| 22:55 Uhr

Fußball-Saarlandpokal
Lottner geht auf Distanz zu den Fans

Schiedsrichter Patrick Alt bespricht sich mit den Trainern Jürgen Luginger (links) und Dirk Lottner (rechts). Das Saarlandpokal-Viertelfinale am Mittwochabend wurde mit Verspätung begonnen, auch während des Spiels gab es ständig Pyrotechnik-Vorfälle im FCS-Block.
Schiedsrichter Patrick Alt bespricht sich mit den Trainern Jürgen Luginger (links) und Dirk Lottner (rechts). Das Saarlandpokal-Viertelfinale am Mittwochabend wurde mit Verspätung begonnen, auch während des Spiels gab es ständig Pyrotechnik-Vorfälle im FCS-Block. FOTO: Andreas Schlichter
Homburg. Der 1. FC Saarbrücken ist verärgert über das massive Fehlverhalten beim Pokalspiel in Homburg. Die Partie stand vor dem Abbruch. Der Fokus des FCH richtet sich nun wieder auf den Regionalliga-Aufstieg. Von Patric Cordier und Ralph Tiné

Kein Abklatschen am Zaun, kein kurzes Wort, kein Dank für die Unterstützung. Nur aus der Ferne winkten die Spieler des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken Richtung Fankurve. Sie setzten – auch auf Geheiß ihres Trainers Dirk Lottner – nach dem 2:1 (0:1)-Erfolg im Saarlandpokal-Viertelfinale beim Erzrivalen FC Homburg ein Zeichen gegen die Aktionen einiger Unbelehrbarer im Saarbrücker Fanblock. „Ich habe der Mannschaft nach dem Spiel gesagt, dass ich mich mit so einem Verhalten nicht identifizieren kann“, sagte Lottner.

Was anfänglich nach einer schönen und farbenfrohen Feier der seit 20 Jahren bestehenden Fanfreundschaft zwischen Saarbrücken und Nancy aussah, nahm schnell unerträgliche Züge an. Pyrotechnik im Block zu Beginn beider Halbzeiten, über die gesamte Spielzeit immer wieder zahllose Böller und Leuchtrakten, die auch Richtung Spielfeld und Heimfans flogen. „Ein bisschen Fackel hochhalten, vielleicht ein bisschen Böller werfen auch noch. Das gehört vielleicht dazu“, sagte Lottner: „Aber permanent Leuchtraketen Richtung Spieler schießen, hat beim Fußball nichts zu suchen. Wir müssen als Verein und Mannschaft da mal ein Zeichen setzen.“

Zumal der FCS auch im Pokal kein unbeschriebenes Blatt ist. 2015 stand nach einem Pokalspiel bei Hertha Wiesbach schon einmal eine zweijährige Sperre für diesen Wettbewerb im Raum, die dann zur Bewährung ausgesetzt wurde. „Es schadet einfach dem Verein“, sagte Kapitän Manuel Zeitz: „Das Spiel stand zwei Mal kurz vor dem Abbruch.“ Doch Schiedsrichter Patrick Alt brachte die Partie letztlich souverän über die Zeit.



Nun ist der Saarlandpokal ein anderer Wettbewerb als die Regionalliga, dennoch sehen auch die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Bilder aus Homburg. Diese machen die anstehenden Gespräche über Sicherheitsauflagen im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion für den Fall des Aufstiegs in die 3. Liga sicher nicht einfacher. „Die Leute in den Gremien sind nicht blind. Das Thema wird auftauchen und uns die Argumentation sicher nicht erleichtern“, sagt FCS-Geschäftsführer David Fischer, der als Sicherheitsbeauftragter im Block vergebens versucht hatte, dem Unwesen ein Ende zu setzen: „Es war aber dann kein Zugang zu den handelnden Personen möglich. Gewisse Dinge müssen bestraft werden. Es gibt da von unserer Seite null Toleranz.“

Die Polizei hat die Vorgänge im und ums Stadion auf Video gebannt. Nach dem Spiel mussten die Einsatzkräfte verschiedene Raufbolde trennen. „Es gab eine Festnahme und eine zeitweise in Gewahrsamnahme einer Gruppe“, erklärte Einsatzleiterin Alexandra Besse. Die weiteren Ermittlungen sind angelaufen. Auch beim Verband. „Das ist ein Rückschritt und sehr ärgerlich“, sagte Franz-Josef Schumann, Präsident des Saarländischen Fußballverbandes (SFV), auf Anfrage: „Jetzt muss sich die Verbandsgerichtsbarkeit damit beschäftigen. Ohne der Entscheidung vorgreifen zu wollen, ist von einer Geldstrafe und vielleicht Auflagen für künftige Spiele auszugehen.“

Die Geschichte des Fußballspiels vom Mittwochabend ist aus Saarbrücker Sicht sehr schnell erzählt. Nach guter Anfangsphase war da wenig bis nichts zu sehen vom Kombinationsfußball Lottnerscher Prägung. Die spielentscheidende Situation ist datiert auf die 55. Minute, da wurden Zeitz und Markus Mendler eingewechselt. Der Kapitän übernahm das Kommando in der defensiven Schaltzentrale, und Mendlers Leistung war schlichtweg außergewöhnlich. Nahezu jede seiner Aktionen war zielgerichtet, fast jede sorgte für Unruhe im und um den Homburger Strafraum. Mendlers Eckball verwerte Zeitz zum 1:1 (59.), Mendlers Flanke köpfte Kevin Behrens zum 2:1-Siegtreffer ins Netz (63.). Der Mann des Abends blieb bescheiden: „Ich bin nach meinen ganzen Verletzungen endlich wieder fit. Das merkt man auch im Spiel. Ich fühle mich richtig gut.“ Doch dieses gute Gefühl teilen beim FCS wegen der Vorkommnisse rund um den Derbysieg sicher nicht alle.

Für den FC Homburg kam der Knackpunkt des Viertelfinals vor den 5600 Zuschauern kurz nach der Halbzeitpause. Während Lott beim Stand von 1:0 für die Gastgeber mit Manuel Zeitz und Markus Mendler die beiden entscheidenden Spieler zum späteren 2:1-Sieg des FCS einwechselte, musste Jürgen Luginger, der Trainer des FC Homburg, zwei Minuten danach den von einer Roten Karte bedrohten Marco Gaiser vom Feld nehmen. „Das hat uns schon weh getan, dass wir einen starken Mann im defensiven Mittelfeld rausnehmen mussten und zwei starke Saarbrücken Spieler reinkamen“, sagte Luginger. FCH-Vorstandschef Herbert Eder sah in dem Wechsel ebenfalls die entscheidende Verschiebung zugunsten der Gäste: „Wir haben Saarbrücken gut Paroli geboten und waren fast auf Augenhöhe. Bei dem Spielverlauf wäre bis dahin ein Sieg für uns möglich gewesen. Mit der Auswechslung von Gaiser hat uns der Turm in der Schlacht gefehlt.“

So musste sich der FCH, der im ersten Spielabschnitt zeitweise mehr als ebenbürtig war, in der zweiten Hälfte der Übermacht des Regionalliga-Spitzenreiters beugen. Mit dem Abschied aus dem Landespokal richtet sich der Fokus beim beim FCH nun komplett auf den direkten Wiederaufstieg. Der ist dem Team schon jetzt kaum mehr zu nehmen. Nach 24 Siegen in 24 Ligaspielen führen die Saarpfälzer die Oberliga mit einem Vorsprung von 19 Punkten auf Pirmasens an.