen erreicht zu haben, dauerte aber leider nicht lange. Die Pfälzer waren nach einer alten Satzung angetreten, die den Einsatz von mehr als vier Herren und zwei Damen erlaubte – doch die galt schon nicht mehr. „Ich war damals sehr streitbar und bin mit dem saarländischen Spielausschussvorsitzenden ordentlich ins Gehege gekommen – zwei, drei Jahre später war ich selbst in diesem Spielausschuss. Dann war alles wieder wunderbar“, erinnert sich Als.



Den sportlichen Höhepunkt erlebte er in den zwei Jahren, als er in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar mitwirkte. „Wir hatten oft samstags und sonntags ein Auswärtsspiel gehabt, auswärts übernachtet und dann auch mal gefeiert – das gehörte damals mehr dazu als heute.“ Besonders an die Weinkeller in Mainz-Gonsenheim und Unkel hat Als schöne Erinnerungen. Aber auch die Freundschaftsturniere in Lörrach, Villingen, Weiterstadt oder Göppingen waren tolle Erfahrungen für ihn, der überdies einen äußerst unkonventionellen Stil pflegte: „In Lörrach saßen die anderen mal draußen und haben Kaffee getrunken, da kam einer zu denen und sagte: Ihr müsst mal reingehen und zuschauen, da spielt einer völlig unmöglich, aber der gewinnt! Einer von uns hat da gesagt, das ist bestimmt der Hans-Jürgen. Und prompt war ich’s!“.

Eine andere schöne Anekdote betrifft Als’ liebsten Mitspieler im Doppel, Rolf Kalleder. „Da gab es die späteren Bundesligaspieler Martin Kranitz und Franz-Josef Müller in Heiligenwald. Als die noch nicht ganz so stark waren, sind wir mal gegen die angetreten. Da hat von oben einer geschrien: ‚Die spielen ja wie eine Gummiwand!‘. Da kam alles zurück – wir waren halt einfach furchtbar gut eingespielt.“ Der eigenwillige Stil rührte sicherlich daher, dass Als und seine Mitstreiter gar keine Anleitung erfahren hatten beim Erlernen ihres Sports. Erst ein Jahr nach der Vereinsgründung hatte man mal den saarländischen Spitzenspieler Karl Geisler eingeladen. Prompt stellte dieser fest, dass die Zweibrücker ihren Schläger falsch hielten. „Da mussten wir uns umgewöhnen, das war ekelhaft und erstmal hat gar nichts geklappt.“

Heute geht Als noch jeden Dienstag und Donnerstag ins Training. Als Spieler ist er nach wie vor gemeldet und hat in der letzten Punktrunde noch einen Einsatz gehabt. Sein Trick, immer noch Spaß an seinem Sport zu haben, ist folgender: „Ich habe den Vorteil gegenüber manchen anderen in meiner Altersklasse, dass ich zwar gemerkt habe, dass ich immer schlechter werde, aber das hingenommen habe.“ Seine zahlreichen Posten auf Funktionärsebene oder als Trainer hat er „ganz langsam“ abgegeben, was ihm im Übrigens wenig ausmacht: „Wenn man so manches hört aus dem Verband, bin ich froh, dass ich nicht mehr dabei bin. Es gibt ständig Querelen, es geht ständig um Geld, der eine will mehr, der andere kriegt es.“

Insgesamt blickt Als auf aber 50 wunderbare Jahre als Badminton-Spieler zurück und meint: „Wenn’s nicht so schön gewesen wäre, hätte ich es nicht so lange ausgehalten.“